Gebrauchte Originale in Bangkok:

Rolex zum Schnäppchenpreis

Ein Geschäft in Bangkok hat sich auf gebrauchte Luxusuhren spezialisiert.


Es ist ein klassisches Bangkok-Klischee: Touristen, tagsüber auf Tempeltour, kaufen nachts gefälschte Markenuhren im Amüsierbezirk Patpong. Das Geschäft läuft gut, nachgemachte Luxusuhren sind nach wie vor gefragt. Neben Billigkopien werden auch gut gemachte Replica für unter 100 Euro verhökert.
Weniger bekannt ist die Tatsache, dass in Bangkok ein lebhafter Handel mit gebrauchten Luxusuhren herrscht. In einigen Bereichen des Chatuchak-Wochenendmarktes werden sie verkauft, darüber hinaus in wenigen ausgesuchten Leihhäusern. Außerdem gibt es hier einige Online-Shops, die sich auf das Thema spezialisiert haben.

Streng bewachte Schmuckstücke


Thailands ältestes Geschäft für Luxusuhren aus Vorbesitz heißt Leng Narikaa (Narikaa bedeutet „Uhr“ auf Thai) und muss den Vergleich mit seinen Pendants in Deutschland, England oder den Vereinigten Staaten nicht scheuen. Es befindet sich in einem zweistöckigen Gebäude, nahe der Rucksack-Touristen-Gegend um die Khao San Road, im Bezirk Banglampoo.
Leng Narikaa bietet Uhren aus dem Luxus-Segment, mit Marken wie Audemars Piquet, Brequet 1775, Breitling, Cartier, Chopard, IWC, Longines, Omega, Patek Phillipe, Panerai, TAG Heuer, und natürlich allen voran Rolex. Dabei sind die meisten Stücke für weniger als die Hälfte des ursprünglichen Kaufpreises zu haben.
„Viele Thais kaufen Uhren wie Rolex aus zweiter Hand, da das viel billiger ist“, sagt Kasemsit Pathomsak, thai-chinesischer Immobilien- und Hotelbesitzer. „Andere wiederum kaufen Sie als Geldanlage. Luxusuhren, insbesondere Sondereditionen und aufwändige Modelle, steigen im Wert“.
Die „Leng Watch Group“ (LWG), ein thai-chinesisches Familienunternehmen, wurde 1976 von Sittichai Leng gegründet. Ihr Leng Narikaa Showroom, mit seiner kleinen angeschlossenen Werkstatt, wirkt sehr luxuriös, ausgestattet mit eleganten Teakholz-Böden und hellem Interieur.
Fast ist es, als betrete man eine kleine goldene Schatzkammer. Nur Stille und edle Metalle: Weiß, Pink, Rosa, Goldgelb, Titan und poliertes Edelstahl. Glitzernde Edelsteine und Diamanten funkeln in schweren Vitrinen. Verkaufsdisplays, Lage um Lage gefüllt, mit blitzenden, gebrauchten Rolex-Armbanduhren. Die Sicherheit wird gewährleistet von durchtrainierten, ernst dreinblickenden Wachleuten  in militärisch schwarz-gefärbtem Drillich. Überwachungskameras überblicken das gesamte Areal.

Die Rolex – der Klassiker

Also beste Voraussetzungen für einen „gemütlichen” Einkauf. Wenn Sie sich für das goldene Zeitalter schweizerischer Uhrmacherkunst und Zeitmessung interessieren, versuchen Sie doch eine Audemars Piquet.  Die Firma wurde 1875 von den Schweizer Ingenieuren Jean Louis Audemars und Edward August Piquet gegründet. Uhrenliebhaber nennen sie nur kurz „AP“.  Die Marke ist bekannt für ihre berühmten Automatikwerke, Chronographen und limitierte Editionen. Die Preise beginnen bei 600.000 Baht. „Unsere Verkaufsschlager sind nach wie vor goldene, zweifarbige oder halbgoldene Modelle der Firma Rolex“, sagt Namkaang, Leng Narikaas Shop-Manager. „Asiaten mögen nach wie vor Rolex – Rolex und Mercedes Benz“, fügt er lächelnd hinzu. Rolex-Uhren machen 80 Prozent der angebotenen Ware aus. Den Rest teilen sich Luxusuhren wie die klassisch-quadratische Cartier Tank aus dem Jahre 1917, die legendäre Omega Speedmaster oder die übergroße Panerai Luminor. Aber auch eine TAG Heuer Carrera, ein IWC Fliegerchronograph aus dem 2. Weltkrieg, oder eine klassische Rolex Submariner, finden sich unter den ausgestellten Raritäten. Dabei sind viele von Leng Narikaas Uhren „so gut wie neu“, Namkaan zeigt uns eine Rolex Steel Oyster Datejust für 91.000 Baht, inklusive 12 monatiger Garantie. Und für den Fall, dass Sie Ihre Steel Oyster in eine Oyster Datejust aus reinem Gold eintauschen möchten, wird Leng Ihre Edelstahl Rolex für 90 Prozent des Verkaufspreises in Zahlung nehmen und für eine kleine Zuzahlung von 220.000 Baht werden Sie Eigentümer Ihrer neuen Traumuhr. Der nächste Schritt wäre dann eine diamantenbesetzte Version aus reinem Gold für eine Schlappe halbe Million Baht, überaus beliebt übrigens bei chinesischen Nachtklubbesitzern.

Kundschaft aus Hollywood

Die Geschäfte scheinen gut zu laufen. Vor ein paar Jahren hat Leng eine neue Hauptniederlassung eröffnet, direkt an der Petchaburi Road, direkt neben dem, bei Computer-Fans berühmten Pantip-Plaza Elektronikkaufhaus. Diese elegante Filiale des kleinen Uhrenimperiums kann es endgültig mit den teuren Flagship-Stores der großen Uhrenmarken im Emporium oder Siam Paragon aufnehmen. Lengs Fangemeinde, unter nationalen und internationalen Stars wächst. Gerüchteweise hat sogar der bekennende Uhrenfan und Sammler Nicholas Cage, während der Dreharbeiten zu Bangkok Dangerous, in Bangkok bei Leng eine antike Vacheron Constantin Tourbillion erstanden. Thai-Soap Stars, wie „Marsha“ Wattanapanich und „Sam“ Yurarnan Pamornmontri, sind angeblich regelmäßige Rolex-Stammkunden. Und obwohl bei Leng nur Originaluhren und keine „Fakes“ zu bekommen sind, gilt hier, was sich auch auf der Straße bewährt hat: „Wir akzeptieren keine Kreditkarten, nur Bargeld oder Inzahlungnahmen“, sagt Namkaang zum Abschluss unseres Besuches.

Johannes Lindgren

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