Khao Yai: Thailands beliebtester Nationalpark
Wir schlagen uns durch den Dschungel in Thailands beliebtesten Nationalpark Khao Yai und wandern in Fußstapfen – und frischem Dung – wilder Elefanten.
Respekt beschreibt am besten das Gefühl, das sich spätestens nach einigen hundert Metern Fußmarsch in den Dschungel einstellt: Respekt vor der beeindruckenden Kulisse, dem atemberaubend schönen und doch für uns so lebensfeindlichen Terrain. Wenn der Pfad das erste Mal etwas schmaler wird oder sich fast in brusthohen Büschen verliert wird plötzlich klar, wie leicht es ist, sich im Dschungel zu verlaufen. Manchmal sind die anderen aus der Gruppe nicht sichtbar, obwohl sie nur zehn Meter entfernt gehen.
Dann der erste Fehler – die Markierungen bleiben aus und der Weg zurück für die letzten hundert Meter sieht so fremd aus. Kamen wir hier von rechts oder von links? Nach ein paar Versuchen hier und dort endlich der erlösende rote Punkt – war doch gar nicht so schwer! Die unterschwellige Angst schwindet im kleinen Triumph über die Wildnis, doch wir wissen: als nächste Falle wartet der Leichtsinn – und dann das Blair Witch Project…
Auf dem Roten Pfad
Wir haben uns für Trail 1 entschieden, den roten Pfad vom Visitor Center zum beliebten Wasserfall Haew Suwat, von dem Leonardo DiCaprio in der Verfilmung von Alex Garlands Buch „The Beach” hinunter springt ins vermeintliche Paradies. Wir fühlen uns heute ähnlich abenteuerlustig wie einst Leonardo, als uns der Ranger am Informationsschalter den Pfad als „fordernd” beschreibt. Nach einem prüfenden Blick auf unsere Stiefel nickt er und gibt uns ein paar Instruktionen. Drei bis vier Stunden soll der Marsch laut Fährtenbuch dauern, ein Schild am Eingang zum Pfad empfiehlt die Mitnahme eines ortskundigen Führers. Doch wir sind ja schon zu dritt und wollen unser Tempo selbst bestimmen. Kompass, Wasser, Bananen und spezielle Socken gegen Blutegel gehören zu unserer Ausrüstung und werden sich als unabdinglich erweisen.
Die erste Überraschung dann nach hundert Metern: Die Egel sind gar nicht so groß (und sichtbar) wie erwartet und haben sich bereits jetzt unbemerkt an unsere Schuhe geheftet. Wacker hangeln sie sich von dort immer höher zum Hosenbund und wir bleiben stehen, um sie mit dem mitgebrachten Salz zu beseitigen. Mit beiden Füßen im Matsch ziehen wir aber nur noch mehr von den Blutsaugern an und schon bald haben wir eine Routine entwickelt, wie man die Salzattacke bei mäßigem Schritttempo anwendet. In regelmäßigen Abständen ertönt nun der Ruf „Salz!” durch das Dickicht aus armdicken Lianen, mächtigen Urwaldriesen und undurchdringlichen Bambusstauden. Nur ein anderer Ruf wird auf dieser Tour noch öfter erschallen, wenn auch weniger hysterisch: Der Ruf nach dem roten Punkt.
Der Umweg ist das Ziel
Unser Trail 1 ist wie alle der 18 offiziellen Pfade in Khao Yai ursprünglich von wilden Elefanten getreten worden, die hier noch heute regelmäßig entlang wandern. Er wird unzählige Male gekreuzt von anderen Wildtierpfaden, weshalb Parkwächter den Hauptpfad mit roten Farbmarkierungen an Bäumstämmen und Lianen gekennzeichnet haben. Es dauert nicht lange bis wir zum ersten Mal vom rechten Weg abkommen und leider merken wir es erst recht spät, als es zum ersten Mal heißt: „Hat jemand einen roten Punkt gesehen?” Wir beschließen, den Weg zum letzten roten Punkt zurück zu gehen und drehen uns um. Leider sieht der Weg von der anderen Seite völlig fremd aus und wir stehen plötzlich an Weggabelungen, die uns zuvor nicht aufgefallen waren. Während einer von uns stehen bleibt, folgen die anderen zwei dem vermeintlichen Rückweg bis sie eben nicht mehr sichtbar sind. Dann bleibt wieder einer stehen, während der andere weitersucht, und so können wir bald zum letzten Punkt zurückkehren, ohne uns vollends im Dschungel zu verlieren.
