Chinesische "Dreigroschenoper": Geistreiches für Geister

Manchmal lohnt es sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen! Thaizeits Entdeckung der Woche und ein echter Insider Tipp für Kunstfreunde, die sich für die jahrhundertalte chinesische Kultur interessieren: die Photoserie des renommierten Fotografen Ben Owen-Browne, der die Faszination einer chinesischen "Geister-Oper" während des Neujahrfestes in Bangkok mit seiner Kamera einfing. Eine Abfolge von Schnappschüssen, entstanden aus purem Zufall und reiner Spontanität.

Von: Nathalie Gütermann

Bangkok, 5.1.2012

Das glücksbringende "Jahr des Drachens" hat offiziell begonnen! In einigen Regionen Chinas wird das Neujahrsfest noch bis Mitte Februar gefeiert; in Thailands Chinatown sind die prächtigen Festlichkeiten vorüber. Vergessen wird man die ungewöhlich fremdartigen Eindrücke allerdings nicht, denn die bedeutsame Begegnung mit den Mythen, Mysterien und der Magie des alten Chinas bleibt bei so manchem Besucher tief in der Erinnerung verankert. THAIZEIZEIT freut sich, Ihnen zur Erinnerung an das "Chinese New Year 2012" einen besonderen künstlerischen Leckerbissen zu präsentieren, verbunden mit einer "Special Offer" für  unsere THAIZEIT-LESER...

Als der in Bangkok ansässige Fotograf Ben Owen-Browne vor einigen Wochen gegen 21:00 Uhr den Anruf einer guten Bekannten bekam, mit der Bitte sie zu einer Oper in Chinatown zu begleiten, dachte er zunächst an einen schlechten Scherz. "So ein müdes, altes Klischee", war sein lapidarer Kommentar. Ausserdem war es spät, es hatte geregnet und er hatte noch am Computer zu arbeiten. Auf gar keinen Fall würde er noch ausgehen, schon gar nicht zu einer endlos langweiligen chinesischen Oper, die keiner versteht.

"Doch das Telefonat kam ausgerechnet von einer ganz speziellen Freundin, die sich immer von Orten meldet, wo ich nie hingehen würde", erklärte mir Ben im Gespräch über seine Arbeit. "Sie sieht Dinge, die andere nie sehen würden, denn sie lebt in ihrer ganz eigenen Wunderwelt. Ihre Beobachtungsgabe ist einzigartig und schliesslich ist es ihre unbändige Freude über plötzlichen Entdeckungen, die auch mich immer wieder entzückt".  

Ben gab also nach. Und natürlich begab er sich letztlich doch noch ans andere Ende der Stadt, nachts um 22:00 Uhr. In einer kleinen Seitenstrasse, deren Namen er längst vergessen hat, wurde er fündig. Ganz am Ende der Soi betrat er einen spärlich beleuchteten chinesischen Tempel, allerdings einen von so vielen, die er im Laufe der Jahre fotografiert hatte. "Niemals hätte ich hier meine Kamera gezückt, doch dann tat ich es vielmehr versehentlich. Völlig ungeplant, und ganz spontan meiner Neugier und dem Augenblick folgend. Was ich vorfand war das perfekte Film-Set!"

Geister-Oper im heiligen Tempel

"The 3 Baht Opera" betitelte Ben später sein Werk, denn in den heiligen Hallen des Tempels zahlt man keinen Eintritt. "Es wäre sowieso nichts zusammen gekommen, denn es war gar kein Publikum da. Ein Dutzend Zuschauer vielleicht, nicht mehr, die auf den wenigen Plastikstühlen, auf Holzbalken oder Treppenstufen Platz nahmen". Nichtsahnend, um was es wirklich geht bei diesem Stück. "Es ist gar nicht wichtig, ob jemand zuschaut", wurde dem Fotografen später erklärt. "Die Schauspieler werden während bestimmten Festivalperioden direkt vom Tempel beauftragt, die Toten zu unterhalten. Die Anwesenheit von Lebenden im Auditorium ist lediglich ein kleiner Benefit für das Theaterensemble".

