Mukdahan, Provinzen Thailands, Thailands Norden, Reise, Isaan

Mukdahan:

Gestern Hinterland, heute Tor zu Indochina

Mukdahan, auch „Mukda“ genannt, ist von den 76 Provinzen Thailands am wenigsten bekannt. Seit der Eröffnung der Freundschaftsbrücke im Jahre 2006, hat der Grenzverkehr zu Laos stark zugenommen. Dennoch lässt sich diese entspannte Grenzstadt nichts von ihrem alten Charme nehmen.

Der riesige Mochit 2 Busterminal liegt weit draußen in diesem großen staubigen Feld zwischen der brüchigen Bahnstation Bang Sue und dem Chatuchak oder kurz „JJ“-Wochenendmarkt. „Morchit“ ist Thailands größter Intercity-Busbahnhof, sozusagen die Lebenslinie, die Bangkok mit all den Arbeitskräften aus den nördlichen und nordöstlichen „Isaan“ Provinzen füttert.

Mit den Intercity-Bussen zu reisen ist immer noch eine der billigsten und effektivsten Reisemethoden, seitdem Düsenflugzeuge und eng vermessene Dieselzüge als einzige die größten provinziellen Städte des hohen Nordens und Nordostens Thailands abdecken. Diese riesige, leicht heruntergewirtschaftete, mehrstöckige, flughafenähnliche Busstation schläft nie. Abfahrtszeit: 21 Uhr. Die Abfahrtszeit des dunkelblauen „VIP 21“ Mukdahan-Express auf Plattform 6 wird sich um zehn Minuten verspäten. Um 21.15 lockert dann endlich der Hauptfahrer Somsak Sririwat die Bremsen, tritt aufs Gaspedal und der 21-Uhr-Service nach Mukdahan rollt aus der Morchitstation hinaus in Richtung Viphavadee Rangsit und auf den nordöstlichen Highway Nummer 1.

 „VIP 21” startet

Der Bus hat 21 große, breite und sehr bequeme verstellbare Sitze. Die ganze linke Reihe ist nur mit Einsitzern versehen, während man auf der rechten Seite zwei Sitze nebeneinander findet. Darum heißt der Bus auch „VIP 21“. Eine charmante, kleine Bushostess in einer eher engen, grauen Uniform, bestehend aus einem Minirock, Stöckelschuhen und einem kleinen niedlichen Hütchen, serviert leichte Snacks und Softdrinks. Das Rangsit Areal erscheint bald zur Linken; der Campus der Thammasat Universität, unzählige Betriebe, Warenhäuser, helle PTT-Tankstellen und Industrieimmobilien ziehen sich den ganzen Weg entlang bis zu den Hügeln der Saraburi Provinz, Heimat der massiven Siam- Zementfabriken, die den unendlichen Bedarf von Thailands Bauindustrie decken.

Vor dem Erreichen von Korat Stadt (Nakorn Ratchasima) machen wir den ersten Halt für ein spätes, ergänzendes Abendessen. Reissuppe, gebratener Reis mit Schwein, Hühnchen oder Nudeln werden von kleinen Imbissständen auf einem Parkplatz an der Straßenseite angeboten. „20 Minuten! Ihre Busnummer ist 605!“, warnt uns die Hostess, die ihre Stöckelschuhe nun durch bequeme knallig pinke Flip-Flops eingetauscht hat. Zurück in den Sitzen geht auch schon fünf Minuten später das Licht aus und jeder hat es sich mit Kissen und Decken in Halbliegeposition gemütlich gemacht. Das konstante Summen des Motors lässt mich so langsam eindösen und schon bald fest schlafen.

Endstation Mukdahan

Als ich wieder aufwache, geht bereits die Sonne auf und wir haben die Busstation 101 (das ist der Name der Stadt) erreicht. „Roi Et“ in Thai und One-Hundred-One in Englisch. Klingt ein bisschen wie der Name einer FM Radiostation. 90 Prozent der Taxifahrer in Bangkok sind aus der Roi-Et-Provinz. Der dominante „101“ Grenzstein ist eine goldene, 55 Meter hohe, schlanke Buddha-Statue, die etwas abseits von einem See und einem großen Tempel aufgestellt ist. Roi Et schläft noch immer tief und fest, als wir mit dem Bus wieder von der Station abfahren. 5.30 Uhr: „Ne-xt Muk-da-han Ter-mi-nal“, sagt der Fahrer auf Englisch durch die Sprechanlage. „Muk-da-han“ murmel ich vor mir her. Das ist die Endstation.

