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Nordthailändische Kulturstadt:

Eine ganz besondere Reise nach Chiang Mai

Die nordthailändische Kulturstadt Chiang Mai bietet mehr als nur Tempel und Pagoden: Von verträumten Märchenpalästen, duftenden Hexenküchen und Elefantenmenschen – ein Reisebericht über einen spannenden Ausflug ins ungewöhnliche Chiang Mai.

Ich möchte ehrlich mit Ihnen sein: Sollten Sie einen kompakten Reisebericht über die Kultur und Sehenswürdigkeiten in Chiang Mai erwarten, könnten Sie vielleicht enttäuscht werden. Sicherlich ist die nordthailändische Lanna Kultur sehr faszinierend: Entstanden im 13. Jahrhundert, ist sie maßgeblich für Architektur, Kunsthandwerk und Mode. Auch heute noch ist der Stil des Lanna, das dunkle Teakholz, die spitzen Giebeldächer und fragilen Schnitzereien fast überall in Chiang Mai zu bewundern.

Um genau darüber zu schreiben, bin ich ins Hotel Oriental Dhara Dhevi gefahren. Die große Anlage  ist ganz dem Palaststil des Lanna nachempfunden. Als ich in dem 60 Hektar großen Areal ankomme, vergesse ich, dass ich eigentlich über nordthailändische Kultur und Architektur schreiben wollte. Denn ich sehe zwar thailändisch-burmesische Bauwerke, aber in Dimensionen, die jeden absolutistischen Herrscher erbleichen lassen würden.

In der Lobby erwartet mich Philipp Knüpfer, Food und Beverage Manager des Dhara Devis. Der Deutsche möchte mir „seine“ Märchenpaläste zeigen, sein Terminplaner bewilligt zwei Stunden für eine kleine Rundfahrt. Die Fahrt geht vorbei an Kolonialbauten aus dem englischen Birma, an Lanna Palästen und Tempelanlagen, die einen Spa, eine Shoppingmall oder vielleicht auch nur eine Toilette beherbergen. Ich sehe künstliche Dorfmärkte, tanzende Thaimädchen in exotischen Kostümen, goldene Pagoden, und zu Zierde hochgezogene Gemüsegärten. Ich befinde mich in einem Disneyland nordthailändischer Baukunst und Tradition, das den Besucher vergessen lässt, dass er sich eigentlich in einem Hotel befindet. Dem Schwesterhotel des legendären Orientals in Bangkok.

Wir erreichen das Ziel unserer Reise, den Ort, an dem der gestresste Reisende sich erholen kann: Ein Palastrestaurant, von dessen Terrasse aus man auf künstlich angelegte Reisfelder blickt: Bauern pflügen gerade die Reisterassen, alles wirkt harmonisch. Philipp Knüpfer erzählt, Scheiche, Celebrities und die amerikanische Hochfinanz hätten hier schon mit den thailändischen Bauern Reis geerntet: „Wir machen hier alles möglich,” erklärt Philipp.“ Es gibt nichts, was unser Gast nicht bekommt.” Und wem die Nacht im Miniaturkönigreich zu teuer ist – ab ca. 330 Euro – empfiehlt er auf jeden Fall einen Kaffee über der Reisterrasse.

Nach zwei Stunden falle ich draußen vor den Toren des Dhara Dhevis zurück in die Realität. Etwas durcheinander steige ich in ein Taxi, beschreibe dem Taxifahrer den Weg zur Blumenausstellung Ratchapruek, dem nächsten Programmpunkt meiner Reise. Der Taxifahrer fragt mich, ob ich hungrig sei. Er erzählt mir, die Frau seines Bruders habe ein Restaurant, in dem nur mit Blumen gekocht wird, und das müsste mich doch interessieren. Hungrig bin ich, also ändere ich noch einmal meine Pläne.

Das Blumenrestaurant

Angekommen betrete ich einen kleinen Hof, in dessen Mitte ein Holzhäuschen steht, mit Laternen geschmückt und mit Pflanzen bewachsen. Das Restaurant und der Garten sind menschenleer, ich höre nur französische Chansons und die quakenden Frösche. Dann kommt die Besitzerin: Eine kleine runde Frau, über und über mit Ketten behangen. Sie nennt mich „ Kind” und will wissen, was ich möchte. Als Neuling auf dem Gebiet der floralen Küche, sage ich ihr einfach, sie soll mich überraschen. Dann gibt es Rosensuppe, fritierte Bananenblüten und Orchideen, ein Curry aus Chrysanthemen und Ingwerblüte, und vietnamesische Frühlingsrollen, die mit Klee und anderen Wiesenblumen gefüllt sind. Mit vollem Magen bezahle ich die unglaublich günstige Rechnung (280 Baht) und entspanne noch ein bisschen in dem mit 50er-Jahre-Fotografien, Hippielaternen und skurrilen Stoffmarionetten dekorierten Restaurant.

