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Eine Thai-Massage in Wat Po:

No Pain, No Gain!

Von wegen Entspannung: Dass eine Thai-Massage auch mal so richtig weh tun kann, merkt man in der Massageschule des berühmten Wat Pho. Die besten Kurse gibt's allerdings in der Filiale außerhalb von Bangkok. THAIZEIT absolvierte einen Grundkurs an der Chetawan Health School in Salaya.

Sie gehört zu den Dingen, die man bei einem Besuch in Thailand auf keinen Fall auslassen sollte: Eine ordentliche Thai-Massage. Sie ist - anders als etwa eine schwedische Massage - weniger auf das Durchkneten der Muskeln ausgelegt, sondern hat einen ganzheitlichen Ansatz. Die körpereigenen Reflexzonen sollen stimuliert werden und den Organismus beleben. Dazu werden mit allerlei Verrenkungen Spannungen im Körper gelöst. Die Thai-Massage ist eine alte Heilkunst, die in Thailand zum Alltag gehört, in Europa dafür wegen ihrer Exotik leider etwas zu teuer ist. Ein guter Grund für viele, sich an einer Massageschule die wichtigsten Kniffe und Figuren zeigen zu lassen.

Doch mit der Massageschule ist es wie mit dem Masseur: Welche ist wirklich gut? Wird der Kunde auf seine Wehwehchen befragt oder streichelt die Masseuse nur gelangweilt Arme und Beine ab, um zwischendurch auf ihrem Handy zu tippen oder die stumme Soap im Fernseher zu schielen? Den besten Ruf hat bis heute die Wat-Pho-Massage-Schule, und das nicht von ungefähr. Thaizeit berichtete... Der direkt neben dem alten Königspalast gelegene Tempel war einst Siams erste Adresse für Heilkunst, 1962 schließlich wurde dort die Schule für traditionelle Medizin und Massage eröffnet.

Die richtige Schule finden

Eine Massage im Wat Pho kann je nach Besucherandrang aber mittlerweile eine eher enttäuschende Angelegenheit sein: Lange Wartezeiten und Massenabfertigungen lassen kaum eine entspannende Stimmung aufkommen. Die vor den Toren des Wat gelegene Massageschule ist ebenfalls entsprechend frequentiert – nichts für uns Entspannungsfreaks.

Nun, da gäbe es da ja noch die Chetawan Health School etwas außerhalb Bangkoks, lassen wir uns sagen. Die Schule ist eine Filiale der Wat-Pho-Massageschule und wird vor allem für die professionelleren Kurse genutzt. Genau das Richtige für uns! Die Anlage liegt je nach Verkehr eine knappe Stunde vor Bangkok, auf dem Weg nach Nakhon Pathom und zur Brücke am Kwai – also nicht unbedingt völlig abseits aller Touristenpfade. Die angebotenen Kurse reichen vom einwöchigen Grundkurs über Öl-, Baby- und Fußmassage bis zum etwa einmonatigen Kurs für professionelle Therapeuten. Ich entscheide mich auf der Website für den Kurs „General Massage“: In fünf Tagen soll der Unterricht mir die komplette Thaimassage nach dem Wat Pho Style beibringen. Sicherheitshalber gehe ich schon am Freitag vor Kursbeginn zur Anmeldung, wo man mich sofort im modernen Hostel auf dem weitläufigen, ruhigen Schulgelände unterbringen will. Das Wohnen auf dem Campus gehört zumindest für die professionellen Kurse dazu, schafft ein Gemeinschaftsgefühl und macht es dem Schüler leicht, sich auf den Stoff zu konzentrieren und außerhalb des Unterrichts zu üben.

Kleine Gruppen – gute Atmosphäre

Als ich Montag morgens zur Schule zurück kehre um mit dem Unterricht zu beginnen, werde ich einer Gruppe von knapp 20 Schülern zugewiesen. Doch nur zwei außer mir haben den Grundkurs gebucht – alle anderen sind für den Profi-Kurs hier und lernen ihre praktischen Stunden gemeinsam mit uns in einem Raum.

Das Zimmer ist nur mit Massagematten ausgestattet und der Unterricht beginnt mit dem gemeinsamen Gebet der Masseure. Auch das gehört zum Programm, allerdings müssen nur die Profis auch den langen Text in Sanskrit auswendig lernen und vorsingen. Ich bekomme meine Mitschülerin aus Frankreich als Massagepartnerin zugeteilt. Unsere Lehrerin, Kru Khwan, führt uns zunächst den ersten der fünf Abschnitte vor, „Steps“ genannt. Dazu legt Jolie sich auf den Rücken, wird massiert, und ich sehe zu. Danach darf ich mich hinlegen und Kru Khwan demonstriert die ersten Schritte an mir.