642 km nordöstlich von Bangkok ist das Tor zum alten Indochina, Laos und Vietnam. Der Weg zu den Mamorbergen und den langen tropischen Sandstränden von Danang am Südchinesischen Meer ist nur 500 km weg von der Mekong Brücke. Mukdahan oder „Mukda“, wie die Einheimischen es nennen, ist ein idyllisches Grenzstädtchen und Teil des indochinesischen Grenztriumvirats: Nong Khai, Nakhom Pathom und Mukdahan. Drei Städte, drei Provinzen, miteinander verbunden durch den mächtigen Mekong River. Der Handel am Fluss floriert hier schon seit Jahrzehnten, egal was passiert, ob Kriege oder Besetzungen.

Skylab statt Taxi

An der Busstation sind weder Taxen noch Taxifahrer zu sehen. Wahrscheinlich sind alle gegenwärtigen Roi-Et- und Mukdahan-Taxifahrer damit beschäftigt, in Bangkok pinke und gelbe Toyota „Taxameter“ zu fahren. So heißt es also: „Taxi-no-have. But yes, we have ‚Skylab‘, wie man im Landesinneren das dreirädrige „Tuk-Tuk“ nennt. „Samlor Skylab“, der Name kommt von der ersten US-Weltraumlaborstation. Der Skylab kam 1979 wieder zurück auf die Erde und voilà, der Dreiräder wurde überall im Isaan schnell bekannt als „Der Skylab“. Wenn sie nach der besten Übernachtungsmöglichkeit in der Stadt fragen, wird ihnen die kräftige Skylab-Fahrerin sagen: „Ploy Palace“, auf Englisch „Gem Palace“. Ein weißes Drei-Sterne-Hotel mit 155 Zimmern, das hauptsächlich von organisierten Busgruppen, für Regierungskonferenzen und reisenden Pharmazievertretern gebucht wird.

Sind Sie in Paris, müssen Sie unbedingt den Eifelturm besuchen!  Sind Sie in Bangkok, dürfen Sie sich das einmalige Al-fresco-Panorama vom Sirocco im 63. Stock des LeBua Hotels im State Tower nicht entgehen lassen. Sollten Sie jemals in Pisa, sein, ist der Schiefe Turm ein Besichtigungsmuss und wenn Sie jemals nach Mukdahan kommen, ist der Ho-Kaeo-Tower der Aussichtspunkt, um die Beschaffenheit des Landes vollständig wahrzunehmen.

Panoramablick vom Ho Kaeo Tower

Der Ho-Kaeo-Tower steht kerzengerade wie ein weißes, dickes Ausrufezeichen am Rande der Stadt Mukdahan. Die Bauarbeiten zum Turm wurden erst 1996 beendet. Vertikal erstreckt sich der Turm nur auf eine Höhe von 65,5 Metern, garantiert aber eine 360-Grad -Perspektive vom obersten Stock aus. Bevor man den Turm hochgeht, sollte man seine Schuhe ausziehen und da diese jungfräuliche Sehenswürdigkeit kostenlos ist, sind ein paar Baht als kleine Spende für einen guten Zweck und zur Erhaltung des Turmes willkommen.

Vom Turm aus werden Sie erkennen, wie schön die Stadtgrenze an den schlammigen Ufern des breiten Mekong Rivers ist, auf dessen anderer Seite das verschlafene laotische Städtchen Savannakhet liegt. Entlang der thailändischen Flussseite erkennt man den belebten Talat Indojin (Indo-China-Market), die Landungsbrücke, die Immigrationsgebäude und die weiß gestrichene Flusspromenade. Den Fluss aufwärts, sechs Kilometer vom Stadtzentrum, trifft man auf die zweite Freundschaftsbrücke, die über den Mekong Thailand und Laos verbindet.

Die 1,6 km lange Brücke wurde von Japan finanziert und ist Teil eines neuen Ost-West- Korridors, der von Thailand durch Laos nach Danang Port an die Küste Vietnams führt. Dieses große Projekt wurde der Öffentlichkeit am 9. Januar 2007, 13 Jahre nach der ersten thai-laotischen Freundschaftsbrücke  in Nong Khai, zugänglich gemacht. Der zehntlängste Fluss der Welt, der 4.300 km lange Mekong River, ist in Mukdahan überall zu fühlen. Über ihn scheint die vorherrschende Atmosphäre in Mukdahan zu reflektieren: Sanft und entspannt. Eben mit dem Strom schwimmend.