Ich bekomme Gänsehaut, als Ben seine Geschichte weitererzählt. "Je intensiver ich auf die Bühne starrte und die Schauspieler hinter den Kulissen beobachtete, desto mehr hatte ich den Eindruck, als ob alle Beteiligten schon längst das Zeitliche gesegnet hätten. Mit ihrer maskenhaften Bühnenschminke und ihrer grazilen Körpersprache kamen sie mir vor wie Wesen von einem anderen Stern, die in prächtigen Kostümen und unverständlicher Sprache ein endloses Schauspiel für sich selbst inszenierten, das von niemanden gesehen wurde ausser von Geistern"...       

Wow, was für ein Theater! Und doch ist die Chinesische Oper seit vielen Jahrhunderten Teil der kulturellen Realität in asiatischen Ländern. Nach längeren Recherchen und meinem Versuch, etwas Licht in das Dunkel des soeben geschilderten Phänomens zu bringen, handelte es sich bei diesem Bühnenstück um eine Mischung aus klassischer Peking-Oper und Kun-Oper, eine der ältesten Bühnenkunstformen der Welt. Die Interpretationskraft der einzelnen Akteure ist dabei besonders beeindruckend, ebenso wie das für diese Kunstform extrem theatralische Make-up, welches als Steigerung der künstlerischen Ausdrucksform und zur totalen Verfremdung der persönlichen Gesichtszüge des Schauspielers genutzt wird.

Chinesen sind ein höchst spirituelles Volk, und dies drückt sich auf unterschiedlichste Weise aus. So kommen nach dem Volksglauben zu bestimmten Zeiten im Jahr die Seelen der Toten auf die Erde zurück. Ihnen zu Ehren werden dann sogenannte "Geister-Opern" aufgeführt, damit die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft mit den Menschen kommunizieren können. Kenner der Szene wissen:
die meist sehr mystisch-theatralischen Gesamtkunstwerke sind hochinteressante Aufführungen in mehreren Akten, bei der Gesang, Tanz und Schauspielkunst zu einer einzigartigen dramaturgischen Verschmelzung gelangen. Himmel, Erde und Hölle werden eins, die Grenze zwischen Leben und Tod verwischt.

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Chinesische Opern: in Thailand und in Deutschland ein Hit!

In ganz China gehört diese Spielart zur Tradition und wird meist von reisenden Theatergruppen aufgeführt, so auch für die chinesisch-stämmige Bevölkerung in Thailand. Vor allem im siebten Monat des chinesischen Mondkalenders, wenn allerorts das traditionelle „Fest der hungrigen Geister“ gefeiert wird, ist das "fahrende Theater-Völkchen" wieder im Königreich zu Gast. Dann stehen vor allem auf der Insel Phuket eine ganzen Reihe von Zeremonien auf dem Festivalprogramm, denn nach der Überlieferung kehren speziell zu diesem Zeitpunkt (meist im September) die Geister der Verstorbenen für einige Tage auf die Erde zurück, um sich dort bewirten und unterhalten zu lassen. Das Spenden von Speisen ist daher ebenso fester Bestandteil wie das Verbrennen von Totengeld als Opfergabe für die Seelen, was vielfach im Rahmen einer "Ghost Opera" geschieht.

Voraussetzung für einen möglichst anhaltenden Theatergenuss ist natürlich eine gewisse Vorbildung und idealerweise die Beherrschung der Sprache. Und so bleiben die Inhalte der Geister-Oper im Besonderen, aber auch die der Chinesische Oper im Allgemeinen für Ausländer und Touristen meist ein Buch mit sieben Siegeln. Die Faszination für diese Kunstform ist allerdings weltweit ungebrochen und erlebte unlängst auch in Deutschland ein Revival

Ende letzten Jahres, vom 5. - 8. November 2011, brachte die Kölner Oper den Klassiker "Palast ewiger Jugend" aus Shanghai an den Rhein ; eine traditionnelle chinesische Kun-Oper, die seit einigen Jahren auch zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. An vier aufeinanderfolgenden Tagen wurde das Stück in voller Länge und mit grossem Erfolg aufgeführt.

