Khanom, Tonayee Beach, Sandstreifen, Thai Strandspaziergänger, Thai Dolphin, Südthailand, Thailand 01

Khanom - Thailands selbstbewusstes Dornröschen

Im Süden Thailands liegt das Kleinod Khanom. Dort tummeln sich rosa Delfine vor langen, einsamen Stränden. Klingt wie im Märchen? THAIZEIT kann es bezeugen.

Von: Christoph Stockburger Fotos: Christoph Stockburger

Khanom ist bereit für den großen Tourismus. Die 13.000-Einwohner-Gemeinde hat ihm sprichwörtlich den Weg geebnet und einen Teppich aus Asphalt ausgelegt: Die Hauptstraße, die durch den langgezogenen Ort führt, ist vierspurig gebaut. Derzeit wird der äußere Fahrstreifen allerdings meistens als Parkplatz genutzt – viel Verkehr herrscht hier nämlich nicht.


Einsamer als auf Khanoms Straßen ist es nur an den Stränden. Großzügig erstreckt sich ein rund zwölf Kilometer langer Streifen aus Sand am Golf von Siam. Ein Prachtboulevard für Strandspaziergänger, über weite Strecken menschenleer. Nur vor den Resorts, die direkt am Meer liegen, herrscht etwas Leben. Dort dösen ein paar Urlauber in der Sonne oder blättern in Büchern, ungestört von den jungen Kickern, die nebenan im Sand ein Match austragen – nebenan, das heißt einige hundert Meter entfernt.  


Khanom, das Dornröschen Thailands, wartet darauf, wachgeküsst zu werden. Keineswegs ungeduldig, ohne eine Spur von Torschlusspanik – eher selbstbewusst. Soll sich der Prinz doch Zeit lassen. Im Vergleich zu den flamboyanten Bräuten Koh Samui und Phuket wirkt Khanom wie die schüchterne Schönheit vom Lande. Doch wer sie entdeckt, wird sich verlieben.

Romantische Sackgasse


Über die Gründe, warum die Region immer noch als Geheimtipp gehandelt wird, lässt sich nur spekulieren. "Vielleicht liegt es daran, dass Khanom in einer Sackgasse liegt", sagt Dagmar Jost. "Es ist kein Durchgangsort, wer von Surat Thani oder Donsak hierher fährt, muss auch wieder den gleichen Weg zurück." Die kleine Dame mit den freundlichen Augen macht nicht den Anschein, sich in der Sackgasse Khanom eingezwängt zu fühlen. Sie und ihr Mann haben sich mit Mitte Fünfzig zur Ruhe gesetzt und sind aus Deutschland in den Süden Thailands gezogen. Nun leben sie schon fast ein Jahrzehnt hier und kennen jeden Winkel der Gegend.  


Ihr Domizil liegt am Naiplao Beach, direkt neben dem Khanom Hill Resort. Urlauber, die dort absteigen, können sich auf die Tipps der quirligen Dagmar verlassen. Die Josts sind ein fleischgewordener Standortvorteil des Resorts, zumal das Ehepaar nicht nur fließend Thai, sondern auch Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch spricht. Das Hotel selbst empfiehlt sich durch die Lage direkt am Meer, seine familiäre Atmosphäre und eine herausragenden Küche. Auf der dreistöckigen Holzterrasse des Restaurants werden vorzügliche Thai-Gerichte serviert.


Große Hotelketten haben sich in Khanom noch nicht angesiedelt, trotzdem herrscht an Unterkünften kein Mangel. Weil der Ort bei thailändischen Touristen beliebt ist, gibt es eine Vielzahl von preiswerten Angeboten. In Strandresorts wie dem Talkoo oder dem Alongkot finden sich Zimmer ab 700 Baht, die Anlagen geben ein sauberes und solides Bild.


Die Ansprüche von Touristen aus Europa bedient neben dem Khanom Hill Resort vor allem das junge Avaa Resort, das ganz dem Zeitgeist modernen Hoteldesigns angepasst ist: Dunkles Holz, Glas und geschliffener Beton in den Bungalows, weiße Liegewiesen aus Kissen am Strand. Die Ruhe von Khanom hat durchaus ihren Chic.

