Zwölf Stunden Bangkok: Eine etwas andere Stadtrundfahrt
Bangkok, Schmelztiegel und Moloch – entweder man hasst es, oder man liebt es. Für alle anderen, die sich noch nicht so richtig entscheiden wollen oder nur wenig Zeit für die Stadt der Engel im Reiseplan vorsehen, haben wir zum Kennenlernen eine Bangkok-Tour ausprobiert.
Von Sukhumvit bis Khaosan: Wir haben acht Stunden gebraucht für den Besuch einiger Must-See Orte und die kleinen Details dazwischen, die den Tag für uns unvergesslich machten. Wir beginnen den Tag um 8:45 Uhr - mit frisch gebrautem Kaffee und einem herrlichen Frühstück im "KUPPA" (Soi 16). Mit dem Stadtplan bewaffnet erklimmen wir anschließend die Stufen zum Skytrain in Asoke.
09.30 BTS: ASOKE-SIAM SQUARE
Auf dem Weg von der Station Asoke über Chidlom zur nächsten Station Siam Square blicken wir aus dem rechten Fenster der Hochbahn und lassen uns nach all den Hochhäusern und Straßenschluchten überraschen vom unerwarteten Anblick eines kleinen Wäldchens mit einer verstreuten Tempelanlage – direkt zwischen Südostasiens größten und modernsten Einkaufszentren Siam Paragon und Central World.
09.45 WAT PATHUM
Doch wir sind nicht zum Shoppen gekommen (ohnehin besser vor dem Rückflug) und wollen uns den “Dschungel-Tempel” aus der Nähe ansehen. Vorbei an einem Losverkäufer und ein paar Garküchen, befindet sich der Eingang zum Wat Pathum Wanaram. Während die umliegenden Shoppingmalls noch geschlossen sind, empfangen die Mönche bereits Almosen von den Gläubigen und segnen sie dafür mit buddhistischen Gebeten. Die monoton-hypnotischen Gesänge der Mönche werden über Lautsprecher auch in den hinteren Garten übertragen, in dem wir einige weiß gekleidete Yogis vor einer Marmorstatue in stiller Andacht beobachten können.
Wat Pathum Wanaram
Als Rama V das Kloster 1857 in der Nähe seines Palastes erreichten ließ, lag es noch weit außerhalb der Stadtmauern zwischen Reisfeldern. Trotz seiner Umgebung aus gigantischen Shoppingmalls bleibt die Idylle des Tempels erhalten und zieht in den Abendstunden gestresste Hauptstädter zur Meditation an.
10.15 KLONG BOOT
Sein altes Netz aus Kanälen brachte Bangkok einst den Beinamen „Venedig des Ostens“ ein. Auch wenn die meisten davon inzwischen mehrspurigen Hauptstraßen weichen mussten, bleibt das Boot eine der besten Alternativen zu den verstopften Straßen. Um mit dem Expressboot über den Klong Saen Saeb in den alten Tempelbezirk der Stadt zu gelangen, gehen wir zu Fuß am Paragon vorbei bis zur Kreuzung von Rama I und Phaya Thai Road und dort rechts ab zum Hua Chang Pier, der etwas versteckt links unter der Brücke liegt. Wenn das Boot anhält muss es schnell gehen: Kopf tief einziehen, Platz suchen, hinsetzen, bevor es unter schrillem Pfeifen weitergeht. Die Kassierer balancieren wagemutig auf dem Außenrand hin und her. Eine Plane schützt uns vor Spritzern aus dem schwarzen Kanal, während der Motor bei voller Fahrt dicke Abgase aushustet.
Klong Saen Saeb
Der Kanal verbindet Bangkoks Altstadt mit dem etwa 15km entfernten Viertel Bang Kapi. Das zeitsparende und preiswerte Expressboot befördert täglich mehr als 80.000 Fahrgästen mit steigender Anzahl.
11.10 GOLDEN MOUNT
Schon beim Verlassen der Endstation in Banglamphu sehen wir die Pagode des Golden Mount über den Dächern im Sonnenlicht strahlen. Nach ein paar Schritten, vorbei an kleinen Schreinereien, erreichen wir den Eingang in der Mitte der Boriphat Road. Am Fuß des Hügels befindet sich der Wat Saketh, dessen Friedhof sich zwischen Bäumen und Sträuchern um den Sockel des Golden Mount verteilt. Noch vor wenigen Jahrzehnten war dies die höchste Erhebung der ganzen Stadt. Wir glauben es sofort, als wir die 318 Stufen zum Gipfel auf uns nehmen – die Sonne steht bereits hoch am Himmel. Von der Dachterrasse aus bietet sich ein atemberaubendes Panorama auf Bangkoks Häusermeer, das am Horizont mit den Bürotürmen der Sukhumvit und Silom Road abschließt. Beim Abstieg erfrischen wir uns im Café Boon mit einer frischen Kokosnuss und einem richtigen Kaffee.
