Dinner-Erlebnisse in Bangkok:

Heute - "Dine in the Dark"

Abendessen im "Dunkelrestaurant" - das ist in Europa nichts Neues. Wohl aber in Thailand. THAIZEIT begab sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise in die völlige Finsternis und war hellauf begeistert.

Es ist stockdunkel im Raum. Noch nicht einmal die kleinste Lichtquelle ist zu erkennen; kein schwacher Glanz, kein leichtes Funkeln. Man begibt sich ins NICHTS! Und das alles, um zu Abend zu essen?

"Auf keinen Fall" sagen Skeptiker. "Das Auge isst mit...", und man will schliesslich sehen, was auf den Tisch kommt!

"Eine nie zuvor erlebte Gefühlserfahrung", sagen die anderen. Denn bis auf die Augen werden alle Sinnesorgane auf einmal angeregt: fühlen, hören, riechen, schmecken - man entdeckt das Essen ganz neu. Und vor allem sich selbst! Denn das, was man bisher gewöhnt war, wird hier schlichtweg über den Haufen geworfen. 

Voraussetzung bei diesem "lukullischen Wagnis" ist natürlich Vertrauen in die Institution - und in den Koch. Doch die haben wir, denn wir befinden uns im renommierten Hotel "Sheraton Grande Sukhumvit", deren Küchenchefs allesamt bekannt sind für ihren hohen Qualitätsstandard. 5 Exzellenz-Zertifikate bekam das Hotel im letzten Jahr.

Im Dunkeln läuft das kulinarische Kino im Kopf ab. Die Konzentration liegt auf dem puren Genuss der Speisen, nicht auf dekorativem Schnick-Schnack. Elegante Tischdekoration und aufwendige Fruchtschnitzereien adé, und auch das "kleine Schwarze" macht in diesem Falle keinen Eindruck. Denn wie Sie sehen, sehen Sie nichts!


GAUMENKITZEL STATT AUGENSCHMAUS

Doch gerade ohne Licht erlebte THAIZEIT eine Erleuchtung: es wird höchste Zeit, ein Abendmahl endlich wieder richtig zu zelebrieren, die einzelnen Ingredienzen wahrzunehmen, und jeden Bissen auf der Zunge zergehen zu lassen - nicht etwa aus gesundheitlichen und ernährungswissenschaftlichen Gründen, sondern um überhaupt herauszufinden, WAS man isst. Tatsächlich gehört zu dieser "Dining-Experience" unter anderem, dass man vorab nicht erfährt, welche Gerichte man im Dunkeln serviert bekommt. Die Gäste haben lediglich die Möglichkeit, ihr 4-Gänge-Menü aus vier vorgegebenen Küchenstilen auszuwählen: Asiatisch, International, Vegetarisch - oder eine Überraschung.

PROBIEREN GEHT ÜBER STUDIEREN

Ich entscheide mich für eine "internationale" Speisefolge; meine beiden Gäste für die thailändische Variante. Interessanterweise rätseln wir alle am Tisch, WAS es ist, das unserem Gaumen eine solche Freude bereitet. Schlimm genug: wir kommen nicht drauf! Ist es Kalb, was ich da zu mir nehme? So delikat, so zart, so schmackhaft? Und das "Drumherum"?

Kartoffelpürée.. ja, das erkenne ich. Herrlich zubereitet - so wie ich es aus Europa kenne. Definitiv ein Plus. Doch was macht die Soße so aromatisch, fast lieblich? Eine Frucht - klarer Fall. Ich weiss, dass ich eigentlich genau weiss, welche Obstsorte zu dieser süss-sauren Marinade verarbeitet wurde, und doch bleibt das Geschmacksrätsel (zunächst) ungelöst...was für ein Armutszeugnis!     

Sicher ist: All die aufwendigen Kompositionen, die wir in einem Gourmet-Restaurant unter normalen Umständen erst einmal genüsslich in Augenschein nehmen, und die - schon im Vorfeld des Dinners - so richtig zum Anbeissen aussehen, müssen im Dunkelrestaurant  erst einmal "entdeckt" werden. Beissen, knabbern, schlecken, knuspern...man tastet sich vorsichtig voran und testet dabei gleichzeitig seine Geschmacksnerven. Es ist übrigens kein Drama, wenn man mal daneben greift oder gar schlabbert. Denn "sehen, und gesehen werden" - das können Sie unter diesen Umständen getrost vergessen!