Für den nächsten Tag mache ich keine Pläne mehr, sondern warte lieber einfach ab, was passiert. Gegen Mittag klingelt mein Telefon: „Du bist doch gerade in Chiang Mai? Hast du schon den Deutschen kennen gelernt, der mit Elefanten und einem Bergvolk in den Wäldern lebt? Bei dem kann man einen Elefantenführerschein machen.“ Ok! Das war jetzt genau, was noch gefehlt hat. Ich lasse mir die Telefonnummer geben, und mache einen Treffpunkt mit Bodo Jens Förster aus, dem Elefantentrainer und Besitzer der „Elefant Special Tours”.

Der Elefantenflüsterer

Auf der wackeligen Fahrt in die Berge nach Mae Sapok erzählt er mir von seiner Ausbildung als Elefantenführer und seinem früheren Arbeitsplatz im Berliner Zoo.  Ein Elefantenliebhaber sei er, aber eben auch ein Geschäftsmann. Immer ausgebucht sei er, die verschiedensten Menschen machen Urlaub in seinem Haus „White Lodge”. Täglich lernen sie, wie man einen Elefanten führt, wie man ihn pflegt und reitet. Aber auch Ausflüge nach Chiang Mai, zu einem Eremiten-Tempel und dem nahe gelegenen „Doi Inthanon Nationalpark” stehen als Ausgleich auf dem Programm. Die Gäste wählen Aufenthalte von zwei bis 14 Tagen und die Preise liegen zwischen 200 und 2000  Euro.  Das Haus des Ehepaares ist schön gelegen, mit fantastischer Aussicht auf Reisfelder und Berge. Alle Gäste leben zusammen mit den Försters im Haus.

Bodo und ich machen uns auf den Weg zum Elefantencamp, das am Fluss Mae Wang gelegen ist. Er fragt mich, ob ich Angst hätte. Nein, nicht vor den Elefanten, aber wohl vor ihm, der jeden genau wissen lässt, was Sache ist. Er lacht und sagt seinen Lieblingssatz: „Ja, irgendwas ist immer.” Seine  Mahouts (Elefantenführer) sind Karen. Dieses Bergvolk spricht seine eigene Sprache,  vermischt sich nur wenig mit den Thais und lebt schon seit Generationen mit Elefanten. Früher wurden die Dickhäuter zum Holzeinschlag verwendet, was heute auf Grund gesetzlicher Bestimmungen nicht mehr möglich ist. Für die Arbeitstiere ist der Tourismus eine Möglichkeit zu arbeiten und zur Ernährung der Karenfamilie beizutragen.

Auf ins Wasser!

Fünf junge Mahouts begrüßen mich – sie sind extrem muskulös und drahtig. Sogleich geht es los und Bodo sucht mir einen passenden Elefanten aus. Erstmal wollen die Dickhäuter gebadet werden. Bodo brüllt: „Auf ins Wasser!”. „Wie? Ich muss da mit?“ Das Wasser ist kalt und an mir schwimmt der verdaute Überrest eines Elefantenfrühstücks vorbei. „Stell dich nicht so an, irgendwas ist immer!“

Ich gebe mich geschlagen, wasche und bade meinen Elefanten. Dann heißt es: rauf auf das riesige Tier. Bodo erklärt, wie es geht und mein Elefant steckt mir seinen Kopf entgegen. Unerwartet rau und borstig ist der Kopf, auf dem ich sitze. Das Gefühl der Höhe und das beruhigende Gewackel, während der Elefant läuft, ist wunderschön. Nach zwei Stunden werden meine Beine müde. Der längste Treck, den er mit seinen Gästen gemacht hat, war ganze drei Wochen lang, erzählt Bodo. Wer macht so was? „Elefantenliebhaber, gestresste Manager, Menschen, die das Außergewöhnliche suchen.“

Es ist Zeit aufzubrechen. Bodo bringt mich an den Flughafen, und ich steige müde in den  Flieger. Ich kuschele mich in den Sitz, döse ein und träume: Von unerfüllten Arbeitsplänen, verpassten Terminen und den unbesichtigten Sehenswürdigkeiten. Und vom „Prinzen”, der über seine Reisfelder auf einem Elefanten reitet, während Bodo mit einem Blumencocktail in der Hand brüllt: „Irgendwas ist immer!”.

