Jim Thompson, Qualitätskontrolle, Thai-Seide, Kultur, Thailand

Jim Thompson:

Das Rätsel!!!

Für zwei Dinge ist James Harrison Wilson „Jim“ Thompson berühmt und berüchtigt. Er baute Thailands Seidenindustrie auf und machte sich damit weltweit einen Namen, aber noch mehr wurde er durch sein geheimnisvolles Verschwinden bekannt.

Jim Thompson, eine schillernde und geheimnisvolle Figur, wurde 1906 in den USA geboren. Seine Familie, gutbürgerliche Mittelklasse, war wohlhabend und in der Textilindustrie tätig. Erstmalig kam Thompson 1945 als Agent für das „US Office of Strategic Services“, OSS, das später CIA wurde, nach Thailand.

Das Land bezauberte ihn von Anfang an und nach Ende des Krieges entschied er sich, Thailand zu seiner zweiten Heimat zu machen. Er beteiligte sich an verschiedenen Projekten, unter anderem der Renovierung des berühmten Oriental Hotels, das inzwischen zu einem der bekanntesten der Welt gehört.

Obwohl Jim Thompson von Beruf Architekt war, daher sein Engagement im Immobilienmarkt, führte seine Herkunft, Textilien, Mode und Design, ihn schon bald dazu, das Potential der damals noch völlig unbekannten Thai-Seide zu entdecken. Seide wurde auf kleinen Webstühlen in Heimindustrie angefertigt. Hausfrauen und deren Töchter webten nach der Feldarbeit und verkauften ihre Stoffe an chinesische Mittelmänner, die Pfennige bezahlten und den nicht geringen Profit selbst einsteckten. 

Der Geschäftsmann und CIA-Agent

Thompson erkannte sehr schnell die enorme Zukunft dieser Industrie und mit der ihm eigenen Vision und unternehmerischem „Know How“ organisierte er die Weber, versorgte sie mit modernen Farbstoffen, richtete Qualitätskontrollen ein und bezahlte gut. Nach kurzer Zeit arbeiteten Tausende von Webern, ansässig im Isaan, der nordöstlichen thailändischen Provinz, für die 1947 gegründete Thai Silk Company. Sein Zielgebiet für Marketing und Verkauf waren hauptsächlich die USA und später Europa und Japan.

Das Geschäft florierte und das Interesse an Jim Thompson nahm nicht ab. Er war schon immer eine umstrittene Figur und durch seinen Erfolg verbreiteten sich mehr und mehr Gerüchte. Man munkelte, dass er weiterhin als CIA-Agent tätig war und seine weitreichenden Verbindungen benutzte, um die USA, die sich stärker und stärker in Vietnam engagierte, über politische Entwicklungen in Indochina zu informieren. Angeblich sollte er lokale Stämme, die mit Amerika gegen die Kommunisten alliiert waren, mit Waffen versorgt und Drogenhandel zur Finanzierung benutzt haben.

Der Kunstsammler

Seine ausgedehnten Reisen durch Südostasien trugen sicher zu den CIA-Verdächtigungen bei, sind aber ganz einfach dadurch zu erklären, dass Jim Thompson - neben dem persönlichen Verkauf seiner Waren an gut betuchte Kundinnen - ein passionierter Sammler und Liebhaber von Antiquitäten war. Seine Sammlung von Khmer-Artefakten, seltenen Keramiken, Textilien, Lackarbeiten, chinesischen und thailändischen Möbeln nahm immense Ausmaße an und beanspruchte Platz.

Thompson sah Thailand inzwischen als seine Heimat an und beschloss für sein Grundstück am Klong, in der Soi Kasem San, ein aussergewöhnliches Haus zu finden, in dem er leben und seine Sammlung ausstellen konnte. Im Norden des Landes fand er schließlich einen Komplex von sechs antiken Teakholz Gebäuden, die im traditionellen Thai-Stil erbaut worden waren.

In Einzelteilen wurden sie nach Bangkok transportiert und dort am Klong naturgetreu wieder aufgebaut. Dieser Besitz, zu seiner Zeit ein Zentrum der thailändischen und internationalen Gesellschaft, ist heute ein faszinierendes Museum und als "Jim Thompson House" bekannt. In mehreren Gebäuden ist seine wertvolle Kunst- und Antiquitätensammlung ausgestellt, über die THAIZEIT hier im Detail berichtete...

Das mysteriöse Verschwinden

Jim Thompson hatte Status und Erfolg. Zu Ostern 1967 akzeptierte er die Einladung von Freunden, Dr. und Mrs. Ling, in deren „Moonlight Cottage“ in den kühlen Cameron Highlands in Malaysia die Festtage zu verbringen. Am Ostersonntag, komfortabel in seinem Bugalow untergebracht, entschied er sich zu einem kurzen Spaziergang vor dem Abendessen. Kurz deshalb, weil er, obwohl Kettenraucher, seine Zigaretten plus Feuerzeug auf seinem Nachttisch hatte liegen lassen. Er verliess sein Cottage und ward nie wieder gesehen! Sobald seine Abwesenheit bemerkt worden war, wurde eine enorme Suche eingeleitet, bei der man Polizei, Militär und lokale Tracker einsetzte. Jedoch ohne Erfolg, nicht die geringste Spur wurde entdeckt.

Was war passiert? Dutzende von Theorien entstanden, einige logisch und akzeptabel, andere kurzum bizarr. Die naheliegensten Erklärungen, dass er sich zu weit in den Djungel begeben hatte, von einem Tiger angefallen wurde oder in eine mit Nägeln gespickt  Raubtierfalle gestürzt war, konnten nicht bestätigt werden, da weder Kleidungsstücke noch Knochenreste gefunden wurden. Andere Theorien hatten wirtschaftliche Motive, beispielsweise die Rache der chinesischen Mittelmänner, deren Handel er zerstört hatte oder Rivalen, die ihn aus dem Seidenhandel ausbooten wollten.

Viele Theorien –  keine Lösung

Weitere Gerüchte waren politischer Art und deuteten auf das CIA hin. Thompson sollte über Insider-Informationen verfügt haben, die Agentenaktivitäten in Vietnam betrafen, er war gegen die USA-Politik in Indochina. Vielleicht hätten thailändische Provokateure ihn ausschalten wollen? Angeblich hatte er die amerikanische Regierung gegen immer umfangreicheren Waffenhandel mit dem thailändischen Militär gewarnt. Viele Fragen – keine Antworten.

Im Laufe der Zeit wurden die Theorien noch extremer. Ein Spiritist sah ihn von ausserirdischen Wesen entführt in einer fliegenden Untertasse, andere wiederum glaubten ihn einem geheimnisvollen lokalen Clan in Indochina. Die immense Anzahl der Möglichkeiten, die Fülle von Spekulationen, die sich um sein Leben woben, führten zur Veröffentlichung zahlreicher Bücher, jedes mit der Lösung, die der Verfasser befürwortete.

Möglicherweise wird ein CIA Agent irgendwo in seinen Memoiren auf Jim Thompson eingehen, aber wahrscheinlich werden wir die Wahrheit nie erfahren. In der Zwischenzeit kann jeder seine bevorzugte Version dieses Rätsels wählen.

Von: Maren & Robin Dannhorn/NG Fotos: PR Jim Thompson

Info

Jim Thompson House

6 Soi Kasemsan 2, Rama 1 Road, Bangkok

Tel: +66 (0) 2216 7368

Eintritt: 100 Baht (Erwachsene),

50 Baht (Kinder)

Öffnungszeiten: täglich, 9 - 17 Uhr

Web: JimThompsonHouse.com

 

 

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