Schatzkammer voller Kostbarkeiten: das Jim-Thompson-Haus
Jim Thompson – ein Name mit grosser Bedeutung. Nun wurde von der gleichnamigen Stiftung ein Büchlein in deutscher Sprache veröffentlicht, das die wertvollen Kunstschätze und Antiquitäten im Hause des legendären Seidentycoons im Detail beschreibt.
Bangkok, 8.2.2012
Viel wurde über den amerikanischen Selfmademan James H.W. Thompson geschrieben. Über sein schillerndes Leben, sein erfolgreiches Seidenimperium und sein mysteriöses Verschwinden in den Cameron Highlands im März 1967. Bislang weitgehend unbekannt war jedoch die Bedeutung von Thompsons einzigartiger Kunstsammlung, die leider nur ansatzweise beim Rundgang durch sein elegantes Wohnhaus erklärt wird.
Das ist nun anders. Seit die kleine Hochglanzbroschüre “Das Jim-Thompson-Haus” auf Deutsch erhältlich ist, kommen nun auch all jene kulturhungrigen Besucher aus deutschsprachigen Ländern auf ihre Kosten, die in die Tiefe gehen und wirklich hinter die Fassade blicken wollen. Jedes Zimmer und sein Inventar wird auf unterhaltsame Art und Weise erklärt: die Provenienz und Bedeutsamkeit der wertvollen Skulpturen, Wandmalereien und Gobelins, des originalen Benjarong Porzellans und der kostbaren antiken Möbel – allesamt über viele Jahrzehnte aus südostasiatischen Ländern zusammengetragen.
Nach Jim Thompsons Verschwinden wurde der herrenlose Besitz im Jahre 1976 unter der Schirmherrschaft Ihrer Königlichen Hoheit, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, als Museum registriert und in die “James H.W. Thompson Foundation” eingebracht. Gemäss den Gründungsstatuten besteht die Aufgabe der Stiftung in der Erhaltung von Thailands kulturellem Erbe, insbesondere aber darin, das Vermächtnis von Jim Thompson zu schützen und sein Andenken in allen Ehren zu halten. Das Booklet trägt dazu bei und sollte unbedingt vor einem Besuch des Hauses im angrenzenden Shop erworben werden. Ich habe darin geblättert und möchte Ihnen die wichtigsten Passagen nicht vorenthalten...
Text-Auszüge aus "Das Jim Thompson Haus"
by William Warren & Jean-Michel Beurdeley:
DIE EINGANGSHALLE
Obwohl sie architektonisch betrachtet auf der Rückseite des Hauses liegt, kommen die Besucher des Jim-Thompson-Hauses in einer beeindruckenden, zwei Stockwerke hohen Eingangshalle an, die sowohl den Treppenaufgang als auch das beidseitige Obergeschoss umfasst. Dieser Teil ist aus Gebäudeelementen aus dem Dorf Pak Hai, nordwestlich von Ayutthaya, zusammengesetzt. Der schwarz-weisse Marmorboden stammt aus einem Palast in Bangkok. Am Ende der Halle ist der Torso eines Buddhas in den Türrahmen eingefügt. Die Statue ist aus Sandstein gehauen und entstammt der Dvaravati-Schule des ausgehenden 7. und beginnenden 8. Jahrhunderts in der Provinz Lopburi in Zentral-Thailand. Eine der beiden geschnitzten Teaktüren, die aussen von zwei Steinlöwen aus dem 19. Jahrhundert flankiert werden, zeigt eine beschützende Gottheit. Auf dem oberen Treppenabsatz ist der Kopf eines sitzenden Buddhas zu sehen; in der rechten Nische der Halle sind ein stehender Buddha der Ayutthaya-Schule sowie ein burmesischer Knabe als Gongträger ausgestellt.