Frische Brise auf dem Indochina-Markt

Als ich wieder zurück in die Stadt komme, entscheide ich mich für eine kühlere und weniger menschengedrängte Nachmittagsplanung: „Talad Indojin“, dem Indochina-Markt, der sich als subterraner, orientaler Basar über 1,5 km erstreckt. Dort gibt es zwar keine Klimaanlage, aber dafür eine natürliche Brise vom Fluss. Eine saubere, strukturierte und entspannte Einzelhandelserfahrung (ganz ohne Schieben und Drängen), wo man von importierten Keksen, Schlangenöl, Gingseng, Musikinstrumenten und Mutmee-Seide bis hin zu unechten Markenjeans, Schleudern und authentisch aussehenden 9-mm-Spielzeugpistolen alles kaufen kann.

Vietnam lässt grüssen

Mukdahan ist ein vietnamesisches Kulturgut. Es heißt, dass etwa 80 Prozent der Bevölkerung Mukdahans vietnamesische DNA besitzen. Die Urenkel vietnamesischer Flüchtlinge haben sich während des 16 Jahre andauernden Vietnamkriegs in Mukdahan niedergelassen. So ist es auch kein Wunder, dass man sich „La Cuisine Vietnamienne“ immer noch in Mukdahan schmecken lassen kann, wie beispielsweise „Pho“, ein Nudelgericht aus Reisnudeln in Fleischbrühe mit Rind oder Schwein, Kohl und Basilikum. Mein Isaan-Mekong-Lieblingsgericht ist jedoch „Khai Kata“, sogenannte Pfanneneier, die in einer winzigen Aluminiumpfanne (die Kata), zusammen mit dünn geschnittenen Scheiben chinesicher (Kun chiang) und vietnamesicher Würstchen (muu yor), Scheiben grüner Zwiebeln und gemahlenem Pfeffer gebraten werden. Der Pfeffer ist dabei entscheidend.

Von Hanoi in den Isaan

Ein Bericht über „Yuon Oppayop“ interessiert mich sehr. Dies ist ein Thaibegriff für vietnamesische Flüchtlinge oder „Viêt Kiêu“ für Übersee-Vietnamesen, die während der Gründung des kommunistischen Regimes in Hanoi 1952 Asyl in Thailand gesucht haben. Ungefähr 50.000 Vietnamesen haben den Mekong River überquert und Schutz im Nordosten Thailands, dem Isaan, gesucht. Sie haben sich hauptsächlich am Ufer des Mekong, in Udon Thani, Nong Khai, Sakon Nakhon, Nakhon Phanom, Ubon Ratchathani und Mukdahan niedergelassen. 2005 wurde dann schließlich von der thailändischen Regierung beschlossen, allen im Königreich lebenden Enkeln vietnamesischer Flüchtlinge die thailändische Staatsbürgerschaft zu gewähren. Seit diesem Einbürgerungsprozess entdecken lang-stillschweigende vietnamesiche Immigranten des Isaans, Thailands am wenigsten bekannte Minorität, ihr Erbe und kulturelle Einzigartigkeit wieder. 

Ihr kulinarisches Erbe fasziniert mich und macht mich hungrig. Ich bin fest entschlossen einige Speisen bester vietnamesischer Küche im Isaan zu entdecken und auszuprobieren. „Khanom paw pia yuan“ oder vietnamesische Frühlingsrolle in Sri Chiang Mai, das vietnamesische Restaurant am Fluss in Nong Khai und Nakon Phanom.

Und pourquoi pas? Hanoi, die Hauptstadt von Vietnam, ist geographisch näher zum nördlichen Isaan als Bangkok. Aber erst einmal ein Abendessen aus Meeresfrüchten am Fluss: Im Ofen gebackener Mekong Katzenfisch, Pilze, Morning Glory, Jasminreis und natürlich eine Schüssel mit guter alter Tom Yam Gung und einem schönen kalten Bier. Bon appetit!

Von: John Lindgren Fotos: TAT, Ploy Palace Hotel

Info

Weitere interessanten Informationen finden Sie hier:

TOT Office Nakhon Phanom/Mukdahan

tourismthailand.org/nakhonphanom

 

Mekong River Commisssion

mrcmekong.org/mekongnews/mekongnews.htm

 

 

HOTEL

 

Ploy Palace Hotel Mukdahan:

www.ploypalace.com

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