Es stellte sich heraus, dass ein Urwaldriese hier vor nicht zu langer Zeit umgestürzt ist und eine Reihe anderer Bäume sowie unseren Pfad unter sich begraben hat. Solche Hindernisse gibt es öfter und es kann durchaus schwierig werden, den gekennzeichneten Weg nach einem solchen Umweg wieder zu finden. Andere Hindernisse sind zu überquerende Bäche oder glitschige Steilhänge, die wir aber als weit weniger problematisch empfinden und manchmal geht es nur geduckt unter Büschen hindurch. Abgesehen von den roten Punkten ist es übrigens nicht ratsam, sich an vorhandenen Wegweisern zu orientieren: Von den zweien die wir gesehen haben, war einer heruntergefallen und der andere schlicht falsch herum wieder angebracht!
Zu Besuch in Tigers Stube
Khao Yai ist der älteste Nationalpark Thailands und der meistbesuchte. Zu den Tieren, die hier noch in freier Wildbahn leben, gehören unter anderem Schwarzbären, Wildschweine, Leoparden, Elefanten, Tiger und Affen – doch die meisten wird man selbst mit Führung kaum zu Gesicht bekommen. Außer den Egeln haben wir leider nur mit einer anderen Tierart Bekanntschaft gemacht: einer giftgrünen Baumviper, die sich genau zwischen unsere Füße fallen ließ. Es gibt diverse Stellen an denen Parkwächter Salzreservoirs für die Tiere eingerichtet haben, dort ist eine Sichtung wahrscheinlicher. Wir finden diverse Kratz- und Dungspuren größerer Tiere und folgen an einer Stelle einem frischen Elefantenpfad. Eine Herde hat eine Art Treppe in den steilen Hang hinab zum Haew Sai getreten, die wir dankbar für eine Exkursion zum kleinen Bruder des berühmten Wasserfalls stromaufwärts benutzen. Außerhalb der Regenzeit ist es möglich von hier (und sogar vom weiter flussabwärts gelegenen Haew Pratun Wasserfall) bis zum Haew Suwat durch das Flussbett zu trecken.
Wer kommt, um Tiere zu sehen, hat bessere Chancen am eigens dafür aufgestellten Aussichtsturm nicht weit der Parkeinfahrt. Hier wohnt eine Horde frecher Affen, und zu bestimmten Zeiten kreuzen wilde Elefanten die Straße. Zum Nong Pak Chi Turm gelangt man über zwei Pfade, einer davon geht ab von Kilometer 33 der Hauptstraße und ist befestigt und ausgeschildert. Besonders an Wochenenden ist er allerdings überlaufen mit wenig umsichtigen Touristenhorden. Ein weiterer Turm nahe dem Visitor Center überblickt eine große Lichtung. Wer auf der Suche nach einer unschlagbaren Aussicht über den Urwald ist, dem seien die Pfade 4 (Pink Trail) und 11 ans Herz gelegt. Letzterer ist zwar ganz im Süden des Parks und über einige steile Pässe nur mit dem Auto zu erreichen, mit seinen 30 Minuten Wanderzeit aber ein perfekter Schnupperpfad für den weniger abenteuerlustigen Besucher.
