Thai Teakhäuser: Schönheiten mit inneren Werten
Sie sind fast verschwunden, doch ein paar wenige gibt es noch: Thailands traditionelle Häuser, in denen heute Restaurants, Bars und Spas untergebracht sind. THAIZEIT wandelte abseits der Touristenpfade und erlag dem Charme der alten Welt.
Ich gehöre zu den Liebhabern der typisch thailändischen Architektur. In diesem Fall meine ich jedoch nicht die beeindruckenden Tempel und Paläste mit ihren goldfunkelnden Mosaikarbeiten und aufwendigen Verzierungen. Mir haben es die klassischen Holzhäuser aus „goldenem Teak” angetan, die – oftmals auf Stelzen – im sogenannten Ayutthaya- oder Lanna-Stil erbaut sind: Mit hohen spitzen Dachaufsätzen, Wandvertäfelungen, Terrassen und Brückchen. Holz hat eine warme Ausstrahlung, vermittelt Geborgenheit, und löst bei jedem Besucher automatisch ein Wohlgefühl aus. Doch wo findet man diese Raritäten? Ich musste lange suchen und wurde erst hinter unscheinbaren Toren fündig. Hier sind meine Geheimtipps ...
Wohin, so fragte ich mich oft, kann ich meine Gäste aus Europa entführen, um ihnen ein echtes Stück Lebens- und Wohnkultur in Thailand zu vermitteln? Jim Thompson House? Nein danke! Für Touristen mag der Komplex aus mehreren Holzhäusern eine Attraktion sein, und – in Ermangelung weiterer Kenntnisse – oftmals erste Wahl. Das ist schade, denn für Kunstkenner, Ästheten und Gourmets gibt es in Bangkok und in der nächsten Umgebung weit mehr zu entdecken als das Haus des amerikanischen Seiden-Tycoons.
Zweifellos ist Jims Lebens- und Erfolgsgeschichte faszinierend, und natürlich auch der Mythos um sein bis heute ungeklärtes Verschwinden im Dschungel der Cameron Highlands. Doch wer möchte schon im Schnellverfahren und in nur zwanzig Minuten durch das Thompson Haus geschleust werden, das weder zum Verweilen einlädt, noch zur Bildung beiträgt? Leider wird die wirklich sehenswerte private Kunstsammlung des Entrepreneurs nur oberflächlich erläutert, und die Qualität der Speisen im Museumsrestaurant ist unterer Durchschnitt.
Highlights für Connaisseurs
Wer dagegen den kulturellen Austausch, ein fundiertes Gespräch und warmherzige Gastfreundschaft in einem authentischen thailändischen Ambiente erleben möchte, der sollte sich diese Namen merken: Ámantee, Ruen Urai, Face, Suk Spa, Wat Bang Kae Noi, Vimanmek Mansion, Suan Pakkad Palace, Chakrabongse Villas – um nur einige wunderbaren Beispiele traditioneller Baukunst zu nennen. Hätten Sie’s gewusst? Die meisten Besitztümer mit Wert liegen versteckt hinter unansehnlichen Zäunen oder Gemäuern, und oftmals fehlt gar jegliche Beschilderung. Mundpropaganda heißt das Zauberwort, und so wurde ich erst durch einen befreundeten Kunsthändler auf „Ámantee” aufmerksam – das „House of Oriental & Tibetan Antiques and Arts”, ganz in der Nähe des alten Flughafens Don Muang.
Ámantee: Räume voller Harmonie
Die Fahrt über den Chaeng Wattana Expressway dauert nur eine halbe Stunde, dann allerdings beginnt die Suche. Mein Taxifahrer und ich verirren uns im Labyrinth der Seitenstraßen, deshalb mein Tipp: Unbedingt eine Straßenkarte und die Adresse auf Thai mitnehmen, um keine Zeit zu verlieren. Denn Zeit sollte man sich nehmen, wenn man den Schatz entdecken möchte, der sich hinter einem schlichten grauen Holztor verbirgt. „Ámantee”, was im Französischen so viel bedeutet wie „friedvoller Raum”, ist ein wunderbar angelegter Komplex aus sechs thailändischen Häusern, angefüllt mit Kunstschätzen und Antiquitäten aus ganz Asien. Prächtige Truhen, Frisierkommoden und Himmelbetten beflügeln die Phantasie und erzählen Geschichten von glamourösen und amourösen Zeiten einer anderen Epoche. Wer will, kann im Ámantee diese edlen Second-Hand-Objekte fürs Eigenheim erstehen, doch einen kommerziellen Druck gibt es nicht.
