Mit dem Zug durch Thailand: Probier’s mal mit Gemütlichkeit ...
Thaizeits Führer durch Thailands Eisenbahndschungel.
Zugegeben, wer an europäische Hochgeschwindigkeitszüge gewöhnt ist, muss sich auf einer Bahnfahrt durch Thailand in Geduld üben. Trotzdem lohnt sich eine Reise mit der State Railway of Thailand. Die Thailändische Staatsbahn ist nicht nur das zuverlässigste sondern auch das älteste öffentliche Verkehrsmittel des Landes und bietet garantiert nach wie vor die schönsten Begegnungen. Bahn fahren ist abgesehen davon bestimmt auch sicherer als eine Reise im Überlandbus.
Ausgangspunkt der meisten Reisen ist der Bahnhof Hua Lamphong, wie der Bangkoker Hauptbahnhof von den Einheimischen genannt wird. Das altehrwürdige Gebäude am Rande von Bangkoks Chinatown ist direkt an die U-Bahn angebunden und bildet das Herz des thailändischen Bahnnetzes. Von hier aus verlassen die Züge die Hauptstadt in alle vier Himmelsrichtungen, wobei die wichtigste Linie seit je her die Nord-Südverbindung ist. Schon das allererste Stück der Thailändischen Bahn war Teil dieser Strecke und verband Bangkok mit der rund 135 Kilometer nördlich gelegenen ehemaligen Hauptstadt Ayuthaya. Noch heute führt eine Reise von Bangkok nach Chiang Mai über diesen ältesten Streckenabschnitt, der vor über 110 Jahren vom damaligen König Chulalongkorn persönlich in Auftrag gegeben und eingeweiht wurde.
Des Königs deutscher Bahndirektor
Beeindruckt von seinen Reisen nach Europa, wollte der Monarch damals in Thailand ein Eisenbahnnetz aufbauen, das alle Landesteile miteinander verbinden sollte. Eines seiner großen Vorbilder war dabei die preußische Staatsbahn. König Chulalongkorn gelang es, den preußischen Bahnpionieren zwei Ingenieure abzuwerben und diese in die Dienste der neu gegründeten königlichen siamesischen Staatsbahn zu stellen. So kam es, dass der erste Direktor der Royal State Railway of Siam ein Deutscher war. Wer allerdings heute mit der Thailändischen Bahn fährt, misst sie besser nicht an europäischen Standards. Grundsätzlich ist das Wagenmaterial zwar gut gewartet und entspricht je nach Buchungs-Klasse auch westlichen Vorstellungen von Reisekomfort und Sicherheit. Nach wie vor haftet aber jeder Reise auf den Strecken der ehemaligen Königlichen Siamesischen Staatsbahn eine kleine Portion Abenteuer an, was meist schon beim Buchen beginnt.
Reise durch den Tarifdschungel
Welche Klasse soll es sein? Erste, zweite oder gar dritte? Was bitte ist denn der Unterschied zwischen einem Sprinter und einem Express-Train? Sollen wir wohl eher tagsüber fahren, oder taugen die Betten in den Schlafwagen etwas? Spätestens im Reisebüro werden die Antworten auf diese Fragen zur Lotterie, wenn man sich nicht vorher etwas schlau macht über das Angebot der thailändischen Bahn. Wichtigstes Detail vorweg: Will ich nicht auf dem Bahnsteig mit Sack und Pack stehen bleiben, buche ich mein Ticket besser schon ein paar Tage vor der geplanten Reise in einem Reisebüro oder direkt am Bahnhof. Gerade an Wochenenden und insbesondere an thailändischen Feiertagen sind die Züge hoffnungslos ausgebucht. Tickets für Bahnreisen in Thailand können frühestens 60 Tage im Voraus gebucht werden und verfallen, wenn man die Reise nicht Antritt. Gegen eine kleine Gebühr wird jedoch der Preis des nicht gebrauchten Tickets bis drei Stunden nach Abfahrt zurückerstattet.
Auf Holzbänken übers Land
Die Klassenwahl hängt nicht nur mit der Vorstellung von Komfort zusammen, sondern ist sehr direkt mit der Wahl des Reiseziels verbunden. Auf Nebenstrecken fahren oftmals nur Zweite- und Dritteklasse-Züge, während auf den Hauptverkehrsachsen alle Klassen verfügbar sind. Das heißt konkret: Wer beispielsweise von Bangkok in Richtung Aranyaprathet an die kambodschanische Grenze fährt, sitzt im besten Fall auf ziemlich hart gepolsterten Holzbänken und genießt den Komfort der thailändischen dritten Klasse. Wer das seinem Hintern über sechs bis acht Stunden zumutet, wird dafür sicher mit interessanten Begegnungen mit Einheimischen entschädigt. Einzige Abkühlung in der dritten Klasse bietet übrigens nur der Fahrtwind, der durch die offenen Fenster ins meist eher stickige Wageninnere dringt.