Im ganzen Haus findet man eine sehr umfangreiche Sammlung traditioneller thailändischer Malerei, die meist auf Stoff, teilweise aber auch auf Papier und Holz gemalt wurde. Diese Malereien stammen von unbekannten Mönchen und wurden vor allem als ein Akt religiöser Hingabe und weniger als reines Kunstwerk geschaffen. Highlights: Uraltes Stoffgehänge mit einer Szene aus der Vessantara-Jataka-Geschichte, in der Prinz Vessantara seinen wertvollen weissen Elefanten verschenkt. Eine weitere Szene zeigt ihn mit seiner Familie auf dem Weg ins Exil und ist Teil einer 13-teiligen Gemäldeserie. Ein Hingucker sind auch die Kalksteinfiguren der irdischen Hindu-Göttin Schiwa und der Hindu-Göttin Uma. Beide Statuen sind aus der Lopburi-Schule des 12. Jahrhunderts aus der Provinz Surin. Eine Votivtafel aus Bronze aus dem 14. Jahrhundert stellt den schreitenden Buddha dar und ist eine bemerkenswerte Schöpfung der Sukhothai-Periode.
DAS ESSZIMMER
Einige der in diesem Raum ausgestellten Stücke des chinesischen Export-Porzellans kommen aus Ayutthaya. Ein gesunkenes Schiff, das in den 60er Jahren im Fluss in der Nähe der alten Hauptstadt entdeckt wurde, barg nahezu tausend Stücke des kostbaren Tafelgeschirrs. Das Esszimmer des Jim-Thompson-Hauses ist Zeuge vieler prächtiger Gesellschaften, als der Hausherr noch dort lebte. Die zwei geschnitzten Tische waren eigentlich Spieltische aus dem 19. Jahrhundert und tragen die Insignien des Königs Chulalongkorn (1868 – 1910). Alle Polsterstühle sind mit Thai-Seide überzogen. Der kristallene Kronleuchter hing ursprünglich in einem alten Palast in Bangkok aus der gleichen Epoche, als westliche Dekorationen bei wohlhabenden Thailändern beliebt wurden.
DER WOHNRAUM
Das Wohnzimmer ist der beeindruckendste Teil des Jim-Thompson-Hauses, sowohl hinsichtlich seiner Grösse als auch seiner Eleganz. Ursprünglich war es ein ganzes Haus, etwa aus dem Jahr 1800, das Thompson schon lange bei seinen täglichen Besuchen im Weberdorf Bang Krua (auf dem anderen Ufer, gegenüber seines Anwesens) bewunderte. Er erwarb es später von fünf Erben, zerlegte es und baute es auf seinem Gelände wieder auf.
In vier Seitenfenstern wurden Nischen eingerichtet und alle dort ausgestellten Holzfiguren stellen Lotusblüten haltende Gottheiten dar, wie man sie sonst nur in burmesischen Tempeltüren findet. Diese Figuren stammen aus Amarapura und wurden Thompson in den 50er Jahren überreicht – zum Dank für seine wertvollen Ratschläge, die er der burmesischen Regierung für den Aufbau einer Seidenindustrie gegeben hatte. In der Mitte des Raumes steht ein altes geschnitztes Thai Bett mit Beinen im chinesischen Stil. Auf der gegenüber liegenden Seite steht ein Schränkchen mit gold-schwarzen Lackmalereien, das zur Aufbewahrung von religiösen Skripten gedient hatte. Die vergoldete Buddhafigur auf einem niedrigen Tischchen unter dem Fenster stammt aus Burma, ebenso die zwei knienden Mönche am Bett.
Der grosse kristallene Kronleuchter gehörte, genau wie der im Essraum, ursprünglich zur Ausstattung eines Bangkok Palastes aus dem 19. Jahrhundert. Die Doppeltür vom Wohnraum zu Thompsons Arbeitszimmer und Schlafzimmer war ursprünglich der Eingang eines Pfandhauses in Bangkoks Chinesenviertel. In den Nischen sind Khmer-Bronzefigurinen aus dem 10. bis 13. Jahrhundert ausgestellt.
