Jens Maspfuhl

Thailand-Reisen für behinderte Menschen:

"Versucht es!"

Im Rollstuhl nach Thailand? Warum nicht, sagen Guido Prinz und Jens Maspfuhl, die in Koh Samui und Pattaya wohnen. Beide leben selbst mit einer Behinderung und geben ihre Erfahrungen weiter. THAIZEIT stellt die beiden vor.

Jens Maspfuhl kam 2003 das erste Mal nach Thailand. Am sechsten Tag seiner Urlaubsreise wurde er in Pattaya von einem Auto überfahren. Er brach sich das Genick und ist seitdem querschnittsgelähmt. "Der Urlaub war fantastisch, nur das mit dem Unfall ist eben ein bisschen dumm gelaufen", sagt er. So redet einer, der sich vom Leben nicht so leicht unterkriegen lässt. Maspfuhl sitzt im Rollstuhl, er ist auf fremde Hilfe angewiesen – aber seine Grenzen setzt er sich immer noch selbst.

Der Frankfurter, früher Musikproduzent und Clubbesitzer, hat die Reiseagentur Handicap-Holiday gegründet. Er vermittelt Hotels mit Barrierefreiheit, kennt Restaurants mit Behindertenzugang und –toiletten und gibt Tipps für die medizinische Versorgung und Betreuung vor Ort. Als Reiseziele bietet er momentan neben Pattaya, wo er die Hälfte des Jahres lebt, auch Khao Lak und Hua Hin an.

"Es hat sich viel getan"

"Thailand ist sehr aktiv darin, bessere Reisebedingungen für Rollstuhlfahrer zu schaffen", sagt er. Er stelle fest, dass immer mehr Hotels Rampen haben und Zimmer für Rollstuhlfahrer anbieten. "Es hat sich viel getan", findet Maspfuhl, "die Tourismusbehörde scheint Menschen mit Behinderung als Zielgruppe entdeckt zu haben."

Was den Umgang mit behinderten Menschen angeht, hat Jens Maspfuhl viel Positives über die Thais zu sagen. "Hier herrscht ein hohes soziales Empfinden und eine ausgeprägte Pflegekultur", sagt er. Die Menschen hätten viel wenig Berührungsängste als in Deutschland. "Die Leute wissen meist, wie sie uns anzupacken haben und interessieren sich für unsere Geschichte." Und schließlich sei Thailand "das Land der Dienstleistungen": "Eine kleine Zuwendung von 20 Baht reicht oft schon, um einen aufmerksamen Service geboten zu bekommen."

"Hier ist man mitten im Leben"

Maspfuhl hat es in Thailand schon zu einiger Bekanntheit gebracht – dank seines Engagements als Förderer von thailändischen Behindertenschulen und seiner Karriere als Golfer. Nach dem verhängnisvollen Unfall, der auf dem Weg zu einem Golfplatz geschah, wollte er nämlich nicht auf sein Hobby verzichten. Fortan rollte er in einer Spezialmaschine über die Fairways. Die Treffsicherheit hatte er sich bewahrt: Mittlerweile ist Maspfuhl vierfacher Deutscher Meister im Behindertengolf. In Thailand verbringt er mittlerweile die Hälfte des Jahres: "Hier ist man mitten im Leben", sagt Jens Maspfuhl.

Das kann auch Guido Prinz bestätigen. Der 47-Jährige lebt seit einiger Zeit auf Koh Samui. Wie bei Maspfuhl erlitt auch er einen Unfall im Jahr 2003. Nach einem schweren Crash auf der Autobahn wollten ihm die Ärzte ein Bein amputieren. Prinz entwischte ihnen sprichwörtlich unterm Messer. "Ich habe den Ärzten einfach nicht vertraut", sagt er. Nach einigen Jahren im Rollstuhl kann er sich heute mit einem Stock zu Fuß fortbewegen.

Flucht vor der Einsamkeit im Winter

Prinz ist ein Rheinländer aus dem Bilderbuch. "Das Schlimmste war für mich die Einsamkeit im Winter", sagt er, "da saß ich nur zu Hause rum und konnte nicht raus gehen. Aber ich muss doch unter Leute!" Von seinem ersten Trip nach Thailand hatte er niemandem erzählt: "In meinem Zustand hätten mich sowieso alle davon abbringen wollen." Der "Ausbruch" gefiel ihm so gut, dass er nun nach Samui gezogen ist.  

Hier hat er es sich zur Aufgabe gemacht, andere Menschen mit Behinderungen bei ihrer Reise zu beraten. Auf Wunsch bucht er die Unterkunft und kümmert sich um die Hilfe vor Ort. "Ich führe eine genaue Check-Liste bei jeder Anfrage", sagt er. Anhand der Informationen trifft er Vorbereitungen; er organisiert eine Betreuerin oder Krankenschwester, klärt ab, ob Medikamente und medizinische Geräte vorhanden sind und gibt Tipps, worauf  bei der Reise zu achten ist. "Ich habe keine Reiseagentur", hält er fest, "aber ich kann alles Notwendige vermitteln".

Mit den Menschen in Thailand hat er die gleichen Erfahrungen gemacht wie Jens Maspfuhl: "Hier herrscht eine sehr große Hilfsbereitschaft gegenüber Behinderten." Als jemand, der selbst von einem Handicap betroffen ist, möchte er anderen Mut machen. "Ich erlebe oft, dass es viele Zweifel daran gibt, mit einer Behinderung weite Reisen anzutreten", sagt Guido Prinz. "Aber ich kann nur jedem empfehlen: Versucht es einfach!"

Von: Christoph Stockburger Fotos: Christoph Stockburger, Jens Maspfuhl, Guido Prinz

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