Als Faustregel gilt: Für Reisen bis zu drei Stunden liegt der Abenteuerfaktor der dritten Klasse wohl noch unter der Schmerzgrenze eines durchschnittlichen europäischen Gesäßes; alles was über drei Stunden ist, wird zur reinen Tortur.
Strickjacke empfohlen
Viel größer ist die Auswahl an möglichen Reisevarianten auf den touristischen Strecken der Nord-Südachse: Von Bangkok nach Chiang Mai fahren beispielsweise täglich nicht weniger als sieben Züge, in vier verschiedenen Buchungsklassen. Wichtigste Frage bei dieser Reise ist zuerst, ob man lieber nachts oder doch eher tagsüber fährt. Abzuwägen gilt hier einzig, ob man gerne etwas von der Reise durch Dschungel, Gummiplantagen und Reisfelder mitbekommen will, oder ob einen die Zugfahrt schlicht und einfach von A nach B bringen soll. Tagsüber bieten sich zwei Möglichkeiten: Der Sonderexpresszug, der die Reise in zwölf Stunden bewältigt, auch „Sprinter” genannt oder der normale Schnellzug, der für die gleiche Strecke eine Stunde länger braucht. Beide Züge bieten gegen einen kleinen Aufpreis klimatisierte Wagenabteile, wobei für jene eine Strickjacke als Vorbeugung einer Erkältung zu empfehlen ist, da die Klimaanlagen der Thailändischen Bahn sehr effizient arbeiten.
Im "Rolls-Royce"-Zug durch die Nacht
Für eine lange Reise auf Thailands Schienen bieten sich die Nachtzüge besonders an. Selbstredend ist der Komfort nicht mit einem „Citynightline“ zwischen Berlin und Zürich zu vergleichen, das Prädikat „in Ordnung“ verdienen aber alle Klassen der Nachtzüge locker. Sozusagen die Reise im Rolls Royce der Staterailway of Thailand ist die erste Klasse, die es einzig und allein in den Schlafwagen gibt. Diese Variante bietet ein abschließbares Zweierabteil mit Etagenbetten und Waschbecken im Raum. Ist man zu viert unterwegs kann man zwei benachbarte Abteile mieten, die durch eine Tür miteinander verbunden sind.
Die preisgünstigere Variante im Nachtzug bilden die „Sleeper“ der zweiten Klasse: In diesen Grossraumwagen sind die zweistöckigen Schlafkojen entlang des Mittelgangs in Fahrtrichtung angeordnet. Ein Bisschen Privatsphäre bieten einzig Stoffvorhänge, mit denen man sich vor den Blicken der Mitreisenden und dem Licht im Wagen schützen kann. Die billigste Art im Liegen zu reisen ist der Zweiteklasse „Sleeper“ mit Ventilator. Im Gegensatz zu den anderen beiden Schlafklassen gibt es hier anstelle der Klimaanlage nur Deckenventilatoren, was beim thailändischen Klima ziemlich schnell zu einer stickigen und warmen Nacht führen kann. Im Fahrtpreis inbegriffen ist bei allen Schlafwagen frische Bettwäsche. Das Beziehen übernimmt das Zugpersonal.
Info
Buchen
Bahnfahrkarten können in den meisten Reisebüros in Thailand gebucht werden, sind aber auch am Hauptbahnhof in Bangkok erhältlich. Für Ausländer gibt es beim Eingang der Hua Lamphong-Station einen Informationsschalter mit Englisch sprechendem Personal. Um die Ticketwahl zu erleichtern, gibt es an diesem Schalter von jedem Zug und jeder Buchungsklasse ein Foto und eine Beschreibung. Gekauft werden die Tickets dann in der Schalterhalle an einem der drei Schalter, die speziell für Ausländer reserviert sind und vor denen sich hilfsbereite Studenten, die ihr Englisch aufbessern wollen, liebevoll um die ausländischen Bahnfahrer kümmern.
Verpflegung
Wenn auf längeren Bahnfahrten mal der Magen knurrt, ist das in thailändischen Zügen kein Problem. Auf Langstreckenzügen gibt’s immer ein Bordrestaurant, bei dem Essen und Getränke auch an den Platz bestellt werden können. Meistens ist eine Auswahl an verschiedenen thailändischen Speisen erhältlich. Außerdem verkaufen fliegende Händler an jedem größeren Bahnhof Getränke und Snacks durchs Fenster oder kommen sogar in die Züge rein.
LINKS:
Offizielle Seite der Thailändischen Eisenbahn, mit Informationen zu Tarifen und Fahrplänen
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