Ich versuche mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr ich die Massage genieße. Dann bin ich an der Reihe: Jolie kommt in den zweifelhaften Genuss meiner ersten Massageversuche. Doch viel zu oft muss ich noch in das Lehrheft schauen: Welche Position kommt als nächstes? Wo kommt welche Hand hin? Und war das wirklich so schmerzhaft...?

 

Die Atmosphäre ist freundlich und entspannt – vielleicht auch ganz schön verpennt: Jeder von uns verbringt schließlich den halben Tag faul dösend auf der Massagematte. Die Mischung mit den Teilnehmern der professionellen Massage ist so praktisch wie genial: Die Gruppe ist eingespielt und wir bekommen viel mit von den feinen Übungen der Therapeuten.  Als uns am dritten Tag der Daumen schmerzt, warten die Profis nur darauf, an uns ihre Spezialkniffe für den „Massagedaumen“ zu trainieren.

Muskelkater ab dem zweiten Tag

Vier Tage lang zeigt uns Kru Khwan nach und nach die fünf Schritte der Massage. Bereits am zweiten Tag fällt das Laufen schwer, da mir Jolies und Kru Kwans Griffe in den Muskeln sitzen – von wegen sanfte Entspannung, der Muskelkater lässt erst am vierten Tag nach und gerne zieht Kru Khwan uns auf: „No pain, no gain!“ – Ohne Schmerz kein Behandlungserfolg. Also doch schwedische Massage denke ich mir. Eine ganz neue Erfahrung ist auch der Effekt für den Massierenden: Durch das Konzentrieren auf die Massage und die ausgeklügelten Bewegungen während der Therapie stellt sich auch für mich ein entspannter und durchtrainierter Massageeffekt ein. Gut zu wissen, hatte ich doch bisher gedacht, durch den Kurs nur meiner Frau einen Gefallen zu tun.

Für den fünften Tag ist die Prüfung anberaumt. Der theoretische Teil ist minimal, ein paar Punkte die nicht massiert werden dürfen (Ellenbogen, Kehle, Knie) und Regeln, wann ein Kunde abgewiesen werden soll (Trunkenheit, Diabetes und Schwangerschaft), sowie Begrüßungsformeln und Etikette.

Der praktische Teil bereitet mir etwas Sorgen: Eine komplette Massage, von Anfang bis Ende, ohne Spicken, oh je! Und natürlich sollen auch Rhythmus und Druckstärke stimmen, und nichts darf zu lang oder zu kurz ausfallen. Außerhalb des Unterrichts hatte ich leider keine Gelegenheit zu üben. Werde ich mir die über hundert Positionen in der richtigen Reihenfolge merken können?

Ein ungewolltes Kompliment

Am Ende bestehe ich mit nur wenigen Fehlerpunkten und bekomme die begehrte Urkunde ausgehändigt, wie sie in guten Massagesalons aushängt. Doch die größte Bestätigung erhalte ich ganz ungewollt durch Kru Khwan, die sich als Prüfungsobjekt zur Verfügung gestellt hat: Meine Darbietung war so solide, dass sie kurzerhand weggedöst war.

Wenn das mal kein Kompliment ist!

Von: Alexander Heitkamp Fotos: Alexander Heitkamp

Info

In der Chetawan Health School wird die Wat Pho Massage gelehrt, nur eben nicht in direkter Umgebung des Tempels. Salaya liegt nahe des Highway 338 nach Nakhon Pathom, Die Busse 515 und 547 fahren nach Salaya, ebenso wie der Zug nach Nakhon Pathom und Kanchanaburi. Ein Taxi von Bangkok kostet rund 200 Baht. Zur Anmeldung drei Passfotos mitbringen!

 

Der Unterricht für den 30 Std.-Grundkurs (9.500 Baht mit Verpflegung) ist an fünf aufeinander folgenden Tagen von 9 Uhr bis 16 Uhr, inklusive Mittagspause und zwei Kaffee- oder Teepausen. Das Wohnen auf dem Campus wird empfohlen und ist günstig. Wer länger bleibt, sei es für den Profi-Kurs oder einen Aufbaukurs, kann an Wochenendausflügen in der Gruppe teilnehmen. Am frühen Abend gibt es für alle Teilnehmer kostenlos Lockerungsübungen im Zen-Garten.

 

Mehr Infos zu den vielfältigen Kursangeboten finden sie auf: watpomassage.com

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