DIE "NACHT-WÄCHTER" SIND BLIND

Das perfekt ausgebildete Servicepersonal im "Dine in the Dark"-Restaurant ist von Geburt an blind. Nur für sie ist es möglich, die Gäste auf dem Weg in die Dunkelheit problemlos zu führen. Automatisch bekommen wir somit auch einen kleinen Einblick in die Welt all derjenigen, die täglich jenseits der Sonnenseite des Lebens leben.

Unser Guide begrüsst uns sehr herzlich in der BarSu-Lounge des Sheraton und bittet uns, die Hände auf seine Schultern zu legen, damit er uns ohne Hindernisse zu unserem Tisch geleiteten kann. Allein dieser Weg in die Finsternis ist nicht jedermanns Sache. Ich habe das Gefühl, ich stolpere gleich über (imaginäre) Stufen, und meiner Begleitung wird im wahrsten Sinne des Wortes "schwarz vor Augen", als wir uns unserem Tisch nähern. Doch kaum haben wir unsere Destination "ertastet", entspannen wir uns. Das kulinarische Abenteuer kann beginnen...

TAFELFREUDEN WERDEN ZU SINNESFREUDEN

In einwandfreiem Englisch wird uns erklärt, wo was zu finden ist: die Gabel, der Löffel, das Wasserglas. Wir tasten...! Während des gesamten Dinners steht uns unser "Night-Guide" zur Verfügung, man fühlt sich im undurchdringlichen Dunkel nicht alleine. Um uns herum Stimmengewirr, Gelächter. Wir hören...! Blinde Kellner sorgen jeden Abend für einen reibungslosen Ablauf. Es plätschert neben mir... unser Guide schenkt uns Wasser ein, ohne nur einen Tropfen zu verschütten. Und dann ist er da, der erste Gang. Mmh...köstlich. Das Essen ist so portioniert, dass man es leicht - und notfalls auch ohne Besteck - verzehren kann. Wir schmecken...! Eine Stunde lang werden wir mal wieder zu veritablen "Feinschmeckern"...

AHA-ERLEBNIS ZUM ABSCHLUSS

Behutsam werden wir nach diesem kulinarisch höchst interessanten und vor allem ungewöhnlich sinnlichen Experiment nach draussen geführt. Es werde Licht! Und dort, auf der Theke, steht all' das, was wir zuvor verspeist haben. Mit dem  Demo-Teller bekommen wir zum Abschluss des Abendessens "des Rätsels Lösung" serviert, und endlich geht auch mir ein Licht auf: das zarte Fleisch war nicht Kalb, sondern Ente; die Fruchtsosse eine Kombination aus Orangen-Dip und Apfel Chutney, die vermeintliche Vanille-Mousse zum Dessert eine Pana Cotta Crème. Auf den kleinen, aber feinen Unterschied kommt es im Endeffekt an. Gerade im Dunkeln! 

THAIZEITS FAZIT:

Bei uns jedenfalls ist der Groschen gefallen: Bei der nächsten Mahlzeit  achten wir genauer darauf, was wir essen und wie es schmeckt. Unser Respekt für Nahrungsmittel und Esskultur ist in nur einer Stunde beträchtlich gewachsen, ebenso wie die Achtung für die Glanzleistung des blinden Servicepersonals. Auch ohne Augenschmaus ist das "Dinner in the Dark" eine echte (Gaumen)Freude. Das müssen Sie einfach mal gesehen haben!      

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Von: Nathalie Gütermann

Info

INFOS

• Gesetztes Essen: 18:30 - 21:30 Uhr; Dienstag – Samstag . Sonntag und Montag Ruhetag.
• Reservation erforderlich.
• 4-Gänge-Menü nach Wahl
• Auf Wunsch vegetarisches Essen
• Dauer: ca 1 Std 30

Wo? BarSu-Lounge im Sheraton Grande Sukhumvit, 250 Sukhumvit Road · Bangkok

Reservation: Tel: 0066-(0)2-649-8358, Email: dining.sgs@luxurycollection.com

Geschlossen: 12.-15. April 2015, 1. Juni 2015, 30.-31. Juli 2015 & 27. Oktober 2015

 

DID ist ein Charity-Projekt:
5 % des Gewinns fliessen in ein Blindenprojekt

 

 
Web: sheratongrandesukhumvit.com

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