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Von Bangkok nach Samut Songkhram:

Butterfahrt mit der Bummelbahn

Die eingleisige Bahnstrecke von Bangkok nach Samut Songkhram ist eine abenteuerliche Route mit Einblicken in das traditionelle Leben an einer ganz besonderen Lebensader des gemächlichen Fortschritts.

Die Ankunft auf dem kleinen Bahnsteig unweit des Wong Vien Yai Kreisels in Bangkok-Thonburi stimmt sofort auf die Höhepunkte einer Bahnreise mit Thailands kleinster Schmalspurbahn ein. Auf dem einzigen Gleis des unscheinbaren Bahnhofs rollt der Zug unter lautem Tuten langsam ein, während noch schnell ein paar Leute die Schienen überqueren um zu den Marktständen zu gelangen. Diese nehmen den größten Teil des gesamten Bahnsteigs ein: Snacks, Erfrischungen und Mittagessen für Reisende, aber auch Kleidung, Filme und Haushaltsgegenstände bieten die Händler feil. Ein kleiner Markt, aber nichts im Vergleich zum unvergleichlichen Schauspiel, das ausdauernde Fahrgäste wenige Stunden entfernt an der Endstation in Samut Sakhon erwartet.

Es ist kein Geheimnis, und doch kommen nur wenige Urlauber darauf: Das einfache Leben der Leute in vielen Ländern der Tropen lässt sich für Neulinge am besten und schnellsten begreifen auf einer Zugfahrt durch die Landschaft. Der Bahndamm mit seinen eisernen Schienen ist eine kompromisslose Verkehrsader, die entlegene mit größeren Orten verbindet, soziale Knotenpunkte mit Hinterhöfen verbindet – und das nicht nur für die Wagen der Eisenbahn.

Immer wenn gerade kein Zug die Schienen entlang kriecht, sind die Gleise bevölkert von Fußgängern, deren Ziele die lauten und gewundenen Straßen nicht so direkt erschließen, wie das die Bahnschiene kann. Je langsamer der Zug, desto besser lassen sich die Schnappschüsse von Menschen in ihrem Alltag beobachten, an der Waschstelle, im Kleingarten, beim Beten, Einkaufen oder Faulenzen. Während das öffentliche Leben an der Straße passiert, erschleicht sich der Bahnreisende Einblicke in das Private, das Leben hinter dem Haus.

MIT DEM ZUG ZUM MARKT

Die 100 Jahre alte Schmalspurbahn zwischen Bangkok und dem Küstenabschnitt weit vor Hua Hin und Cha-am erfüllt neben seiner S-Bahn-Dienste aber noch einen ganz besonderen Zweck: Die Bahnhöfe in Mahachai (Samut Sakhon) und Maeklong (Samut Songkhram) sind die größten Frischmärkte Thailands mit Anbindung an das Schienennetz. Der Zug hat im Bahnhof sogar längst seine Hauptrolle aufgegeben, der Handel bestimmt die Abläufe und die meisten Fahrgäste nutzen den dröhnenden Kurzzug allein für eine Fahrt zum Markt – und kehren gleich mit dem nächsten zurück.

Entsprechend sind die Fahrpläne ausgelegt, mit einem Aufenthalt lang genug für die Einkäufe, bevor man im selben Waggon wieder Platz nimmt, den man mit einer Plastiktüte oder einem Hut vor dem Aussteigen reserviert hat. Die Strecke hat vier Endstationen, da in Mahachai der Verkehr auf dem Fluss wichtiger und eine Brücke zu teuer ist: Eine Fähre bringt Reisende von einem Kopfbahnhof zum anderen. Doch auch die Fahrt im Zug selbst, der aus einem Waggon zwischen zwei Triebwagen besteht, scheint für die meisten Reisenden keinen Baht zu kosten: Als wir die Strecke für unsere Leser ausprobierten, waren wir die einzigen Fahrgäste, für die der Schaffner seine Mütze aufsetzte um pro Person zehn Baht zu kassieren. An anderen Tagen fuhren wir ganz ohne Ticket, der Zugbegleiter schenkte uns keinerlei Aufmerksamkeit. Nicht so die anderen Mitreisenden, die uns lächelnd und interessiert beobachteten. Offensichtlich sind Ausländer in diesem Zug eine Seltenheit – auch wir haben sonst keine gesehen.

Nach seiner Abfahrt dauert es keine halbe Stunde durch die Außenbezirke Bangkoks, bevor der Zug durch die Fruchtgärten des Landes rollt, Bananenplantagen, Kokospalmen und bunte Fruchthaine bestimmen das Bild, dazwischen immer wieder Tempel, einfache Holzhäuser und kleinere Märkte. Auf einer unserer Erkundungsfahrten sind wir schon an der Stadtgrenze am großen Tempel Wat Singh ausgestiegen und haben zugesehen, wie eine Frau in ihrem Laden gegenüber des Bahnsteigs Erdnussriegel nach alter Überlieferung rührte und presste – natürlich nicht, ohne uns ein großes Stück zum Probieren anzubieten.

Mit der Fähre zum Umsteigen

Der Endpunkt der ersten Strecke ist der Markt in Mahachai, der vor allem bekannt ist für seinen Fischmarkt an der Flussseite des Marktes, einer der größten des Königreichs. Hier wird der Fang der vorherigen Nacht angeboten, Thunfisch, Tintenfisch und Garnelen ebenso wie Haifisch und urzeitliche Hufeisenkrabben. Wegen des unvermeidlichen Geruchs und stehenden Eiswassers ist das nicht jedermanns Sache, sehenswert ist es allemal. In den Gassen zwischen Bahnhof und Fischmarkt gibt es viele Besonderheiten thailändischer Märkte zu entdecken, Frösche zum Braten ebenso wie Schildkröten zum glücksverheißenden Freilassen in den Fluss.

