Neue Integrationsfigur der Lufthansa:

Herr Grossmann übernimmt Chefposten in Thailand

THAIZEIT im Gespräch mit Dirk Grossmann, dem neuen Verantwortlichen für den Lufthansa-Vertrieb in Thailand.


Herr Grossmann, Sie übernehmen den Lufthansa-Chefposten in Thailand von Christopher Zimmer. Wird es jetzt eine strategische Neuausrichtung bei der Lufthansa in Thailand geben?
Nein, keine Neuausrichtung. Wir entwickeln die gegenwärtige Strategie jedoch weiter, getreu dem Motto „Evolution statt Revolution“. Dazu zählt auch eine stärkere Integration der Konzern-Töchter. Hier bringe ich Erfahrung von meiner letzten Position in Bruessel mit. Dort haben wir den Lufthansa-Vertrieb mit Swiss und Austrian Airlines (AUA ) verschmolzen und gute Erfahrungen gemacht. Diese Erfahrung will ich auch hier einbringen, um die Integration in Thailand weiter voranzubringen. Es ist schon einiges erreicht: Die Buchhaltung ist zusammengeführt, Marketing und Vertrieb stimmen sich eng miteinander ab und treten bereits gemeinsam auf – zum Beispiel zur thailändischen Tourismusmesse. Es gibt aber noch viel zu tun, gerade im Geschäftskundenbereich. Unser Ziel ist es, dass unsere Fluggäste von den Synergien so stark wie möglich profitieren. So werden wir Tarife und Flugpläne noch besser abstimmen und es wird für unsere Geschäftskunden nur noch einen Ansprechpartner innerhalb der Lufthansa Gruppe geben.
Welche Vorteile entstehen denn für den durchschnittlichen Flugreisenden?
Da wir die drei Hubs der Gruppe, Frankfurt, Zürich und Wien, täglich von Bangkok aus anfliegen, sind auch Kombinationen möglich, zum Beispiel Hinflug von Bangkok über Frankfurt mit der Lufthansa und Rückflug über Wien nach Bangkok mit der AUA – immer direkt und innerhalb einer Buchung. Und natuerlich ist Miles & More auf alle Produkte anwendbar. Zusätzlich bietet unsere lange und sehr gute Kooperation mit Thai Airways unseren Kunden die Möglichkeit, täglich direkt von Bangkok nach München zu fliegen. Damit ist Muenchen unser vierter Hub und eine ideale Ergänzung. Aber auch hier arbeiten wir noch an Verbesserungen, zum Beispiel an abgestimmten Rabattsystemen zwischen Lufthansa und Thai Airways. Eine meiner weiteren Aufgaben ist der Ausbau der Regionalstruktur. Viele unserer Kunden sind nicht nur in Bangkok, sondern auch in anderen Städten Südostasiens tätig. Unsere Tarife sind hier frei kombinierbar. Ein Fluggast kann zum Beispiel mit dem kürzlich eingeführten A380 von Frankfurt nach Singapur reisen, regional weiterfliegen und von Bangkok aus zurück.
A380 war mein Stichwort. Kommt der Riesenflieger auch nach Bangkok?
Wie gesagt: Nach Singapur fliegt der A380 ja schon und wird auch von unseren hiesigen Kunden genutzt, die eine Reise mit einem Singapur stoppover verbinden. Und auch die neue 747-8 kommt noch in diesem Jahr. Wir haben aber u?ber neue Flottenzugänge viele weitere Innovationen für unsere Kunden parat: Unsere neue First Class fliegt bereits – auch nach Bangkok. Die neue Business Class wird mit der 747-8 noch im Sommerflugplan eingeführt und auch unser Breitband-Internet an Bord, FlyNet, kommt noch in diesem Jahr nach Asien. Darüber hinaus freuen wir uns über die Eröffnung des neuen A-Plus-Terminalbereiches bei Lufthansa in Frankfurt, die die Engpässe dort am Boden beseitigt. Mit dem neuen Terminalbereich und der neuen Runway steigt die Verbindungsqualität. Verspätungen durch Engpässe bei der Infrastruktur in Frankfurt gehören der Vergangenheit an.
Wie ist denn die Buchungssituation der Lufthansa derzeit?
Unsere Flugzeuge sind sehr gut gefüllt. Natürlich hatte ich einerseits das Glück, zur Hochsaison anzufangen, aber andererseits hieß es noch, mit den Folgen der unglückseligen Überschwemmungen zu kämpfen. Wir waren einerseits sehr betroffen von den schweren Auswirkungen der Flutkatastrophe – auch unsere 800 lokalen Lufthansa-Kolleginnen und Kollegen waren zum Teil erheblich persönlich betroffen. Andererseits ist es bemerkenswert, mit welcher Stärke die Menschen hier diese Situation angenommen und gemeistert haben. Angesichts der menschlichen Schicksale steht da die konkrete Buchungslage erstmal hinten an. Trotz der Katastrophe sind die Passagiere zum großen Teil dennoch gereist. Der Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi war nie beeinträchtigt und immer offen. Und wenn einzelne Flüge aus Bangkok aufgrund der großen Nachfrage tatsächlich mal nicht mehr verfügbar sind, dann haben wir ja auch noch Alternativen im Markt, zum Beispiel der Flug mit der A380 über Singapur.

