Preah Vihear Tempel, Kambodscha, thailand, konflikt, Unesco-Weltkulturerbe 01

Preah Vihear:

STEINE DES ANSTOSSES

Der Preah Vihear Tempel zwischen Thailand und Kambodscha sorgt für eine Seifenoper.

Nüchtern betrachtet geht es um ein paar uralte Gesteinsbrocken, emotional gesehen jedoch um einen wichtigen Zeugen der Ahnen aus der Hochblüte der Khmerzeit. Der rund 1.000 Jahre alte Preah Vihear Tempel stammt aus einer Ära, in der es noch keine Grenze zwischen Thailand und Kambodscha gab und sich das Khmerreich zu einem großen Teil über beide Länder erstreckte. Der Streit der nun während mehreren Monaten für Spannungen sorgte, hat aber mehr mit der heutigen Politik zu tun, als mit wirklichen historischen Fakten.

PROFIT SCHLAGEN

Es waren eindrückliche Bilder, die uns die thailändischen Medien im Juli täglich frei Haus lieferten. Soldaten standen sich zu Hunderten mit gefährlichen Waffen gegenüber und markierten Ernsthaftigkeit. Auf beiden Seiten der Grenzen ließen die Armeeführer verlauten, man würde schießen, wenn es darauf ankäme. So weit ist es glücklicherweise nicht gekommen und die Lage am Preah Vihear Tempel hat sich etwas entspannt. Die Faktenlage ist eigentlich schon seit 1962 klar: Der Preah Vihear Tempel gehört zu Kambodscha, auch wenn das in Thailand niemand so gerne hört. So steht es aber Schwarz auf Weiß in einem damaligen Beschluss des internationalen Gerichtshofes in Den Haag und so hat das auch Thailand damals offi ziell akzeptiert. Unklarheit herrscht allerdings nach wie vor über ein kleines Gebiet entlang der Grenzlinie. Ein paar Quadratkilometer Land neben dem berühmten Tempel wurden nie defi nitiv zugeordnet. Und genau diese paar Grasbüschel und Felsbrocken sind es, aus denen nun beidseits der Grenzen Politiker ihren Profit zu schlagen versuchten. Ein Streit, der in Thailand schon dem Außenminister den Kopf gekostet hat und in Kambodscha gutes Propaganda-Instrument für die vor kurzem abgehaltenen Wahlen war.

POLITISCHE SEIFENOPER

Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass wegen diesen paar Quadratmetern Land die Emotionen so hoch gingen? – Ausschlaggebend war eine Anfrage Kambodschas bei der UNESCO: Der Tempel sollte aufgenommen werden in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Was ursprünglich einmal als gemeinsamer Akt von Thailand und Kambodscha geplant war, entwickelte sich für Thailand zum Stolperstein. Denn längst nicht alle waren in Thailand einverstanden, Kambodscha ausgerechnet in dieser seit Jahren ungeklärten Sache zu unterstützen. Als dann die Regierung im Alleingang die schriftliche Einwilligung nach Phnom Penh schickte ging ein Raunen durchs Parlament. Die Opposition empörte sich und führte an, dass Entscheide von internationaler Bedeutung nicht ohne den Segen des Parlaments gefällt werden dürften. Und damit war der Zündstoff geliefert für eine Folge einer politischen Seifenoper, in der neben Köpfen eben auch Panzer rollten.

DILETTANTISCHE FEHLER

Der wirkliche Schauplatz im Nordosten Thailands war eigentlich fast schon nebensächlich. Denn plötzlich witterte die Opposition eine Gelegenheit, einmal kräftig mit den Säbeln zu rasseln und mit einem patriotischen Anliegen Sympathisanten zu ködern. So kam es, dass also die Volksallianz für ein demokratisches Thailand (PAD) plötzlich zur treibenden Kraft hinter dem ganzen Tempelstreit wurde, denn oberstes Ziel der PAD ist es seit bald einem Jahr, die jetzige Regierung von Premier Samak Sundaravej zu Fall zu bringen. Samaks Regierung hätte sich über die Verfassung hinweggesetzt und auf undemokra- tische Weise ein Stück Heimat an den Nachbarn Kambodscha verscherbelt, polterten die PAD-Leute und hatten sofort reihenweise Nationalisten hinter sich geschart. Außenminister Noppadon Pattama reiste zwar selber in letzter Sekunde zur UNESCO um noch zu verhindern, dass der Tempel nun als kambodschanisches Kulturgut auf die Liste gesetzt wird. Doch es war vergebens: Das UNESCOGremium in Quebec hatte kein Gehör für den Stoff aus der thailändischen Polit-Soap und setzte Praeah Vihear auf die Liste des Weltkulturerbes. In der Folge musste Thailands Außenminister, kaum war er wieder zurück von seiner Reise, seinen Hut nehmen. Denn er wurde zu einem großen Teil für das beinahe schon dilettantische Vorgehen seiner Regierung verantwortlich gemacht und gilt nun als Verräter und Ausverkäufer der Heimat.

FORTSETZUNG FOLGT

Das nächste Kapitel in der Seifenoper um diesen Tempel dürfte auch bald geschrieben werden. Denn die Lage dieser historischen Gemäuer ist alles andere als günstig, um sie touristisch gut zu erschließen, zumindest nicht von Kambodscha aus. Der Preah Vihear Tempel thront auf einem Felsen hoch über einer Ebene und ist eigentlich nur von thailändischem Territorium her vernünftig zu erreichen. Was unter anderem ein Argument war von Seiten Thailands, warum der Tempel denn eher zu Thailand als zu Kambodscha gehöre, wird nun, wenn es um eine bessere touristische Erschließung des Weltkulturerbes geht, noch einmal zur Krux. Die Kambodschaner werden sich kaum damit einverstanden erklären, dass künftige Touristenströme alle durch Thailand anreisen und da ihr Geld für Unterkunft und Essen liegen lassen. Doch auf kambodschanischer Seite fehlt es im Moment noch an jeglicher Form von Infrastruktur und der Tempel wäre allerhöchstens über eine Seilbahn zu erreichen. Doch dies müsste erst einmal gebaut und von der UNESCO genehmigt werden. Das Casting für die nächste Staffel der Tempel-Seifenoper darf also beginnen.

Von: Pascal Nufer Fotos: UNESCO

Info

WEITERE GRENZTEMPEL

 

Neben dem bekannten Preah Vihear Tempel gibt es noch ein paar weitere Khmertempel an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha, weitgehend ignoriert von internationalen Touristen doch nicht minder sehenswert:

 

HIN KHAO PHANOM RUNG

 

Auch ohne sein astronomisches Sonnenschauspiel im April ist dieser Sandsteintempel bei Surin schon für die spektakuläre Anreise einen Besuch wert.

 

 

 

PRASAT SADOKKOKTHOM

 

Gut erhalten und nur 400 Meter vor der Grenze nahe Aranyaprathet liegt dieser im 11. Jahrhundert erbaute Tempel aus rosafarbenem Sandstein.

 

PRASAT KHAO NOI / PRASAT KHAO LON

 

Jeweils auf einem Hügel gelegene Tempel um Sa Keao, die bis auf einen Turm und eine Teichsystem weitestgehend zerstört wurden.

 

Achtung! Wie für Preah Vihear gilt auch für alle anderen Tempel Minengefahr: Keinesfalls abseits der vorhandenen Wege wandern!

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