Phuket: BESUCH IN NEMOS KINDERSTUBE
Nicht das größte, doch sicher das tiefgründigste Aquarium Thailands liegt in direkter Nachbarschaft zum Lebensraum seiner Ausstellungsstücke.
Kurz bevor man am Ende der schmalen Panwa-Landzunge im Süden Phukets ins Meer fällt, findet man das unauffällige Gebäude auf dem Gelände des Zentrums für Meeresbiologie. Dem Ein fluss der wissenschaftlichen Hausherren ist zu verdanken, dass das Aquarium viel mehr als nur ein reiner Fischbeschauungsort ist.
Dass so ein Korallenriff Lebensraum für viele bunte Fische ist, dürfte spätestens seit Walt Disneys „Nemo“ jedem bekannt sein. Wie genau das funktioniert und das die Vielfalt noch viel weiter geht, das lernen vor allem die jüngeren Gäste des Phuket Aquarium. „Da ist noch viel mehr als man glaubt“, sagt Dr. Mark Wunsch, der einen Rahmenplan (siehe Infotext) für den Ausbau des Aquariums entwickelt hat: Mit Mikroskopen sollen die Kleinen hier unter anderem bald das Leben spendende Plankton beobachten können und so anschaulich lernen, wie empfindlich das Ökosystem Meer aufgebaut ist. „Wissensvermittlung ist eine unserer Hauptaufgaben“ erklärt der Bremer Meeresbiologe und Medienproduzent, der im Rahmen eines Tsunami-Hilfsprojektes noch bis zum Ende des Jahres auf Phuket lebt: „Wir hoffen, unseren Besuchern ein neues Umweltbewusstsein zu geben, wenn es um das Meer geht“, so Dr. Wunsch. Schließlich seien die meisten der fast 300.000 Besucher im Jahr Schulklassen aus der Umgebung und das Leben im Wasser beeinflusse sie in besonderem Maße. Im „Green Fins“ Projekt bilden die Kollegen von der Meeresökologie außerdem Tauchlehrer im schonenden Umgang mit dem Riff aus.
Im Phuket Aquarium gibt es neben den üblichen Schaubecken mit Tropenfi schen, Piranhas und elektrischen Zitteraalen deshalb auch weitaus anschaulichere „Edutainment“- Bereiche. Neben dem mittlerweile obligatorischen Tunnelgang mit Fütterung der Rochen und Haie durch Taucher stehen die Zackenbarsche als Symbol für die stetige Weiterentwicklung des Aquariums: Als Jungtiere sind sie vor über 20 Jahren hierher gekommen und mittlerweile so riesig, dass einige von ihnen demnächst das zu eng gewordenen Becken verlassen werden. Andere Meeresbewohner, wie die unscheinbare, aber möglicherweise tödliche Würfelqualle, sind hier ausgestellt, während sie im Institut erforscht und katalogisiert werden: „Eine wichtige Aufgabe zur Erklärung der Artenvielfalt“ erklärt Mark Wunsch und versichert uns schmunzelnd: „Keine Sorge, ihre Giftigkeit wird nicht am Menschen erprobt!“
AUSSERGEWÖHNLICHER NATURPFAD
Das wirklich Außergewöhnliche am Phuket Aquarium aber spielt sich außerhalb des Hauptgebäudes ab: Hinter der Kantine beginnt der Naturpfad, der entlang der Küste die verschiedenen Forschungsbereiche verbindet. An Schautafeln werden die unterschiedlichen Küstenbereiche erklärt und ihre Wirkung auf das Leben im Wasser. Dazu gehören auch so sensible Themen wie Raubfi scherei. Man kann am Pfad ein Exemplar der mittlerweile verbotenen Geräte betrachten, mit denen einst große Flächen Meeresboden und Korallenriffe von rücksichtslosen Fischern schwer beschädigt wurden. Besonders beliebt ist die Brutstation, in der Tintenfische, Seepferdchen und Clownfische aufgezogen werden, um sie später in die Freiheit zu entlassen oder in den Schaubecken zu zeigen. In einem anderen Becken entlang des Pfades schwimmen unzählige Baby-Schildkröten, die neugierig die Besucher beäugen oder einfach nur gemütlich mit ihren Flossen in Ruhestellung auf dem Panzer dösen. „Als Biologe sehen ich dieses Becken natürlich mit gemischten Gefühlen“, gesteht Mark Wunsch, doch sei es eben ein wichtiger Beitrag, um auf die Problematik der gefährdeten Meeresschildkröten aufmerksam zu machen. Das Freilassen von Schildkröten, Jungfi schen und Garnelen gehöre seit langem zur thailändischen Kultur und wird aufwändig zelebriert. Unter den ansässigen Fischern ist ein weiteres Becken besonders bekannt: Mit einem künstlichen Sandstrand versehen erholen sich dort verletzte oder geschwächte ausgewachsene Meeresschildkröten, die etwa nach einem Unfall mit einem Motorboot hierher gebracht werden: „Manche müssen für den Rest ihrer Zeit hier bleiben, andere können wir nach ihrer Genesung erfolgreich wieder in die Freiheit entlassen“, berichtet Mark Wunsch. Die Spuren im Sand verraten, dass hier manche Schildkröte tatsächlich ihre Eier gelegt hat. Ebenso beliebt, weil nicht gerade alltäglich, ist der Besuch des 38 Meter langen Forschungsschiffes, das am Pier liegt und für Jedermann zugänglich ist. Die Crew ist auskunftswillig und erklärt gerne die Details ihrer Arbeit auf See. Die wissenschaftliche Erfassung des Artenreichtums der Andamannensee ist eine der Hauptaufgaben des Biologiezentrums und selbstverständlich ist auch diese Arbeit für die Besucher des Aquariums dokumentiert. Die Artensammlung mit über 100.000 Exemplaren bringt so manchen Meeresbewohner zum Vorschein von dessen Existenz wir noch nie zuvor gehört haben. Eine andere Ausstellung widmet sich Arten, die wir heute und in Zukunft immer seltener zu Gesicht bekommen: Das Museum für gefährdete Meerestiere.
