"Indigo Stadt" am Mekong:

Blaue Wunder erleben!

Sakhon Nakhon heißt ein kleines Städtchen im Isaan, das die natürliche Indigo-Färbung perfektioniert und zu einer lokalen Industrie aufgebaut hat. Und wer will, kann sich vor Ort selbst sein Kleidungsstück tiefblau kolorieren. Thaizeit hat's ausprobiert...

Das Königreich kreativ und kulturell erleben... das ist doch mal eine interessante Alternative (oder Erweiterung)  zum Strand-Urlaub, oder nicht? Deshalb hängen Sie doch mal ein paar Tage dran, wenn Sie von Bangkok oder von den Inseln kommen, und fliegen Sie in den Nordosten Thailands.

Denn dort kann man in der Tat sein blaues Wunder erleben... 

Der Flug mit Nok Air ab der Hauptstadt dauert ca. nur 1 Stunde und kostet meist nicht mehr als 800 - 1000 THB/Strecke - also gerade mal rund 50 Euro für den "round trip". Ein Schnäppchen! Ein Besuch ist besonders an einem Wochenende empfehlenswert, denn am Sonntagabend verwandelt sich die sonst gut befahrene Hauptstraße neben dem "Phra That Cherng Chum" - dem Wahrzeichen von Sakhon Nakhon - in eine Fußgängerzone namens "Indigo Dyed Clothes Street".

Doch darauf kommen wir nochmals am Ende unseres Berichts zu sprechen!

Einst nur ein saisonaler Job für zusätzliches Einkommen, ist die mit echtem Indigo gefärbte Kleidung für die Dorfbewohner längst schon zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Und was sie herstellen, ist traumhaft schön und von höchster Qualität, wie man in unserer Bildergalerie sehen kann. 

Die Gewinnung des tiefblauen Farbstoffes aus der Indigopflanze lässt sich bis ins Altertum nachweisen.  Bereits in vorchristlicher Zeit fand man Indigofera-Arten in Indien, Ägypten und Südostasien. Im Isaan gilt dieses zarte Pfänzlein als der "Schatz von Sakhon Nakhon".

Dort wird sie in großen Plantagen für den häuslichen Gebrauch angebaut, vor allem aber wird sie für die Produktion und das Färben von Kleidungsstücken und Accessoires genutzt, die später an Thais und Touristen verkauft werden. 

Top-Adresse: "Kram Sakon"

Ein Besuch hinter den Kulissen von Märkten und Shops im Stadtzentrum. Wir begeben uns in einen Vorort, irgendwo ins Landesinnere. Denn dort steht ein Konglomerat von mehreren Hütten, die eine Art "Village" bilden und die etwas Originelles in sich bergen: Die Blaufärberwerkstatt mitten in der Natur. 

In Bottichen und typisch thailändischen Keramiktöpfen befindet sich das "Power-Wasser", das aussieht wie Tinte. Voraussetzung für ein gutes Resultat ist, dass der Farbstoff im wässrigen Medium fein verteilt vorliegt.

Hier, im Garten von Kram Sakon, kann man nicht nur zusehen, wie simple weiße Baumwollstoffe in einer aufwendigen Prozedur gefärbt werden, sondern man kann in einem Workshop auch selbst Hand anlegen. 

Lernprozess für Besucher: "Do it yourself"

Wir wollten dies natürlich unbedingt ausprobieren und haben mit ein paar wenigen anderen Besuchern - auch Männern - unsere eigenen T-Shirts und Schals koloriert. Dank der professionellen Anleitung des "Kram Sakon"-Teams macht dieser "Ausflug ins Blaue" nicht nur Spaß, sondern auch Sinn.

Bekommt man somit doch interessante Einblicke in die frühsten Färbetechniken der Textilindustrie. 

Wir lernen auch: Die diversen Muster auf dem Gewebe entstehen durch Verwendung von Schablonen - in diesem Fall einfache, glatte Holzklötze, die mit Nägeln und einem Gummiband zusammengehalten werden.

Diese werden vor dem Färben auf dem weißen Stoff angebracht und fest verankert.   

Wer keine Muster mag, entscheidet sich für "uni". Im Gegensatz zu Verfahren in Firmen, die leider nur noch mit Chemikalien arbeiten, wird hier das zu färbende Gewebe ganz einfach in die Küpe getaucht. Je öfter es getaucht wird, desto dunkler und kräftiger wird die Farbe.

