Gefahr im Dschungel:

Vorsicht vor “Zipline”-Fahrten!

Vor 2 Tagen kam ein Kanadier bei einer Drahtseilfahrt im Urwald durch ungesichertes Material ums Leben. Was als ultimativer Spaß beworben wird, kann schnell zum Albtraum werden. Thaizeit warnt Urlauber vor den "Adrenalin-Stunts"...

Chiang Mai, 16. April 2019

Und wieder ist das Drama passiert: beim bekannten "Flight of the Gibbon"-Abenteuer in Mae Kampong (Chiang Mai) ist am 14. April 2019 ein 25-jähriger Mann aus Kanada 50 Meter in die Tiefe gestürzt. Sein Sicherheitsgurt riss. Noch am Unfallort wurde er für tot erklärt und das "Zipline Adventure" wurde bis auf Weiteres geschlossen.

Dies ist nicht der erst Vorfall dieser Art...!!

Unfälle häufen sich...

Mehr als zwei Dutzend "Adventure und Zipline-Parks" gibt es in Thailand und versprechen die unvergesslichsten Erlebnisse für Aktive.

Am 29. Juni 2015 ermittelte die Polizei erstmals gegen den Betreiber "Skyline Adventure", ebenfalls eine Zipline-Attraktion in Chiang Mai, nachdem auch dort ein 44-jähriger asiatischer Tourist tödlich verunglückte. Das Sicherheitsschloss am Gurt hatte sich geöffnet und er fiel 12 Meter tief in eine Schlucht.

Zwei Wochen später kam es zu einem ernsten Zwischenfall bei einem ähnlichen Unternehmen in Mae Kam Pong. Dabei wurden eine chinesische und eine amerikanische Frau bei einer Frontalkollision schwer verletzt.

Im Herbst 2015 wieder ein dramatischer Unfall! Diesmal musste sich der mit dem "Certificate of Excellence" ausgezeichnete Anbieter "Flying Squirrels"-Park - ebenfalls in Chiang Mai -, für den Tod der Chinesin Wang Qi verantworten, die am 16.10.2015 in die Tiefe stürzte und starb.

Im Jahr 2016 wurden ein chinesischer Tourist beim Benutzen der gleichen Flying Squirrel Zipline sowie 3 israelische Touristen nach einem Sturz schwer verletzt.

"Fun Factor" auf eigene Gefahr!

Längst gehört die Urwald-Bespaßung zum Freizeitangebot Nummer 1 im thailändischen Königreich. Nicht jeder mag stundenlang am Strand in der Sonne braten; da sind Jeep-Safaris, Touren zu Wasserfällen und Nervenkitzel auf den (über den Baumwipfeln gespannten) Hochseilen höchst willkommen.

Fakt ist: Viele der thailändischen Abenteuerparks unterliegen keinerlei Beschränkungen und werden kaum kontrolliert. Einige haben noch nicht einmal eine offizielle Lizenz der Behörden, von Haftpflicht-Versicherung ganz zu schweigen. Material, Geräte und Mitarbeiter entsprechen in der Regel nicht den internationalen Standards.

Kurz nach den Unfällen vor 4 Jahren hatte Duangkamol Chansuriyawong (Präsident der Thai Eco Tourism and Adventure Travel Association) in Kooperation mit dem thailändischen Fremdenverkersamt TAT und dem Ministerium für Sport die Betreiber von Abenteuerparks aufgefordert, die Sicherheitsvorkehrungen für Besucher zu erhöhen und regelmäßige, strikte Kontrollen durchzuführen. 

Nichts ist geschehen!

Immerhin sind die Eintrittspreise ebenfalls in schwindelnder Höhe angesiedelt: je nach Programm muss man zwischen 1500 und 4000 Baht hinblättern. Das Geld sollte, so Duangkomol, unbedingt auch in die Wartung der Geräte und in den Personenschutz investiert werden.

Kanadier war zu schwer

Das jedenfalls wird laut "Thai Visa" und "Thai PBS" von Augenzeugen behauptet. Die Gewichtsgrenze für alle Benutzer der Zipline beträgt 125 Kilogramm, der junge Mann soll allerdings zwischen 180 und 200 Kilogramm gewogen haben. Er war mit seiner Frau unterwegs, die jedoch nicht an dem Abenteuer teilnahm.

Nach Angaben der Polizei lösten sich die Sicherheitsschlösser bereits kurz nach dem Start, und anstatt den üblichen 8 Gurten hatte er offenbar nur 3 Gurte angelegt. Diese konnten das Gewicht des Kanadiers nicht halten. Der Zipline-Betreiber wurde nun wegen grober Fahrlässigkeit mit Todesfolge angeklagt und der Park geschlossen, wurde Polizei Leutnant Col. Thanandorn Withayawuthikun zitiert, der den Fall untersucht.

Wang Qi bis heute betrauert

Die Chinesin hatte 2015 einen riesigen Spaß, als sie per Zipline über den Dschungel von Chiang Mai von Plattform zu Plattform raste, die in den Baumkronen befestigt sind. Dies bestätigten Angehörige und zeigten der Presse gar Schnappschüsse, die kurz zuvor von "Flying Squirrels" geschossen worden waren. Eigentlich wollte sie noch alle anderen Attraktionen der Parks ausprobieren - siehe Bildergalerie! 

Was dann geschah, blieb zunächst mysteriös. Obwohl das Team von "Flying Squirrels" ausgebildet ist, um sofort Erste Hilfe zu leisten (Foto links bei einem Training), half dies in diesem Falle nichts!

Zunächst hieß es, die junge Frau hätte während der rasanten Fahrt einen "Herzinfarkt" erlitten.

Später stellte die Polizei fest: Wang Qi starb an einem gebrochenen Hals.

Auch gegen diesen Anbieter wurde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, doch bis heute wird das Abenteuer auf einer eigenen Webseite und auf den sozialen Medien beworben... sehr zum Leidwesen von Wang Qis Familie, die noch immer mit der Firma im Gerichtsstreit liegt.

Seinerzeit betonte Montri Piyakul, damaliger Leiter der Chiang Mai Tourismus gegenüber Medien: "Es gibt keine Sicherheitsnetze, keine allgemeine Norm für Ziplines und auch keine spezifischen Sicherheitsanforderungen für Seilrutschen oder deren Konstruktion. Daher müssen sich die Betreiber vorerst auf die bestehende Technik verlassen. Und Touristen zippen auf eigene Gefahr!"

Was für eine Aussage! Liebe Leser - unser Fazit ist: Finger weg von "Drahtseil-Akten" jeglicher Art! (NG)

Bildergalerie:> Das erlebt man im Zipline-Park
Wir empfehlen, vorerst darauf zu verzichten...!

Info

In diesen Abenteurparks von Chiang Mai sind die Unfälle passiert:

Flight of the Gibbon
Flying Squirrels
Skyline Adventures

Alle Anbieter bewerben die Fahrten weiterhin auf ihren Webseiten und Sozialen Netzwerken.

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