VERANTWORTUNGSVOLLER UMGANG MIT DEM MEER
Natürlich gehört auch eine Dokumentation des Tsunami an Phukets Küste vor vier Jahren zum Programm. Anhand eines Modells erkennt man die Kraft und Dimension solcher Wellen, von der auch das Aquarium nicht ganz verschont geblieben war. Die gesamte Technik im Keller musste damals ersetzt werden. In Phuket und anderswo blickt man nach der Katastrophe längst wieder zuversichtlich in die Zukunft und das Aquarium trägt nun seinen Teil zum verantwortungsvollen Umgang mit Meer und Küste bei. Das Phuket Aquarium erlebt derzeit eine große Veränderung um attraktiver und kompetenter zu erscheinen als dies mit der alternden Präsentationsform derzeit noch der Fall ist. Erste Neuerungen sind bereits installiert, andere folgen nach und nach während des laufenden Betriebes – es lohnt sich also, immer wieder mal vorbei zu schauen.
Info
Das Phuket Aquarium ist täglich geöffnet
von 8.30-16.30 Uhr, Eintritt für Kinder 50
Baht (frei unter 108 cm), Erwachsene zahlen
100 Baht. Fütterungszeit jeden Samstag und
Sonntag um 11 Uhr.
NEUES KONZEPT MIT DEUTSCHER HILFE
Nachdem der Tsunami im Dezember 2004 auf dramatische Weise offenbarte, wie schlecht es um eine Aufklärung zum nachhaltigen Umgang mit dem Meer und der Küstenregion bestellt ist, machte das Phuket Aquarium es sich zur Aufgabe, hier Abhilfe zu schaffen. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) startete zunächst ein auf ein Jahr begrenztes Projekt, in dem auch der Naturpfad geplant wurde. Doch es wurde schnell klar, dass eine längerfristige Unterstützung notwendig sein würde. Die Partnerorganisation der GTZ, das Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) entsandte dazu Dr. Mark Wunsch nach Phuket, um ein entsprechendes Konzept und ein Bildungsprogramm für mehr Umweltbewusstsein zu erarbeiten. Kürzlich wurde es in einem 5-Jahres-Rahmenplan verabschiedet.
Mit neuen Mitmachzonen, multimedialen Lernelementen und interaktiven Geräten soll das Aquarium attraktiver und lehrreicher gestaltet werden. Als Grundkonzept dient eine Reise des Besuchers mit dem Wasser von der Bergquelle zum offenen Meer und bis in die Tiefsee. Dazu werden bestehende Ausstellungsbereiche umgesiedelt, aber auch völlig neue Räume geschaffen. So ist etwa ein Filmsaal geplant, ein Kinder-Erlebnisbereich und ein „Nasslabor“, in dem Schüler spielerisch den Lebensraum Meer erfahren können. Für ausländische Besucher ist ein Audio-System in Arbeit, das unter anderem auch auf deutsch durch die Ausstellung führen soll und eine 20-minütige Dokumentation über das Leben der Korallenriffe wird gerade vom Mediateam des Aquariums produziert.
Für viele neue Elemente, zu denen der Filmsaal und auch eine Neugestaltung von Restaurant und Vorplatz des Aquariums gehören, werden zur Zeit noch Sponsoren gesucht. Wenn Dr. Wunsch nach Beendigung seines Einsatzes im Dezember zurück nach Deutschland reist, soll das Aquarium in Eigenregie in der Lage sein, diese und andere Verbesserungen durchzuführen. „Die Grundsteine sind gelegt“, freut er sich: „Meine Aufgabe ist nicht, hier Änderungen selbst durchzuführen, sondern die Grundlagen dafür zu vermitteln und Mitarbeiter in den erforderlichen Techniken zu schulen.“