„Wir verlangen keinen Eintritt”, sagt der Frankokanadier Gilles Sandres, Bewohner und Manager des Anwesens. „Unsere Besucher sind unsere Gäste; wir laden sie zum Verweilen ein, zum Sehen, zum Fühlen. Unser Haus ist eine Destination und kein Shop den man kurz betritt, etwas kauft und wieder geht”. Vor acht Jahren übernahm der Kunsthändler die private Residenz eines deutschen Geschäftsmannes und führt diese nunmehr im Stil eines „Salons”, wo sich Gleichgesinnte treffen, über Kunst und Kultur diskutieren, innere Ruhe schöpfen oder im „Le Café” mediterrane Leckerbissen genießen – vom Hausherrn höchstpersönlich serviert. In Frankreich erlebte eine stilbildende Salonkultur ihren Höhepunkt im 18. Jahrhundert. Nun fördert Gilles die Entstehung schöngeistiger Zirkel in Bangkok, organisiert regelmäßige gesellige Zusammenkünfte wie Lesungen, klassische Konzerte, Kalligraphiekurse oder Seminare über orientalische Heilmethoden. Auch private Events bis zu 80 Personen sind möglich.
„Die Begegnung mit Menschen, die meine Begeisterung für die Kultur dieses Landes teilen, das ist die Quelle meiner persönlichen Bereicherung. Es geht mir nicht um Geld”, sagt Gilles, der zuvor in 42 Ländern für das Internationale Rote Kreuz tätig war und sich fast ausschliesslich in Krisen- und Kriegsgebieten aufhielt. Ich jedenfalls glaube ihm sofort wenn er sagt: „Im Ámantee habe ich meinen inneren Frieden gefunden”.
Ruen Urai: Haus aus Gold
Ein Lebenskünstler und Liebhaber der schönen Künste ist auch Navamintr Vitayakul, genannt Tom. Nach seinem Studium in Chicago und Sydney kehrte der frischgebackene Doktor der Kommunikationswissenschaften vor acht Jahren in seine Heimat Bangkok zurück, um einen im Familienbesitz befindlichen Hotelbetrieb zu übernehmen und nebenher seiner grossen Leidenschaft zu frönen: dem Sammeln von thailändischer Kunst. Doch halt! Nicht etwa religiöse Gemälde, verstaubte Buddha-Statuen oder antikes Banjarong-Porzellan. Vielmehr ist Tom ein intimer Kenner der „Thai Modern Art” und seine Präsenz in Bangkoks Galeriezene ist allgegenwärtig. Kitikong Tilokwattanotai, Luck Maisalee, Boonchuay, oder Prayat Pongdam? Nie gehört? Dabei ist es höchste Zeit, mehr über die innovative Konzeptkunst dieser postmodernen Künstlergeneration zu erfahren, die elementaren Themen stilistisch spontan und obsessiv begegnet.
„Ich bin kein Dorian Gray, deshalb mache ich meine Sammlung jedermann zugänglich”, sagt Tom. Und so finden sich abstrakte Bilder und Lithograpien, Foto-Prints und Radierungen, zeitgenössische Objekte und Werke der „Young Turk Generation” auf sechs Etagen seines „Rose Hotels” im Stadtteil Silom – und ein paar „old bits of wood”...! „Alte Holzstücke, Tom?”
Thomas Vitayakul schmunzelt und deutet auf ein über 100 Jahre altes Holzhaus mitten im tropischen Garten. Dort, im hoteleigenen „Ruen Urai”, das jahrzehntelang als Abstellkammer für das Personal diente, ist heute nach aufwendigen Renovierungsarbeiten ein Feinschmeckerrestaurant untergebracht. Das kleine elegante Lokal mit Wohnzimmer-Ambiente ist ein absoluter Geheimtipp für Liebhaber der gehobenen feinen Thai Küche, und natürlich für all jene Besucher die einfach mal einen kleinen Eindruck bekommen möchten, wie wohl das Leben vor einem Jahrhundert gewesen sein mag. Der Sage nach lebte hier ein angesehender Arzt, der in seinem „Haus aus Gold” eine eigene Praxis und gleichzeitig eine Apotheke für Kräutermedizin betrieb. Bis zum heutigen Tage werden in Ruen Urais Küche feinste Gewürze und medizinische Heilkräuter verwendet, die zum Wohlbefinden eines jeden Gastes beitragen.