"Die Kun-Oper hatte großen Einfluss auf die verschiedensten chinesischen Theaterformen, so auch auf die berühmte Pekingoper. Im Laufe der Qing-Dynastie (1644 -1911) verlor die „Kunqu“, wie sie im Chinesischen genannt wird, mehr und mehr an Bedeutung und verschwand um 1930 beinahe ganz von den Theaterbühnen", schrieb das Kölner Opernhaus in einer offiziellen Erklärung. "Einigen Intellektuellen ist es zu verdanken, dass die Theaterform in den darauffolgenden Jahren wiederbelebt wurde, um schließlich im Mai 2001 in die UNESCO-Liste der 'Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit' aufgenommen zu werden. 2008 wurde diese Liste von der UNESCO umbenannt, so dass die Kun-Oper nun Teil der 'Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit' ist".

"Eine Europapremiere chinesischer Hochkultur", jubelten seinerzeit die Veranstalter in Nordrhein-Westfalen. Nun, kulturhungrige Besucher können dieses Spektakel in Thailand sogar kostenlos erleben, wenngleich in etwas abgeänderter Form und in weniger edlem Ambiente.

Also Augen auf, wenn mal wieder ein chinesisches Festival ansteht! Vielleicht haben Sie Glück und stossen bei Ihrem Streifzug durch Thailands Strassen und Tempel zufällig auf eine chinesische Theatergruppe, die gerade eine "Dreigroschenoper" aufführt. Werfen Sie dann unbedingt - so wie Ben Owen-Browne* -  auch einen Blick hinter die Kulissen, denn jetzt wissen Sie ja Bescheid: allein dieses geist(er)volle Schauspiel abseits der Bühne ist besonders lohnenswert. Nicht nur für Fotografen... 

 

BENS EXKLUSIVES ANGEBOT FÜR THAIZEIT LESER:
"Limited Edition Prints" anlässlich des Chinesischen Neujahrs

- 3er Set: Photo-Abzüge 20x30 cm auf feinem Fuji Photo-Papier.
Anstatt 7.500 Baht (Normalpreis) gibt's einen Sonderpreis von 5.000 Baht für Thaizeit Leser

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- Rahmen-Service (auf Wunsch) und Versandkosten werden extra berechnet. Bitte Preise erfragen!

- Photo-Prints können ausschliesslich online und nur direkt über Ben Owen-Browne bestellte werden.

- Als THAIZEIT-LESER bekommen Sie den Sonderpreis, wenn Sie den Begriff "DRAGON" in der Betreff-Zeile des Emails vermerken.

Email: benowenbrowne@no-spam.gmail.com
Webseite: BenOwenBrowne.com 


* Der Brite Ben Owen-Browne ist ein hoch angesehener Fotograf mit Wohnsitz in Bangkok. Er arbeitet für zahlreiche nationale und internationale Publikationen und veranstaltet regelmässige Ausstellungen. Seine ungewöhnlich inszenierten Photo-Reportagen haben längst Sammlerwert und hängen an den Wänden von Kunstliebhabern rund um den Erdball. Ben hat sich auf "Story-Portraits" von Menschen in unterschiedlichsten Situationen spezialisiert und ist auf Anfrage auch bereit, IHRE STORY fotografisch zu dokumentieren. Ganz gleich ob ein Familien-Event oderArbeitsprojekt ansteht, der Launch eines Produktes oder die Eröffnung eines Resorts - Ben ist mit der Kamera dabei und liefert Ihnen "Ihre persönliche fotografische Dokumentation" digital oder in Printversion. 

Alle Photos © 2012 by Ben Owen-Browne

 

 


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