Easy Rider Feeling (3): Im Herzen Thailands

Zauberhafte Landschaften, verträumte Dörfer, spektakuläre Bergpässe...THAIZEIT begab sich auf eine Expedition ins Zentrum des Landes, das vor allem in seinem Inneren lächelt.

Am 3. Tag unseres Motorradtrips von Nord nach Süd geht's mit unserem ABENTEUER THAILAND erst richtig los. Ich wurde vom Biker-Team bereits mental vorbereitet, denn die „Road of the 1000 bends“ liegt vor uns.

Strasse der 1000 Kurven

Genau gesagt sind es 1864!!! Nun also beginnt für mich und unsere Gruppe das einzigartige Erlebnis, auf 2 Rädern eine spektakuläre Bergkette mit den wohl meisten Kurven der Welt zu bezwingen. Elegant legt sich unsere schwere BMW Maschine in die Haarnadel-Kurve. Im Motorsport bezeichnet man damit eine enge U- bzw. V-förmige Kurve mit einem Winkel von etwa 180°. Ich gebe zu: Angst befällt mich, als die Serpentinen beginnen und das seitlich liegende Power-Bike fast den Asphalt berührt. Doch irgendwann beginnt es auch mir, richtig Spass zu machen. Die Pass-Strasse wird diesmal zur „schwarzen Piste“, die Kurven zum Riesenslalom. Es hat schon eine aussergewöhnlich „Allure“, als einer nach dem anderen mit viel Kraft, Konzentration und Charme die Kurven hinunter wedelt - rechts, links, immer schneller, immer kürzer.

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Idyllisches Künstlerdorf Pai

Zwischenstopp auf einer Aussichts-Plattform mit gigantischem Blick. Wir befinden uns 1600 m über dem Meeresspiegel. Frauen des Bergstammes „Lisu“ bieten selbstgenähte Taschen an und musizieren mit verfaulten Zähnen auf Blockflöten vor sich hin. Es ist eher ein trauriges Schauspiel.

Der Nordwesten Thailands war einst das Zentrum des Königreichs der Lanna und stand unter starkem Einfluss der Burmesen. Fruchtbare Täler, dichter Dschungel und eine Vielzahl von Bergdörfern prägen diese Region. Ein Highlight ist unser Mittagessen im „Belle Villa“ Hotel. Verwundert reibe ich mir die Augen. Mitten in der Pampa steht dieses traumhafte Boutique Resort mit manikürten Gartenanlagen, englischem Rasen, romantischen Holz-Schaukeln und kleinen Häuschen auf Stelzen. Abends schlendere ich über die Walking Street mit ihrem kleinen Markt im Ortskern von Mae Hong Son. An einem mit Lichterketten beleuchteten Stand kaufe ich mir ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „I survived 1864 bends“ (Ich überlebte 1864 Kurven). Im „Cross Road“, einer witzigen Mischung aus amerikanischem Saloon und englischen Pub, treffe ich auf die anderen. Jeder am Tisch weiss, was er während des Tages geleistet hat...

Mae Hong Son

Die Provinz Mae Hong Son liegt westlich von Chiang Mai und grenzt im Osten an Myanmar (Burma). Hier erstrecken sich 12.681 km2 atemberaubende Wald- und Gebirgslandschaft mit idyllisch gelegenen Tälern, heissen Quellen und atemberaubenden Tropfsteinhöhlen. Bis vor wenigen Jahren noch lag die gleichnamige Stadt im friedlichen Tiefschlaf. Erst mit dem Bau einer asphaltierten Strasse kam die Anbindung an die Außenwelt. Per pedes beginnt der nächste Tag – nur 15 Minuten von unserem Hotel. Als wir mit einem Longtail-Fischerboot den Mae Pai River runterfahren, fühle ich mich wie in einem Film. Angesichts der wild romantischen Flusslandschaft - auch perfekt für River-Rafting geeignet – werde ich spontan an den Streifen „African Queen“ mit  Humphrey Bogart und Katherine Hepburn erinnert. Der Mae Pai entspringt in den Bergketten von Laos und mündet schließlich, nach einer Gesamtstrecke von 180 km, in Burma. Es ist der längste Fluss dieser Provinz. Mit Hilfe der Thailändischen Regierung wurde hier in Mae Hong Son ein kleines Refugee-Dorf errichtet, das nur mit dem Boot erreichbar ist.

Besuch bei den "Giraffen-Frauen"

Der Paduang Bergstamm ist bekannt für seine „Longneck“ bzw. „Giraffen-Frauen“. Ein fesselnder und zugleich erschreckender Anblick! Bereits in der Kindheit werden den jungen Mädchen im Zuge eines traditionellen Schönheitsrituals schwere Metallringe um den zarten Hals gelegt, die bis zu ihrem 16. Lebensjahr jährlich um einen Ring erweitert werden und zwischen 5 und 25 Kilogramm wiegen. Einmal befestigt, muss die Langhals-Frau das Metallstück lebenslang (er)tragen. Durch das Gewicht des Metall-Teils werden der Halsknochen und die oberen Rippen derart hinuntergedrückt, dass der ganze Oberkörper deformiert wird. Würde es entfernt werden, führt dies unweigerlich zu einem Bruch des Halses. Trotz der Schmerzen und des offensichtlichen Unbehagens, diese goldene Last mit sich rumzuschleppen, wollen die stolzen Frauen die Tradition des Paduang-Stammes weiterführen. Es ist übrigens ein Märchen, dass die Metallringe den Hals der Trägerin verlängern. Vielmehr handelt es sich hier um eine optische Täuschung.

Es ist hübsch in diesem Bergdorf – und sehr sauber. An einfachen Ständen bieten die Giraraffen-Frauen ihre selbstgemachte Waren an: Modeschmuck, Holz-Schnitzereien, gewobene Tücher, Postkarten. Ich genehmige mir eine Halskette mit blauen Steinen und passende Ohrringe für 100 Bht. Interessiert werfe ich auch einen Blick in die „Schule“ - eine winzige Strohhütte mit ein paar Stühlen - und bin äusserst überrascht, als mir mehrere junge Mädchen mit gutem Englisch auf meine Fragen antworten. Ausgerechnet hier - mitten im Nirgendwo! Des Rätsels Lösung: ein englischer Missionar ist regelmässig als Lehrer tätig und lehrt die Bewohner auch den vertrauensvollen Umgang mit Touristen - eine der wichtigsten Einnahmequellen in dieser verlassenen Gegend.

FORTSETZUNG FOLGT! In der nächsten Ausgabe geht es nach Mae Sariang über Mae Sot nach Sukhothai...
 

Von: Nathalie Gütermann; Fotos: Nathalie Gütermann

Info

THAIZEIT TIPPS:

Einst von Backpackern und Hippies entdeckt, bietet die Mae Hong Song Provinz und das Dorf Pai (rund 130 Kilometer nordwestlich von Chiang Mai) mittlerweile zahlreiche Unterkünfte – von einfachen Motels bis zu edlen Hotels.

 

Hotels

 

Pai:

"The Quarter" Pai 

Baantawan Guesthouse

Belle Villa Resort

 

Mae Hong Son:

Fern Resort - Thailands preisgekröntes Öko-Resort

Imperial Tara Mae Hong Son

 

Event

Jedes Jahr im April, dieses Jahr am 3. April 2013, findet die buddhistische Ordinationszeremonie Poi Sang Long statt, die zu den eindrucksvollsten kulturellen Veranstaltungen des Landes gehört. 

 

 

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