Bangkok:

Der akrobatische Diplomat aus Thailand

Sorayuth Prompojs letzte Station als Botschafter war Deutschland.


Wir treffen Botschafter Sorayuth im Café des Four Seasons in Bangkok. Er macht einen entspannten Eindruck, trägt ein lässiges Hemd, weite Hosen, Birkenstock. „Ich mag es nicht gern steif und förmlich. Locker lässt es sich viel besser reden”, sagt der Diplomat. Sorayuth hat ein einnehmendes Wesen, man glaubt ihm, wenn er sagt, dass eines seiner wichtigsten diplomatischen Mittel das Gewinnen von Freunden sei.Sorayuth war in Bangkok, Tokyo, Manila, Wien, Moskau und Berlin für das thailändische Außenministerium tätig. In Wien war er in Mehrfachfunktion als Botschafter auch für die Vereinten Nationen und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zuständig und hat sich mit dem Kampf gegen Drogen und organisierte Kriminalität beschäftigt. Zum Deutsch lernen fehlte jedoch die Zeit. „Als Dreizehnjähriger hatte ich mal einen Deutschkurs begonnen ... Leider habe ich früh wieder aufgegeben”, erzählt er lachend.

Letzte Station Berlin



Die letzte Station seiner diplomatischen Karriere war Berlin, allerdings hielt der Botschafter sich auch viel in München auf, wo Mitglieder des thailändischen Königshauses häufig ihre regelmäßigen Deutschlandreisen beginnen. Wie überall, wo er das Sagen hat, wurde auch in der Berliner Botschaft der „zwanglose Freitag” eingeführt, jedenfalls in Bezug auf die Garderobe. Sein „informeller” Charme und sein offenes Denken haben ihm auch in der größten thailändischen Botschaft der Europäischen Union unkonventionelle Lösungen in problematischen Situationen ermöglicht. „Mein Rezept: Ich bewege mich in dem vorgegebenen Rahmen, allerdings auf sehr akrobatische Weise”, sagt Sorayuth und findet, andere Diplomaten könnten sich daran ein Beispiel nehmen.

In Deutschland leben rund 100.000 Thais, und die Zahl dürfte sich nach Ansicht des Botschafters in den nächsten Jahren deutlich steigern. Damit beherbergt Deutschland die zweitgrößte Gemeinschaft von Thailändern weltweit. Sorayuth setzt sich für die Gründung einer Stiftung oder eines Vereins ein, die Thailänder in Deutschland unterstützen soll, zum Beispiel durch konkreten Beistand in Notfällen oder durch praktische Hilfe bei der Integration. Botschafter Sorayuth ist ein Mann voller Ideen, und als wir ihn auf die hundertfünfzigjährigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Thailand und Deutschland ansprechen, gab es kein Halten mehr. Er empfiehlt, mehr Handel auf direktem Wege zwischen unseren Ländern zu betreiben. Das Handelsvolumen, das derzeit mit etwa 6 Milliarden Euro angegeben wird, sei in Wirklichkeit größer, da viele Produkte über Drittländer ein- und ausgeführt würden. Und noch viel größer sei das Potenzial der beiden Handelspartner. „Deutschland hat nach wie vor beste Technologie und beste Qualität. Thailand sollte sich das leisten”, so Sorayuth. Schließlich fragen wir nach guten Ratschlägen für die deutsche Wirtschaft in Thailand. Er fordert, Deutsche Investoren sollten ihre thailändischen Partner gleichberechtigt behandeln: „Wir sind auch sehr clevere Geschäftsleute.” Große Chancen seien in den Bereichen Telekommunikation, Verkehrsmittel und Medizin vorhanden. Und natürlich in der Bildung. Die wichtigste Botschaft des ehemaligen Botschafters: „Denkt nicht nur quadratisch, besinnt euch auf eure Stärken und definiert euch entsprechend. Deutschland hat weltweit nach wie vor die besten Möglichkeiten.”

Mark Sonntag


Sorayuth Prompoj Botschafter außer Dienst
Geboren am 16. August 1949
Verheiratet, eine Tochter
Politikstudium in den USA Stationen seiner Karriere
Ab 1976 Attaché im Außenministerium
Ab 1980 Botschaftssekretär in Tokyo
Ab 1985 Beraterstab des Ministers


Ab 1987 Leiter der Europa-Abteilung
Ab 1989 Berater des Staatssekretärs
Ab 1990 Botschafter im Außenministerium
Ab 1992 Botschafter in Manila
Ab 1998 Botschafter in Wien
Ab 2002 Botschafter in Moskau
Ab 2008 Botschafter in Berlin
Heute außer Dienst

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