Ein paar Gehminuten in Fahrtrichtung links, neben dem Fischmarkt, ist der Pier für die Fähre zur anderen Seite. Der Pier wird überragt von einem mehrstöckigen Haus samt Uhrenturm eines bis nach Bangkok bekannten und nicht ohne Grund sehr beliebten Seafood-Restaurants. Spärliche Dekoration, Metalltische und geflieste Böden lassen kaum erwarten, dass hier die köstlichsten Fischgerichte, Muscheln und Garnelen serviert werden – ein Besuch ist ein Muss, schon allein wegen des großzügigen Ausblicks aus dem vierten Stock über die Bucht.

Für ein paar Baht nimmt die Fähre am Pier uns und eine Horde Motorroller anschließend mit auf die andere Seite. Wir beobachten wie die Fischerboote neues Eis für ihre nächste Fahrt auf das Meer laden und landen nach ein paar Minuten auf der anderen Seite. Von dort kommt man für weniger als einen Euro mit einem alten Fahrradtaxi zum nächsten Bahnhof drei Minuten entfernt, wo der Zug bereits wartet.

Der nächste Abschnitt, ebenfalls etwa eine Stunde Zugfahrt, geht durch flaches, dünn besiedeltes Land in Küstennähe. Auch wenn es hier nicht so üppig grün ist wie zuvor, gibt es dennoch ein paar Besonderheiten. Die weitläufigen Felder, in denen flach das Wasser steht, sind nicht etwa Shrimp-Farmen, sondern Flächen zur Salzgewinnung: Mit den hölzernen und mit Leinen bespannten Windmühlen wird Wasser aus dem Meer hier aufgebracht und verdunstet in der Sonne, das Salz bleibt zurück. Zur Einbringzeit geben die unzähligen weißen Hügel einen ungewöhnlichen Anblick und überall am Straßenrand kann man grobkörniges Meersalz für wenige Baht einkaufen, natürlich auch auf den Märkten der Umgebung. Entlang der Bahnstrecke stehen aus dem Zugfenster gut sichtbar noch Reste der dichten Mangrovenwälder, die einst die gesamte Golfküste dominierten.

Aufstehen für die Hauptattraktion

Der Höhepunkt der Reise naht, wenn der Zug endlich in das Städtchen Samut Songkhram einrollt, das einst Maeklong genannt wurde, nach dem großen Fluss am Ende der Gleise. Doch Vorsicht, das größte Schauspiel der Fahrt kann man leicht verpassen, wenn man nur aus den zu hohen Fenstern sieht: Ein Blick auf die Schienen durch das vordere Fenster oder die unverschlossenen Türen zeigt eindrucksvoll, wie der dichte Markt mit seinen Markisen und Sonnenschirmen, auf die der Zug langsam aber erbarmungslos zuhält, nun Meter um Meter verschwindet. Schirme werden eingeklappt, Markisen zurückgezogen und Stände mit Obst, Fisch und Gemüse von den Gleisen gerollt, um dem Zug für seinen Moment die Schienen freizugeben. Wenn die Fahrgäste ihre nur wenige Meter hinter dem Markt zum Stehen gekommenen Waggons verlassen, sieht der Platz längst wieder aus, als wäre nichts gewesen. Das Ganze wiederholt sich etwa nach einer Stunde, wenn der Bahnhofsvorsteher die schwere Messingglocke zum zweiten Mal läutet und der kleine gelbe Zug sich für die Rückfahrt in Bewegung setzt.

Von: Alexander Heitkamp

Info

FAHRPLAN

 

Die beste Verbindung für einen Tagesausflug inklusive Markt in Maeklong ist um 10.45 Uhr von Bangkok Wong Vien Yai Station. So bleibt genug Zeit für ein Mittagessen, das Wandern über den Fischmarkt und die Reise zum nächsten Bahnhof auf eigene Faust. Der Anschlusszug fährt um 13.30 Uhr weiter, in Samut Songkhram ist eine Stunde Aufenthalt zum Marktbesuch bevor es mit dem letzten Zug gegen 15.30 Uhr zurück nach Bangkok geht.

 

 

ALTERNATIV

 

Wer nicht den ganzen Tag Zeit hat, kann auch nur die erste Teilstrecke auf einer der stündlichen Verbindungen wählen, oder schon viel früher an einem beliebigen Haltepunkt aussteigen und die Wartezeit auf Weiter- oder Rückfahrt mit dem besichtigen eines Tempels oder der Ortschaft daneben überbrücken – oft gibt es Shops mit Devotionalien oder anderen nie gesehenen Details und die Leute sind hilfsbereit und freundlich.

 

 

WEITERREISE

 

Die Endstation in Maeklong ist ein hervorragender Ausgangspunkt zum Erkunden der ganzen Umgebung, den Fruchtgärten, Glühwürmchen und des Landlebens an den Kanälen. Von hier aus lassen sich viele Attraktionen erreichen wie der schwimmende Markt in Damnoen Saduak oder der Nachtmarkt in Amphawa (Unterkunft siehe Hoteltipp in dieser Ausgabe). In THAIZEIT Nummer 13 hatten wir die Region bereits genauer vorgestellt, inklusiver vieler Übernachtungsmöglichkeiten, die man vom Bahnhof mit dem Boot erreichen kann.

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