Eine Nacht im Dschungel
Natürlich bietet Khao Yai auch interessante Routen für Leute mit Treckingerfahrung, denen man allerdings wegen fehlender Markierung und vieler wilder Abzweigungen nur mit ortskundiger Begleitung folgen kann. Sie sind nur nach Voranmeldung geöffnet, um Störungen der Fauna gering zu halten. Trail 18 ist ein einfacher Pfad zur Ranger-Station im Westen des Parks, die zwei Stunden Dschungelmarsch vom Nong Pak Chi Beobachtungsturm entfernt ist. Nach Voranmeldung im Visitor Center ist es möglich hier zu übernachten. Außerhalb der Regenzeit kann der Pfad auch mit Kindern gewandert werden – gelegentliches Tragen auf dem Arm oder Rücken natürlich vorausgesetzt. Trail 16 führt den Fluss entlang zu drei Wasserfällen und ist offiziell geschlossen, wird aber von Einheimischen weiterhin regelmäßig benutzt. Er ist auch wegen seiner Länge nur von und mit erfahrenen Dschungelwanderern zu bewältigen.
Als wir trotz unseres strammen Marschtempos nach gut sechs Stunden den malerischen 20-Meter-Wasserfall am Ende unseres Trails erreichen, ist uns nach einem Abstieg zum Fluss selbst nicht mehr zumute, und wir genießen den Blick von der Aussichtsplattform. Wegen unserer Verspätung sind wir froh, keinen Fahrer zur Abholung bestellt zu haben und trotten nass und matschig, aber glücklich, zum Parkplatz. Von hier fahren auch an Wochentagen noch viele Besucher über die vorbildliche Parkpiste zurück zum Hauptquartier (oder weiter) die uns bereitwillig auf der Ladefläche ihres Pickup mitnehmen. Erst später beim Umziehen bemerken wir dann unser Souvenir für die nächsten Tage: Ein paar Egel haben es bis auf die Haut geschafft und blutverschmierte Löcher hinterlassen. Doch das Ergebnis sieht dramatischer aus als es ist. Deutlich schmerzfreier jedenfalls als unsere Muskelkater am nächsten Tag. Ein paar Egel haben es bis auf die Haut geschafft und blutverschmierte Löcher hinterlassen.
Info
SCHUTZ GEGEN BLUTSAUGER
Die beste Zeit für Wanderungen durch den Dschungel in Khao Yai ist zu Beginn der Regenzeit (Juli-August) und in der Hochsaison (Dezember-Januar). Bei Feuchtigkeit sind viele Blutegel unterwegs; kleine Biester denen aber mit ein paar Tricks beizukommen ist:
- Unbedingt spezielle “leech socks” im Visitor
Center kaufen (50 Baht) und bis unter die Knie ziehen, fest zubinden.
- Eine Packung Salz (5 Baht) mitbringen zum Streuen
auf Egel, die bereits Stiefel oder Hosenbein erklimmen; sie fallen sofort ab.
- Moskitospray auf Socken und Schuhen hilft zumindest vorübergehend.
Sollte sich doch einmal einer festgesaugt haben, keine Panik: Die Blutung dauert zwar eine Weile an, ist aber harmlos.
Krankheiten übertragen die Egel keine, doch sollte die Wunde gegen eine bakterielle Infektion desinfiziert werden.
ORIENTIERUNG
Neulinge sollten unbedingt auf den ausgezeichneten Pfaden bleiben, besonders wer weder Kompass noch Karte (150 Baht, inkl. Bestimmungsbuch im Visitor Center) mitbringt.
In Notfällen die Ranger anrufen, die man vor einer längeren Wanderung stets über die geplante Route informieren sollte
(Tel.: 037-3190002 Ext.509).
Wer auf Nummer sicher geht, bucht schon vorher telefonisch Führer und Unterkunft über das Visitor Center.
ÜBERNACHTUNG
Im Park gibt es Campingplätze in gutem Zustand, doch viele Besucher übernachten in Pakchong und den umliegenden Hotels und Ressorts. Jeder bessere Reiseführer kann hier gute Empfehlungen für alle Budgets geben.


