Abgerundet wird das kulinarische Erlebnis durch die familiäre Atmosphäre und die Schönheit der hier ausgestellten Geschenke und Erbstücke, die sich seit Generationen in der Vitayakul-Familie befinden. Hauptattraktion im oberen Esszimmer: Ein goldlackiertes Manuskript-Kabinett aus der Zeit von König Rama III. Mein Tipp: Fragen Sie bereits bei Ihrer Reservierung nach Tom. Wenn Sie Glück haben, bekommen Sie eine private Führung des Hausherrn, und vielleicht entdecken Sie bei Ihrem Rundgang auch all jene antiquarischen Objekte, die er so liebevoll „alte Holzstücke” nennt: Kultgegenstände aus der Blüteperiode der Khmer-Hochkultur, Tempel-Fragmente aus dem alten Siam und andere wunderbaren Reliquien und Unikate, die garantiert jeden Kunstkenner begeistern.
Face: Wo der Gast König ist
Einen weiteren Gaumen- und Augenschmaus erlebt man im Face Bangkok. Der Eingang in der Sukhumvit 38 ist fast zu übersehen und wiederum nur Insidern bekannt. Lediglich ein paar kleine gelbe Fahnen mit einem Gesichts-Symbol sowie Sicherheitspersonal am Straßenrand weisen darauf hin, dass es hinter den hohen Mauern etwas Besonderes zu entdecken gibt. Das Face ist ein thailändischer Traum – authentisch Thai ist es allerdings nicht. Doch das ist Nebensache! Steile Holztreppen führen auf eine weitläufige Terrasse, umgeben von Salas, Fischteichen, tropischen Pflanzen und Steinlöwen aus Bali. Der Nachbau von mehreren antiken Teakholzhäusern wurde detailgetreu umgesetzt, der Service in den Spezialitätenrestaurants Lan Na Thai (Thai) und Hazara (Indisch) ist formvollendet und die echte Herzlichkeit aller Mitarbeiter einfach unübertrefflich. Wenn Restaurantchef und Mitbesitzer Stephen Bianchin die Gäste höchstpersönlich an der Rezeption in Empfang nimmt und in die romantisch beleuchtete Face Bar begleitet, dann stimmt bereits das Entrée. Hier trifft man sich gerne in chilliger Atmosphäre, umgeben von Kunstgegenständen aus Südostasien, Indonesien und China. Und wer wie ich eine Bloody Mary mag, bekommt hier die beste der Stadt.
Auch für ein „Welcome-Dinner” ist dieses charmante mehrstöckige Lokal aus Holz der perfekte Platz – besonders für Gäste aus dem Ausland, die das Land des Lächelns zum ersten Mal bereisen. Asiatisches Flair pur – das macht Eindruck und bleibt in Erinnerung! Das Gesichts-Logo ist übrigens kein Zufall.
Inspiriert von dem zwei Meter hohen Antlitz eines aus Holz geschnitzten Buddhas wollten die Face-Besitzer einen gemütlichen Platz schaffen, wo man sich in einer häuslichen und gleichzeitig schicken Atmosphäre begegnet – eben „face to face”.