Golden Mount
Der 60 Meter hohe Hügel wurde während der Regierungszeit von Rama III auf dem Gelände des Wat Saketh aufgeschüttet. In der goldenen Pagode auf dem Gipfel befinden sich seither Knochenfragmente einer Inkarnation Buddhas. Der Sockel des Hügels ist den Gräbern chinesischer Einwanderer gewidmet und seine Hänge lenken mit künstlich angelegten Wasserfällen und Orchideengärten vom Aufstieg ab.
12.05 WAT RACHANADDA
Wir verlassen den Golden Mount auf dem selben Weg wie wir gekommen sind und biegen am alten Mahanak Fort rechts die Rachadamoen Road ab, auf der in einiger Entfernung die vier gelben Flügel des Democracy Monument aus dem Verkehr ragen. Auf einem kleinen Platz bewacht eine Statue des Königs Rama III den Wat Rachanadda. Leider sind die eigentlichen Gebäude nur während der abendlichen Gebete zugänglich, aber den ceylonesisch beeinflussten Metallpalast auf dem westlichen Teil des Geländes wollen wir uns nicht entgehen lassen. Über eine Wendeltreppe gelangen wir auf die einzelnen Ebenen. Der Innenraum des ungewöhnlichen Tempels sieht durch die geschickte Architektur auf jeder Etage anders aus. In den an ein Labyrinth erinnernden Gängen erkennt man noch die zugemauerten Zellen der Mönche, die hier einst meditierten.
Democracy Monument
Das Denkmal erinnert an die Geburtsstunde der lebhaften Demokratie Thailands, in der Rama VII unter dem Druck des Militärs die Macht in die Hände des Volkes gab. Die fünf Elemente des Denkmals stehen für die Verfassung, die Helden der Revolution, die Religion, das Volk und dessen Befreiung. Die Reliefs stammen Corrado Ferruci, der die thailändische Staatsbürgerschaft annahm und unter dem Namen Silpa Bhirasri die Silpakorn Universität für bildende Kunst gründete.
Wat Rachanadda
Die Architektur des Metallpalastes ist dem Stil Sri Lankas nachempfunden, von wo die Theravada-Schule des Buddhismus einst ihren Weg nach Thailand fand. Von den Dächern des pyramidenförmig angelegten Gebäudes ragen 37 Eisentürme in den Himmel. Rama III ließ den Metallpalast für seine Nichte errichten, die dort mit Mönchen meditierte und die Theravada-Tradition studierte. Auf der obersten Ebene befindet sich ein Schrein mit einer Buddha-Reliquie.
13.00 LITTLE INDIA
Wir verlassen den Tempel durch den Ausgang zur Mahachai Road. An den Ständen des Devotionalienmarktes gibt es Statuen und Amulette in allen Preisklassen. Dass die Großpackung hier schon für weniger als 100 Baht zu haben ist, lässt den mystischen Charme der Schutz- und Glücksbringer jedoch schnell verblassen. Wir halten ein Taxi in Richtung Süden an und lassen uns in die Pahurat Road bringen, nach „Little India” an die Pahurat Road kurz vor Chinatown. Dort verlaufen wir uns in den Düften, Klängen und Bildern des kleinen Ständelabyrinths.
Little India
Rund um die Pahurat Road befindet sich der indische Markt, von dem ein Teil in den für Regentage besser geeigneten Old Siam Plaza umziehen musste. Der eigentliche Markt mit seinen verworrenen Gängen und Ständen für edle Stoffe, Gewürze, Bollywood-CDs und Hindufiguren liegt auf der Rückseite der Straße.
13.40 SIKH TEMPEL
Der Markt wird überragt vom sechsstöckigen Sri Gurusingh Sabha Tempel, den wir uns aus der Nähe ansehen wollen, bevor es zum indischen MIttagessen geht. Das etwas mulmige Gefühl während unserer Fahrt in den fünften Stock legt sich, als der freundliche Leiter des Tempels uns in die mit Teppichen ausgelegte Gebetshalle führt. Nach einer kurzen, aber interessanten Führung durch den Glauben der turbantragenden Inder schleppen wir unsere knurrenden Mägen auf die andere Seite der Chakraphet Road, wo wir nach der kleinen Gasse mit dem Schild Royal India Restaurant Ausschau halten. Auch wenn es zunächst anders wirkt: Dieser kleine Inder ist kein Geheimtipp – seine köstliche und günstige Küche stadtbekannt.
Sri Gurusingh Sabha Tempel
Mit den indischen Einwanderern kam neben den Hindus auch die Sikhs aus dem Norden nach Thailand. Die Gemeinde, deren männliche Mitglieder an Vollbart und Turban zu erkennen sind, hat heute etwa 1000 Mitglieder. Der Bau beherbergt das heilige Buch der Sikhs und wurde während des zweiten Weltkriegs versehentlich von zwei Blindgängern getroffen, die das Gebäude durchschlugen, ganz ohne die Schutzsuchenden zu verletzen.
