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Baan Gerda:

Zwischen Fiktion und Wirklichkeit

In der Residenz des deutschen Botschafters wurde am 20. März 2009 die Premiere der Kinderoper „A Boy and a Tiger“ von Bruce Gaston bewundert und bejubelt.

Inspiriert von Yann Martells Roman „Schiffbruch mit Tiger“ (Life of Pi), inszenierte Bruce Gaston, Thailands berühmter amerikanischer Musiker, eine Oper namens „A boy and a tiger“ mit den  Kindern von Baan Gerda. Es ist eine Geschichte, in der sich die HIV-infizierten Kinder von Baan Gerda selbst reflektieren können.

Eine Geschichte, in welcher der menschliche Kampf ums Überleben vordergründig ist. Eine Geschichte des kleinen Jungen Pi, Sohn eines Zoobesitzers, der gemeinsam mit einer Hyäne, einem Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch erleidet und während seiner Odyssee hautnah erfährt, dass der Kampf zwischen Mensch und Natur von Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin und natürlich dem maßloses Willen zu überleben geprägt ist.

Bruce Gaston, der 1983 gemeinsam mit seinem damaligen Musikdozenten Buyong Ketkhong das Fong Naam Ensemble ins Leben rief, begann sein Musikprojekt mit den Kindern von Baan Gerda vor drei Jahren. „Jeder hat Musik in der Seele. So wird Musik gemacht. Musik soll Freude machen.“ heißt sein Leitsatz und das merkt man den Kindern von Baan Gerda auch an. Anfangs noch ein wenig schüchtern, zeigten die Kinder während ihrer Premiere großes Talent. Mit klassischem Thaigesang, einer einfallsreichen, wenn auch manchmal sehr abstrakten Kostüm- und Bühnengestaltung und einem sehr überzeugenden Auftritt sorgten sie für allgemeine Begeisterung bei den geladenen Gästen. Bei der instrumentalen Begleitung seiner kleinen Darsteller beschränkte sich Caston auf so genannten Orff-Instrumente wie beispielsweise Xylophon, so dass sich wunderbare Klänge mit klassisch-thailändischem Gesang verschmolzen.

Kleine Stars ganz groß

Während man sich als Zuschauer seiner Entzückung für die Akteure hingibt und während des Applaudierens in höchst erfreute und stolze Kindergesichter schaut, erscheint die Tatsache ihrer schweren Schicksale völlig unwirklich. Baan Gerdas Kinder sind HIV-infiziert und nicht wenige von ihnen tragen seelische Wunden in sich. Wunden, die entstanden sind, nachdem sie bitterlich mit dem Tod ihrer AIDS-kranken Eltern konfrontiert wurden oder auf inhumane Weise von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, dass diese Kinder ihr Lachen wieder gefunden haben. Zu verdanken ist dies vor allem einem, Karl Morsbach, der gemeinsam mit seiner Frau Tassanee Morsbach das Dorfprojekt Baan Gerda 2002 ins Leben gerufen hat, um HIV- und AIDS-Waisen ein Zuhause zu geben.

Baan Gerda liegt ca. 230 km nördlich von Bangkok in der Provinz Lopburi und wurde nach Karl Morsbachs verstorbener Mutter Gerda benannt. Das Kinderprojekt funktioniert nicht wie andere Waisenhäuser, sondern ist eher angelehnt an die Idee der SOS-Kinderdörfer. In einer aufgebauten familiären Umgebung sorgen sich hier Pflegeeltern um die Waisen, die selbst das Virus in sich tragen oder durch andere Umstände davon betroffen sind. Selbst von der Gesellschaft geächtet, können sie am besten die seelischen und körperlichen Bedürfnisse der Kinder verstehen. In Familienhäusern leben die Pflegeeltern jeweils zusammen mit ungefähr acht Kindern, versuchen ihnen Liebe und Geborgenheit zu geben und stellen ganz genau die Einnahme ihrer Medikamente sicher.

Ein Kinderdorf als Zukunftsmodell

Weil selbst Krankenhäuser die Behandlung von HIV-infizierten Patienten verweigern, wurde auf dem Gelände von Baan Gerda eine eigene Krankenstation errichtet.Eine freiwillige Ärztin macht regelmäßige Hausbesuche und untersucht die Kinder auf ihren Gesundheitszustand. Da AIDS-kranke Kinder häufig kleiner und untergewichtiger sind als andere Kinder, ist ihr Speiseplan auf eine HIV-gerechte Krankenkost ausgelegt. Ein Ernährungsplan, der von Ernährungswissenschaftlern der Mahidol Universität in Bangkok entwickelt wurde. Ob Wachstum, Gesundheitszustand oder die Einnahme von Medikamenten, hier wird die physische Entwicklung genauestens verfolgt und überwacht. Neben dem körperlichen Befinden ist es dem Begründer Baan Gerdas aber von genauso großer Wichtigkeit, dass die mittlerweile über 70 Kinder wieder soziale Integrität erfahren und sich auch geistig weiterbilden. Sie können Kindergarten und Schule besuchen und haben die Möglichkeit, im eingerichteten Aktivitätenhaus nicht nur Bücher zu verschlingen und am Computer zu arbeiten oder zu spielen, sondern auch ein Instrument zu erlernen und sich mit Musik auseinander zu setzen. Denn mit Musik wird Harmonie zwischen Körper und Seele erreicht, sie kann von Lasten und Ängsten befreien. Gemeinsam mit ihr und  all den anderen angebotenen Aktivitäten in Baan Gerda und vielleicht der zum ersten Mal widerfahrenen Liebe und Geborgenheit wird gerade im Kampf mit einer unheilbaren Krankheit zu immer neuen Kräften verholfen.

Wie auch in „A Boy and a Tiger“, wo Pi lernen muss, auf einem kleinen Floß mit einem Tiger auszukommen und damit einer gefährlichen Situation standzuhalten, so lernen auch die Kinder von Baan Gerda mit ihrer Krankheit umzugehen und dieser mit schlauen Überlebensstrategien zu trotzen.

Die Weltpremiere der Oper „A boy and a Tiger“ ist im Juli 2009 in der Bangkok Opera zu erleben. Musikalisch unterstützt vom Siam Philharmonie Orchester, unter der Leitung von  Somtow Sucharitkul, dem Intendanten der Bangkok Oper.

Von: Agnes Deblond Fotos: Apichon Rattanapayon

Info

Kontakt
Children’s Rights Foundation
131/3 Chaeng Wattana Road, Soi 13
Bangkok 10210
www.baangerda.org

 

Dokumentarfilm „Heaven´s Meadow“
Ein bewegendes Porträit über Baan Gerda und eine damit einhergehende umfassende Aidsaufklärung zeigt der 90minütige Dokumentarfilm „Die Himmelswiese – Die kleinen Wunder von Baan Gerda“ (Heaven’s Meadow) von Detlev F. Neufert. Ein Aufklärungsfilm, der es mit seiner Premiere 2005 in Bangkok schaffte, das thailändische Königshaus für sich zu gewinnen und damit einen großen Unterstützer der Botschaft „Aids-Waisen retten“ gefunden hat.
www.heavensmeadow.com

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