Majestätisch: „Kronjuwelen” aus Holz
Haben Sie schon einmal von den exklusiven Chakrabongse Villas gehört? Es gibt weder Schild noch Klingel, und so entdeckte ich nur per Zufall das private Refugium direkt am Chao Phraya Fluss. 1903 wurde es vom Prinzen Chakrabongse – einem Lieblingssohn von König Rama V – erbaut, der es meist im Anschluss an seine Besuche im nahegelegenen Grand Palace für Picknicks und Bootsauflüge nutzte. Nach der Revolution übernahm sein Sohn Prinz Chula das Anwesen und nutzte es als Hauptwohnsitz bis zu seinem Tode im Jahre 1963. Erst vor wenigen Jahren wurde der Gartenpalast in ein kleines Boutiquehotel verwandelt, mit einem prächtigen „Riverside Sala Dining Room” und vier grosszügigen Suiten, die in chinesischem, thailändischem oder Ayutthaya-Stil dekoriert sind. Es ist schon ein einzigartiges Gefühl, eine solch’ geschichtsträchtige Immobilie für sich zu entdecken und einige Tage in Samt, Seide und Sinnesfreuden zu schwelgen. Der Clou: Noch immer geht’s hier sehr nobel zu, denn die Villen sind nach wie vor im Besitz der Gründerfamilie. MR Narisa (The Honourable Narisa Chanrabongse), die einzige Tochter des Prinzen Chula, nutzt „Haus und Hof” bei ihren Besuchen aus England höchstselbst. Bei Touristen jedenfalls ist die von außen unsichtbare Anlage völlig unbekannt – und das ist auch gut so. Ist es nicht schön, dass es noch ein paar letzte wohlbehütete Geheimnisse in Bangkok gibt?
Herrschaftlich, und von gigantischem Ausmaß, ist Vimanmek Mansion im Zentrum Bangkoks. Das Gebäude diente früher ebenfalls als königliche Residenz und gilt mit seinen 81 Zimmern als das weltweit größte, aus goldenem Teakholz erbaute Herrenhaus. Außerhalb Bangkoks, im Ampawa District, ist der „Wat Bang Kae Noi” von großem historischen Interesse. 1868 wurde der Buddhistische Tempel unter der Regentschaft von König Rama I. errichtet, und wer das Heiligtum von außen betrachtet, entdeckt zunächst nichts Besonderes. Doch wer es betritt, hält den Atem an: Der gesamte Innenbereich des Tempels ist mit kostbarsten Holzvertäfelungen und filigranen Schnitzereien ausgestattet. Ein echtes Juwel in Teak und absolut einzigartig in ganz Asien.
Suk Spa: Abtauchen im alten Siam
Zum Abschluss möchte ich Ihnen ein Spa-Treatment in Räumlichkeiten empfehlen, die an ein altes Badehaus im späten 18. Jahrhundert erinnern. Khun Thanwat, Besitzer des Wohlfühltempels, schwärmt: „Ich habe mir den Traum erfüllt, Thailands Vergangenheit in unsere moderne Metropole einfließen zu lassen”. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und so kann man in Bangkoks Soi 11 nicht nur traditionelle Massagen, sondern auch Waschungen im alten Siam-Stil buchen – natürlich in einem Holz-Zuber! „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein”, denke ich selig. Die Liebe zum Detail ist überall spürbar, die Atmosphäre und Ausstattung mit Edelhölzern wärmt das Gemüt, und weil es so schön hier ist, gönne ich mir noch einen spa way to heaven. Mein Fazit: Thailands traditionelle Holzhäuser sind rar gesät. Aber die wenigen, die im modernen Hochhaus-Dschungel Bangkoks überlebt haben, haben es in sich!
Info
Ámantee
Galerie, Antiquitätenhandel, Bistro.
9-20 Uhr, Kontakt: Gilles Sandres
131/3 Chaeng Wattana 13;
Laksi (Don Muang Airport)
Tel. +66 (0) 2982 8694-5
Ruen Urai
Fine Thai Restaurant
12-23 Uhr, Kontakt: Tom Vitayakul
The Rose Hotel, 118 Soi Na Wat Hualumpong, Surawongse Road Tel. +66 (0) 2266 8268-72
Face Bangkok
Thai, Indisch, Japanisch und Bar
Kontakt: Stephen Bianchin
Sukhumvit Soi 38, Thong Lor
Tel. +66 (0) 2713 6048
Chakrabongse Villas
4 Luxus-Suiten am Fluss
396 Maharaj Road
Suk Spa
1/30 Sukhumvit Soi 11
Tel. +66 (0) 2651 0461
Vimanmek Mansion
10-15 Uhr, Ratchawithi Road
Tel. +66 (0) 2628-6300-9
Wat Bang Kae Noi
Tempel-Halle aus Holz
Ampawa District
