15.00 BLUMENMARKT
Zum Blumengroßmarkt ist es uns genau die richtige Entfernung für ein Tuktuk. An dieser Ecke kommt ständig eines vorbei und wir fahren für weniger als einen Euro am Rama I Denkmal und der Freundschaftsbrücke entlang in ein Meer von bunten Blumen auf beiden Straßenseiten. Es duftet nach Jasmin, Orchideen und Rosen, die hier zu Händlerpreisen erhältlich sind. Wir folgen der Mahathat Road und machen einen kurzen Verdauungsspaziergang die Straße hinunter zum Wat Pho.
15.50 WAT PHO MASSAGE
Die Schlange am Eingang lässt keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einer Hauptattraktion der Stadt zu tun haben. Der 45 Meter lange liegende Buddha ist ein Besuchermagnet samt seiner mit riesigen und doch filigranen Perlmutt-Mustern verzierten Fußsohlen. Auf dem Gelände sind mehrere Gebetshallen und unzählige, mit Porzellan besetzte Pagoden verteilt. Wir bewundern den bunten asiatischen Stilmix, den die gestifteten chinesischen Figuren vor den siamesischen Bauten abgeben. Am Ausgang zur Flußseite liegt vor dem Tempel die berühmte Wat Pho Massageschule, in der wir uns eine Fußmassage nicht entgehen lassen wollen.
Wat Pho
Im ältesten Tempel der Stadt symbolisiert eine gigantische Statue Buddhas Eintritt in das Nirwana und ist eines der häufigsten Fotomotive Bangkoks. Auf dem Gelände befinden sich unzählige Pagoden, in denen unter anderem die Überreste von Königen der Chakri-Dynastie aufbewahrt werden. Rama III gründete im Wat Pho Thailands erste Volksuniversität, an der Heilkunde unterrichtet wurde und aus der schließlich Thailands bedeutendste Schule für Reflexzonenmassage hervorging.
17.30 CHAO PHRAYA
Anschließend schweben wir auf unseren neugeborenen Füßen eine Straßenecke weiter Richtung Königspalast, biegen aber links ab und schlendern zwischen den hübschen Häusern zum Pier. Wir entschließen uns zu einem unspektakulären Softdrink direkt am Wasser mit beeindruckendem Blick auf Wat Arun am anderen Ufer. Von hier sind es nur noch ein paar Schritte zum Tha Thian Pier (N7) von dem wir mit dem Rivertaxi für ein paar Baht gen Norden fahren. Auf dem Weg zum Anleger Tha Phra Athit (N13) beobachten wir das Leben auf den Stelzenhäusern am Ufer des mächtigen Chao Phraya.
18.00 PHRA SUMEN FORT
Wir gehen vom Anleger ein paar Meter weiter Richtung Norden und kommen zu einem letzten Überrest der einstigen Stadtmauer der Königsstadt Rattanakosin: Dem Kanonenturm des Fort Phra Sumen. Im umliegenden Santichaiprakarn Park versammeln sich schon seit dem späten Nachmittag Einheimische und Backpacker aus der nahen Khaosan Road zum Sonnenuntergang. Wir setzen uns für einen Crepés vor das Roti Mataba und schauen zu, wie die Sonne hinter dem Turm im Fluss versinkt.
Fort Phra Sumen
Die beiden Kanonentürme an Mahanak-Kanal und Phra Athit Road erinnern an den Verlauf der alten Befestigungsanlagen des Palast- und Tempelbezirks Rattanakosin. Nach dem Vorbild der alten Königstadt Ayutthaya ließ Rama I das Zentrum seiner Hauptstadt mit Kanälen und einer weißen Mauer umziehen, von der die Zwillingstürme noch heute zeugen.
Santichaiprakarn Park
Am Ufer des Chao Phraya steht ein letzter stiller Baum, nach dem das Banglamphu-Viertel um die Khaosan Road benannt wurde: der Lamphu- oder Englerbaum. Diese Mangrovenart prägte hier einst das ursprüngliche Bild des Viertels und lockt während der nächtlichen Blüte Libellenschwärme an. Heute ist es die Abgeschiedenheit des Parks, die frischverliebte Teenager abends zum heimlichen Händchenhalten anzieht.
18.45 RAMBUTTRI UND KHAOSAN
Wir sind vom Tag überwältigt – und erledigt! Wer nach dem Sonnenuntergang noch etwas Trubel braucht, oder dem Treiben einfach nur vom Außentisch eines Lokals zuschauen möchte, der schlendert von hier zur nahegelegenen Khaosan Road. Die eigenwillige Touristenmeile ist längst zum Anziehungspunkt einheimischer Ausflügler geworden, die sich über die schlampigen “Farang Khi Nok” amüsieren. Am gemütlichsten ist der Weg dorthin über die Rambuttri Road, die mittlerweile zur kleineren Version ihres berühmten Vorbildes geworden ist. Was einst mit einem kleinen Supermarkt und billigen Unterkünften begann, entwickelte sich vom Hippiekiez zu einem bunten Nachtmarkt und einer beliebten Ausgehmeilen auf der sich Rucksacktouristen mit einheimischen Yuppies und Studenten mischen.




