Klicken Sie sich mal durch unsere Bildergalerie, dort werden Sie es genau sehen: 

Natürliche Pflanzenfärbung anstatt Chemie 

Die Indigo-Pflanze enthält "Indican"", das zunächst durch Gärung in Indoxyl umgewandelt werden muss. 

Während des Färbevorgangs wird ein Stoff zunächst gelb, dann grün, und erhält erst bei der Oxidation an der Luft einen satten, blauen Farbton.

Nach dem Färben wird der Stoff  ausgewrungen, in riesigen Wasserbecken in einer Seifenlauge durchgespült und anschließend auf schlichten Kleiderbügeln an der Luft getrocknet.

Der Luftsauerstoff oxidiert die (lösliche) Leukoverbindung wieder zum ursprünglichen, wasserunlöslichen Farbstoff, der fest in der Faser haftet. 

Das Mischverfahren der Farben und des Entwicklungsbades sind wie der gesamte Blaudruck durch und durch handwerkliche Arbeiten. Die Rezepte sind Betriebsgeheimnisse, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

In Sakhon Nakhon wird noch mit natürlichem Indigo gefärbt, doch weltweit wird die Farbe in der heutigen Zeit fast ausschließlich synthetisch bzw chemisch erzeugt. 

Nun könnten wir an dieser Stelle ewig in die Tiefe gehen und im Detail über die Färbe-Methoden in der Industrie eingehen, und den damit verbunden Giftstoffen wie z.B. Bakterizide, Formaldehyd, Weichmacher, Epoxidharz, Imprägnierungs- und Dispersionsfarbstoffe.

"Insgesamt werden rund 7000 Chemikalien in der Textilproduktion eingesetzt", schreibt das Portal "Greenground.at". Viele Menschen leiden auch unter Kontaktallergien durch giftige Chemikalien in Kleidung. 

Doch das können Sie in zahlreichen Abhandlungen im Internet nachlesen.

Hier ist nicht nur der Himmel blau!

Wir bleiben lieber hier in Sakhon Nakhon und widmen uns der "Indigo Stadt". Wie eingangs erwähnt, gibt es jeden Sonntag eine "Walking Street" neben dem Wat, wo man gewißermassen in ein Meer aus Tausenden von Blautönen eintaucht und die Kleindungsstücke und Indigo-Accessoires, z.B. auch Stoffohringe, Manschettenknöpfe, Haarbänder und Stoffgürtel für wenige Baht kaufen kann.

Übrigens geht es den Einheimischen  längst nicht mehr nur um ökologisch hergestellte Farbstoffe, sondern auch um biologische Abbaubarkeit.

Darauf wird besonders im "Kram Sakon"-Dorf höchsten Wert gelegt.

Deshalb macht es auch Freude, im familiengeführten Shop tolle Souvenirs in schönstem Indigo-Blau zu kaufen, die so ganz anders sind als die üblichen Thailand-Souvenirs (Siehe Foto-Collage liks!)

Und natürlich darf man auch sein eigenes Meisterwerk mit nach Hause nehmen. 


In diesem Falle ist die Autorin dieses Berichts also nicht mit einem blauen Auge, sondern mit einem ganz simplen tiefblauen Schal davon gekommen. 

>>> Zur Bildergalerie: "Indigo-Stadt am Mekong mit Workshop 

Von: Nathalie Gütermann (Text & Fotos)

Info

Quellen u.a. Greenground + Wikipedia

 

ANREISE NACH SAKHON NAKHON 
Mit dem Billig-Flieger Nok Air ab Bangkok.
Flug: ca 1 Stunde


BESUCH DER WERKSTATT & FÄRBEREI 

TAT-Büro Nakhon Phanom, E: tatphnom@tat.or.th
Tel: +66 (0) 4251 - 3490-1
Web: tourismthailand.org/nakhonphanom
(zuständig für Nakhon Phanom, Mukdahan, Sakhon Nakhon)

 

KRAM SAKON DORF & SHOP
Web: KramSakonShop.com

 

WEITERE INFORMATIONEN 

Mekong Tourism Coordinating Office
Web: mekongtourism.org
Tel: +66 2038 5071-1
Soziale Medien: @TourismMekong

 

 

 

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