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Im Racha Kiri, dem besten Haus am Platz, war schon die Königsfamilie zu Gast. Das Hotel schmiegt sich an die Klippen am südlichsten Zipfel des Naiplao Beach. Vom Hotelpool aus lassen sich hier die Maskottchen und Wahrzeichen Khanoms beobachten: rosa Delfine.

Pinkfarbene Attraktionen

Die pinkfarbenen Meeressäuger sind allgegenwärtig. Als steinerne Monumente über Straßenkreuzungen thronend, als Skulpturen an Poolbecken wachend, auf Hausfassaden gemalt, mit einem Flippergrinsen auf der Schnauze von Prospekten grüßend. Die Delfine sind die lebendige Attraktion in einem Ort, der an spektakulären Sehenswürdigkeiten sonst nicht viel zu bieten hat. Am besten zu beobachten sind sie auf offener See. In dem Fischerdorf Laem Prathab am nördlichen Ende Khanoms warten Einheimische darauf, die Touristen mit den Delfinen bekannt zu machen, pro Boot (mit maximal sieben Passagieren) verlangen sie 800 Baht. Die Fahrt nach Laem Prathab dauert ungefähr eine Dreiviertelstunde.


Die anderen Touristenziele Khanoms liegen nicht so weit voneinander entfernt, aber eines fahrbaren Untersatzes bedarf es schon, um nicht nur an den Strand gebunden zu sein. Roller gibt es ab 250 Baht zu mieten, bei der gemächlichen Verkehrssituation kommen auch Fahranfänger kaum unter Druck. Autos können nur im 65 Kilometer entfernten Surat Thani geliehen werden. Eine Taxifahrt von den Strandresorts in die Stadt und zurück kostet 300 Baht – allerdings ist das Angebot knapp und eine Reservierung nötig.


Khanom hat zwar keine aufregende City, aber das alltägliche Leben der Einheimischen, vor allem im Stadtbezirk Bang Noord, bietet viel Abwechslung. Wenn am Hafen mittags die bunten Kutter von ihrer Arbeit auf See zurückkehren, füllen sich die Gassen rasch mit vielbeschäftigten Menschen. Marktverkäufer, Köche, Händler, das Heer der burmesischen Hafenarbeiter: Sie alle hält der Fang auf Trab.

Idylle hinterm E-Werk

Ein Blick über die niedrigen Häuser Bang Noords hinweg und man sieht nichts als das Grün der umliegenden Berge. Darunter ragen ein paar rot-weiße Türme in die Höhe, die zu einem Elektrizitätswerk gehören. Das Werk ist von einem Zaun umgeben, vor dem Eingangstor schieben Polizisten Wache. Jedem, der eintreten möchte, wird jedoch Zugang gewährt: Denn hinter der Energiefabrik liegt ein öffentlicher Strand, und der darf nun mal nicht versperrt bleiben. Außerdem befindet sich hier eine Art Zoo-Ecke, denn in der Bucht des E-Werks tummeln sich rosa Delfine und an den Hängen klettern Affen.


"Die Hölle, das sind die anderen": Hatte Jean-Paul Sartre bei diesen Worten den Massentourismus im Sinn? Für Khanom spielen sie jedenfalls keine Rolle, denn die Idylle lässt sich hier ohne Schieben und Drängeln genießen. Kein Urlauber sieht sich genötigt, Strandliegen vor dem Frühstück mit Handtüchern als besetztes Terrain zu markieren. Niemand muss aufdringliche Verkäufer abwimmeln.

Thailands Dornröschen hat seine Unschuld noch nicht verloren. Solange auf der vierspurigen Straße geparkt wird, ist die Welt in Khanom noch in Ordnung.

Info

Hotels


Khanom Hill Resort Resort
www.khanom.de


Attraktionen


Wat Kradngnga: Der älteste Tempel Khanoms

Die Khao Wang Thong Höhle: Liegt zwischen Khanom und Nathon, der Weg ist von der Hauptstraße aus ausgeschildert. 

Khao Crot Höhle: Ebenfalls zwischen Khanom und Nathon, auch hier ist der Weg ist von der Hauptstraße aus ausgeschildert. Kleiner als die Khao Wang Thong Höhle.