Schwarz auf Weiss:

Die "dunkle" Seite von Chiang Rai

Jede Madaille, so sagt man, hat zwei Seiten. Was soviel bedeutet wie: man sollte eine Sache nicht nur unter einem einzigen Aspekt betrachten. Wie nahe Gegensätze beieinander liegen, kann man wunderbar in Chiang Rai beobachten. Wer den "Weißen Tempel" gesehen hat, sollte auch das "Schwarze Haus" besuchen.

Wohlgemerkt: die beiden Bauwerke, von denen hier die Rede ist, sind nicht mit Gut und Böse zu vergleichen. Auch nicht mit Yin und Yang, was in der chinesischen Philosophie - zumindest ganz grob gesagt - gleichgesetzt wird mit dem Weiblichen und dem Männlichen.

Allerdings kann man in Chiang Rai, auch bekannt als "die thailändische Schweiz", das Prinzip der Extreme sehr gut nachvollziehen, wenn man von der schneeweissen Touristenattraktion Wat Rong Khun im Süden zum schwarzen Gegenstück im Norden fährt, wo kaum etwas los ist.

Das "Schwarze Haus" (auch "Black Temple") liegt rund 15 Fahrminuten von der Stadt entfernt und ist schwierig zu finden, denn der Weg ist kaum beschildert. Zwar ist die Anlage in keinster Weise mit dem weltberühmten "Weißen Tempel" zu vergleichen. Doch erlebt "Baan Dam" derzeit einen "Boom", seit der Künstler verstarb.

Nachruf: Thawan Duchanee

Er war als Surrealist berühmt - auch in Europa. Sein Markenzeichen war der lange, weisse Bart. Tahwan Duchanee modernisierte mit seinen Motiven die traditionelle thailändische Kunst und wurde - trotz einiger Kontroversen - im Jahr 2001 in Thailand zum "Künstler des Jahres" gekürt. Das Museum für zeitgenössische Kunst in Bangkok widmet Thawan aktuell vier Ausstellungsräume.

"Häufig wurde auf seine Nähe zu den europäischen Avantgarden der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwiesen", schreibt DER SPIEGEL. "Oft spielte er mit Buddha-Motiven oder nahm Anleihen in der Welt der Tiere und Dämonen...".

Thawan war ein ehemaliger Schüler vom Erbauer des Weissen Tempels. Mit den Weisheiten des Buddha hat der "Black Temple" in Chiang Rai allerdings rein gar nichts zu tun, ebenso wenig wie das "Schwarze Haus" ein Tempel ist.

Neues Besuchermagnet

Vielmehr war das Anwesen seine Werkstätte, sein 'open-air'-Museum. Hier sind bis heute seine "dunklen Schätze" ausgestellt, darunter Antiquitäten, Skulpturen, Bilder und allerlei mystische Gegenstände. Das Thema "Erleuchtung" oder "ewiges Leben" spielte keine Rolle für ihn. Alles dreht sich um die unterschiedlichen Facetten des Todes.

Nun hat der Künstler selbst den Heimgang angetreten. Medienberichten zufolge starb Thawan am 3. September 2014 im Alter von 74 Jahren an einem Nierenleiden. Seither pilgern hauptsächlich Einheimische an diesen "heiligen Ort", um dem Künstler die letzte Ehre zu erweisen.

Ein Unterschied wie Tag & Nacht

Doch auch für viele THAIZEIT-LESER, die Chiang Rai kennen, ist diese Sehenswürdigkeit - zusätzlich zum Weissen Tempel (der nach einem Erdbeben wiederr repariert wurde!) - ein "must-see" in der Gegend.

Geheimnisvoll geht es hier zu, wenn man zwischen den rund 40 Monumenten umher bummelt, die allesamt in tiefschwarzem Holz errichtet wurden. Im Garten steht ein pechschwarzes Gebilde im U-Boot-Stil, und überall finden sich tierische Artefakte, Bärenfelle, Häute aller Art, Totenköpfe von Büffeln und ausgestopfte Reptilien! Auch ein riesiges Elefantenskelett ist ausgestellt sowie Möbel, die aus Tierknochen produziert wurden.

Freunde der Tierwelt seien also gewarnt! Doch wer hierher kommt sollte wissen, dass diese spezielle Ausstellung ein Teil des Gesamtkunstwerks ist, das die "Vergänglichkeit des diesseitigen Lebens" auf ziemlich spezielle Weise symbolisiert.

Hier das schwarze Haus, dort der weiße Tempel.  Und beide im goldenen Dreieck! Wir finden: grösser könnte der Kontrast nicht sein - auf so einem kleinen Fleckchen Erde...

>>> Bildergalerie: "Schwarzes Haus"

Von: Nathalie Gütermann; Fotos: cc/Photo Darma; J.Schüttler

Info

"Black House" / "Black Temple" & Bandaam Museum.

 

Der Eintritt ist frei.

 

Adresse: 414 Moo 13 Nanglae, Muang, Chiang Rai. Wegbeschreibung: Das sogenannte "Schwarze Haus" liegt etwa 10 km nördlich der Stadt. Machen Sie sich auf eine schwierige Anfahrt gefasst: Fahren Sie auf dem Highway 1 an der Chiang Rai Universität vorbei. In der Soi 13 links abbiegen (die erste Straße links nach dem blauen Schild mit der Aufschrift "Nationaler Künstler Mr. Thawan Duchanee"); nach rund 500 Metern geht es wiederum links ab in einen schmalen Weg (die letzte Soi vor der Linkskurve / Strassengabelung, wo ein rot-weiß lackiert Reifen auf der Straße liegt). Nach weiteren 350 Metern finden Sie Ihr Ziel. 

Web des Künstlers: Thawan-Duchanee.com

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