Kolumne von Amorn Surangkanjanajai:

Thailändische Höflichkeit

Eine Kolumne von TV-Star Amorn Surangkanjanajai, besser bekannt als Gung aus der Lindenstraße

In Thailand ist es üblich, bei einer Begegnung den „Wai“ (Handoberflächen mit der Innenseite aneinander halten, die Hände etwa zwischen Kinn und Brust fixieren) als Symbol der Begrüßung (analog dem europäischen Händeschütteln, Umarmen oder Küsschen geben) durchzuführen. Aber der „Wai“ hat noch eine weitere wichtige Funktion: Er dient als Ausdruck von Höflichkeit.

Die Thais werden in der Gesellschaft nach außen hin oft als friedliche, vernünftige, zärtliche Gemüter dargestellt. Sie verhalten sich ihren Mitmenschen gegenüber aufgeschlossen und freundlich, begrüßen und unterhalten sich, wobei immer viel Lächeln nach außen zu beobachten ist.

Aber ist es tatsächlich so? Oder handelt es sich hier nur um eine Wunschvorstellung? Viele Thais lassen sich eher von außen statt durch sich selbst bestimmen und bewerten. Von kleinauf wurde ihnen Angepasstheit antrainiert. Ihre Erziehung ist von buddhistisch-hinduistischen Einflüssen, verbunden mit traditionell-thailändischem Lebensstil, geprägt. Somit unterscheidet sich das Selbstbewußtsein der Thais von dem der Deutschen.

Dem Respekt gegenüber älteren Personen, unabhängig ob Geschwister, Eltern oder Lehrer, wird hohe Priorität eingeräumt. Es ist fast ein Tabubruch oder  zumindest sehr unhöflich, wenn man Älteren gegenüber keinen Respekt zeigt.

Neben dem „Wai” bei der Begrüßung als Zeichen des Respekts gegenüber anderen sind verschiedene Verhaltensformen beobachtbar: Jüngere Menschen (wenn man beispielsweise im Skytrain, Bus oder Zug oder an anderen öffentlichen Orten unterwegs ist) überlassen den älteren Menschen stets ihre Sitzplätze. Beim Vorbeigehen an (älteren) Menschen beugen die Thais den Oberkörper. Hier besteht eine hierarchische Ordnung von Jung und Alt.

Außerdem gilt es als äußerst respektlos, wenn man den Fuß in Richtung des Gegenübers austreckt und wenn man den Kopf einer älteren Person berührt, da dieser als besonders würdevoll gilt.

Bei Unterhaltungen zeigen sich die Thais bescheiden und zurückhaltend. Sie gehen vorsichtig mit ihrer Wortwahl um, so dass sie ihren Gesprächspartnern nicht verbal auf die Füße zu treten. Dies führt manchmal so weit, dass eventuell nur mit einem Lächeln geantwortet wird. Falls doch eine Antwort gegeben wird, dann nur ein kurzes „Ja(-Ja)“ („Krab-Krab” oder „Kha-Kha”). Um höflich zu bleiben, vermeiden die Thais die Antwort „Nein“ weitestgehend! Es gilt als Tabu und Unhöflichkeit, wenn man verneint.

Bei Europäern löst solch eine Antwort ohne Argumentation wahrscheinlich eine gewisse Unzufriedenheit aus. Aber durch die unterschiedlichen Interpretationen kommen auch viele Thais zum Schluss, dass die Westler unhöfliche Wesen sind.

Von: Amorn Surangkanjanajai

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