DAS ARBEITSZIMMER
Dies war ehemals der einzige klimatisierte Raum des Hauses, wo Jim Thompson las und Briefe schrieb. Das schönste hier ausgestellte Stück, und vielleicht die grösste Kostbarkeit der ganzen Sammlung, ist ein stehender Buddha aus Kalkstein, 104 cm hoch, der aus der frühen Dvaravati-Schule aus dem 8. Jahrhundert in der Provinz Lopburi stammt. Auf dem Schreibtisch sehen wir die Basrelief-Schnitzerei eines Buddhas, der einen Fächer in der Hand hält und seiner Mutter die göttliche Lehre verkündet. Zwei Gläubiger an seiner Seite verharren in andächtiger Pose. Daneben sind eine Reihe thailändischer Keramiken ausgestellt, die Ende des 14. und im 15. Jahrhundert in den Töpfereien um Sukhothai, der ersten Hauptstadt Thailands, hergestellt wurden. Die Wände des Arbeitszimmers schmücken einige Drucke europäischer Künstler, die sich Ende des 17. Jahrhunderts im Gefolge einer französischen Gesandtschaft am Ayutthaya-Hof aufgehalten haben. Darunter zwei Drucke, die Mandarine des siamesischen Hofes darstellen. Diese Drucke waren Illustrationen der Memoiren eines Mitgliedes der Gesandtschaft von Ludwig XIV. in Ayutthaya.
DAS SCHLAFZIMMER
Thompsons Schlafzimmer hat Aussicht auf die Terasse, den dschungelartigen Garten und den Klong (Kanal) Maha Nag, den er jeden Morgen überquerte, um die Seidenweber in Bang Krua aufzusuchen, mit denen er kooperierte. Eine Seitentür öffnet sich auf einen kleinen Vorplatz, der wiederum zu einem privaten Gästeflügel führt. In diesem Raum sind heute eine Reihe aussergewöhnliche Khmer-Figurinen ausgestellt. Dazu zählt auch ein Ardhanari-Kopf (eine hinduistische Gottheit, halb männlich, halb weiblich) aus Kalkstein aus dem 10. Jahrhundert im kambodschanischen Koh-Ker-Stil. Das Mobiliar dieses Raumes besteht unter anderem aus einem geschnitzten Teakbett mit einem Überwurf aus Thai-Seide, einem Skriptenschränkchen, einem “Mäusehaus” (chinesischer Holzkäfig für Mäuse, die als Haustiere gehalten wurden) und einem Altartisch mit eingelegten Perlmuttverzierungen. Das Bild über dem Bett stellt eine Szene aus den Vessantara-Jataka-Geschichten dar und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es auf hangeschöpftem Maulbeerpapier anstatt auf Stoff gemalt ist.
RESUMEE MEINES RUNDGANGS
Jim Thompson war sehr stolz auf seine Sammlung, die nicht nur wertvolle, sondern auch zahlreiche persönliche Gegenstände enthält, die ihm seine Mitarbeiter oder ausländischen Besucher im Laufe der Jahre geschenkt haben. Sein ganzes Haus ist eine veritable Schatzkammer voller Kuriositäten und Kostbarkeiten, und erinnert noch heute an diesen grossartigen Entrepreneur, der als “König der Thai-Seide” in die Geschichte des Königreichs einging.
Eine Reproduktion von Text und Bildern sowie jede Art von Weiterverwertung ist nur nach schriftlicher Genehmigung gestattet.
Infobox:
- “Das Jim-Thompson-Haus” von William Warren & Jean-Michel Beurdeley mit Fotos von Hans Fonk.
Verlag: Editions Didier Millet. - Das Booklet in deutscher Sprache wird über die „James H.W. Thompson Foundation“ herausgegeben und ist im Jim Thompson Haus & Museum für 250 Baht erhältlich.
- Adresse: Soi Kasemsan (2) Song, gegenüber dem National Stadium an der Rama I Road. Öffnungszeiten: Täglich von 9 – 17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 100 Baht, Studenten 50 Baht
- Web: jimthompsonhouse.com
Fotos: Hans Fonk / James H.W. Thompson Foundation © 2012

