Von: Jacqueline-Maria Hitzler Fotos: Ute Bäuchl

Info

Anreise:

 

Besonders schön, aber auch anstrengend, ist eine Anreise mit dem Zug von Bangkok. Sie dauert etwa 10 Stunden und kostet je nach Abteil zwischen 600 und 1.200 Baht. Der Bus von Bangkok nach Chiang Mai ist die günstigste Reisemöglichkeit (um die 600 Baht), wohl aber auch die unbequemste. Schnell und bequem ist dagegen der Flug mit einem Billigflieger wie Air Asia, Nok Air oder 1-2-Fly. (Preise von Bangkok aus beginnen schon bei 350 Baht, je nach Verfügbarkeit.)

 

 

Hotels:

 

The Dhara Dhevi, Mandarin Oriental

Pompöses Resort, gebaut im Lanna Stil. Luxus und Exotik. Ein Besuch ist es auf jeden Fall wert. (Pro Nacht zwischen 330 und 1.250 Dollar.)

51/4 Chiang Mai- Sankampaeng Road, Moo 1 Thanon Tasala.

Amphur Muang

Tel. +66 (0) 5388 8888

 

D2Hotel

Modernes Hotel, direkt am Nachtbasar gelegen. Die In-nengestaltung überzeugt durch eine gerade und klare Linie. (Preise zwischen 150 und 600 Dollar pro Zimmer.)

100 Chang Klan Road

Amphur Muang

Tel. +66 (0) 5399 9999

 

Tree House

Die Besitzer haben einfache Thai- und Lanna-Holzhäuser aufgebaut. Die Gallerie, die Werkstatt und das Guesthouse bieten eine gute Möglichkeit, Kunsthandwerk, Antikes und Möbel zu bewundern, zu erwerben und günstig in dieser Atmosphäre zu nächtigen.

152 Chareon Rd., T. Watgate

Tel: +66 (0) 5324 5965

 


Essen und Trinken

 

Saimok Kap Dokmai „Mist and Flowers” Restaurant

Anya Potiwat betreibt ein ganz besonders Restaurant. Die Hauptzutaten aller Gerichte sind Blumen, Blüten und Blätter. Selbst die Getränke sind aus Blumen hergestellt. Ein echter Hingucker sind die Rosenfrühlingsrollen. Und für alle, denen das zuviel ist, gibt es auch hausgemachte Thai-Küche. (Gerichte zwischen 40 und 120 Baht.)

59 Wongwaen Road,

Chang Puak

Tel. +66 (0) 5335 7605

 

Berlin Bar

Die relativ neue Berlin Bar ist ein stylischer Draußen-Pub im Sixties-Retro Design. Der Name setzt sich aus den thailändischen Wörtern „Ber“ für „verschwommen” und „Lin“ für „betrunken” zusammen und hat rein gar nichts mit der deutschen Hauptstadt zu tun. Aber deutsche Wurst gibt es trotzdem.

(Gerichte und Getränke zwischen 60 und 300 Baht.)

13 Soi 5 Nimmanheamin Road

Tel. +66 (0) 5322 2443

 

 

Ausflüge

 

Elephant Special Tours

Bei Bodo Förster kann man einen Elefantenführerschein machen und alles lernen, was man über die Dickhäuter wissen muss. Aufenthalte und Kurse zwischen zwei Tagen und zwei Wochen, Spezialprogramm für Kinder.

Bodo und Lia Förster

Lodge „White House” Mae Sapok

47/3 Moo 5, T. Mae Win

Aumpher Mae Wang , Chiang Mai

Tel. +66 (0) 861 930 377

E-Mail bodo.foerster@remove-this.gmx.de

 

Massage von weiblichen Gefängnisinsassen

Im Rahmen eines Rehabilitierungsprogramms der Regierung werden hier Kurzzeitinhaftierte in Handwerks- und Massage-techniken ausgebildet. Wer sich günstig und auf hohem Niveau massieren lassen und auch noch etwas für einen guten Zweck tun will, ist hier genau richtig. (Thai-Massage pro Stunde 120 Baht.)

Women’s Prison

100 Ratwithi Road

Tel. +66 (0) 5322 1231

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