Und worauf können sich regelmäßige Passagiere sonst noch freuen? Es gibt Gerüchte über eine neue Business Class ... Lufthansa führt momentan eine neue First Class ein, die im A380 bereits vollständig installiert ist und nun auch in unsere anderen Langstreckenflugzeuge eingabaut wird. In unserer B747, die wir ja täglich hier in Bangkok haben, haben wir den individuellen Platz in der First Class für jeden einzelnen Passagier verdoppelt. Das erlaubt uns, jedem Passagier gleichzeitig einen Sessel und ein vorbereitetes Bett anzubieten. Sie haben recht: Auch die Business Class wird bald umgerüstet und erhält neben vielen anderen Neuerungen und Verbesserungen das Full-Flat-Bed. Sie sind erst wenige Wochen in Bangkok, dennoch interessiert es unsere Leser sicher, wie Sie sich in Thailand zurechtfinden. Vor allem habe ich bisher gute Erfahrung im Umgang mit Thailändern gemacht. Ob privat, zum Beispiel beim Anmieten unseres Hauses, oder beruflich im Tagesgeschäft mit Kunden. Ich werde überall offen und freundlich empfangen. Aber die kulturellen Unterschiede sind natürlich groß und ich brauche sicher noch etwas Zeit, um wirklich in der thailändischen Gesellschaft anzukommen. Was ich schon gelernt habe ist, dass es einen Markt für hochwertige europäische Produkte gibt; das sieht man schon an den vielen Autohäusern für Luxusmarken. Ist es anders, Lufthansa in Thailand zu führen als in einem anderen Land? Jeder Markt ist unterschiedlich und wir passen uns entsprechend an. Zum Beispiel setzen wir thailändische Flugbegleiterinnen ein, um den thailändischen Faktor auf unseren Flügen zu unterstreichen. Wir möchten mit unseren Flügen nach Thailand auch ein Stück Thai-Kultur vermitteln. Wir haben auch bereits einen guten Anteil thailändischer Passagiere an Bord, diesen möchte ich aber noch weiter erhöhen. Seit 1. März gibt es außerdem ein neues „Star Chef Menü“ mit thailändischen Gerichten in der Business- und First Class, das vom exklusiven St.-Regis Hotel in Bangkok eigens für Lufthansa kreiert und zubereitet wird. Wie schätzen Sie die Entwicklung des Marktes in Thailand ein? Lufthansa bietet vom Touristen Gruppenticket bis zum Private Jet die gesamte Bandbreite der Serviceklassen an. Ich bin überzeugt, dass es dort noch unerschlossene Potenziale für uns in Thailand gibt. Zum Beispiel für Geschäftsleute oder Luxusreisende, die mit unserer Business- oder First Class eines unserer Hubs anfliegen und dann mit einem Private Jet zum Bestimmungsort weiterfliegen. Von A bis Z in Lufthansa-Qualität, Meilen inclusive. Das bietet keine andere Airline. Aber wir haben auch spezielle Angebote für Studenten und streben Kooperationen mit Universitäten an. Außerdem warten die neuen Märkte in Myanmar, Kambodscha und Laos darauf, bearbeitet zu werden. Und was in Thailand sehr wichtig wird, ist der Online-Markt. Immer mehr Thailänder nutzen das Internet und ihre Smartphones, um sich auch über Flugreisen zu informieren. Aber nicht nur Informationen. Auch Buchungen, Umbuchungen, Services, Web-Check-in, Check-in mit dem Smartphone als Ersatz für den Boarding-Pass – hier sehe ich große Zuwachsraten. Besonders interessant ist die neue Technologie für Unternehmen: So erlauben individuelle Voreinstellungen im System einen hohen Grad an Automatismus, was Buchungen einfacher, schneller und bequemer macht. Die gesamte Abwicklung von der Buchung bis zur Rechnung passt sich den Vorgaben an und läuft automatisch. Unsere Leser würden gern auch noch etwas über den Privatmann erfahren. Wo kommen Sie her? Ich bin 47 Jahre alt und wurde in Stavenhagen im Mecklenburg-Vorpommern geboren, bin aber in Berlin groß geworden – genauer gesagt in Südberlin. Nach dem Abitur habe ich zuerst Luftverkehrskaufmann bei der Interflug gelernt, musste dann zum Militär und habe 1987 das Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt „Ziviler Luftverkehr“ an der Verkehrshochschule Dresden begonnen. Das Studium dauerte bis 1992, es ist also viel passiert währenddessen: Erst Grundstudium im Sozialismus, dann war alles neu. Meine Diplomarbeit hatte ich bereits für Lufthansa angefertigt, sie behandelt ein luftverkehrsrechtliches Thema. Bei der Lufthansa bin ich dann auch geblieben: Erst Trainee, im Anschluss gleich nach Usbekistan, wo wir eine Station eröffneten. Ich bin dann viel in Osteuropa eingesetzt gewesen, häufig waren es Stationseröffnungen. Und eines Tages habe ich dann die Leitung des Verkaufs und der Airportgeschäfte in Samara, Russland übernommen, wo ich 1997 meine Frau kennengelernt habe. Dann ging es als Länderrepräsentant für Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan nach Almaty. 2006 wurde ich in Brüssel Repräsentant für Belgien und Luxemburg, 2007 wurde unsere Tochter geboren. Und seit dem 1. November bin ich verantwortlich für Sales in Thailand, Laos, Myanmar und Kambodscha und in Bangkok stationiert. Gibt es etwas, das Sie an Bangkok stört? Der Verkehr. Sehr zeitaufwändig. Ich muß mich erst daran gewöhnen soviel zusätzliche Zeit einzuplanen, nur um von „A“ nach „B“ zu fahren. Was mögen Sie an Bangkok? Das Exotische und die Kontraste: Schreine neben Shopping-Centern. Glas-Stahl Hochhäuser neben alten Holzhäusern. S-Klasse neben Tuk-tuk. Hinweisschilder in BTS und MRT „Bitte Mönchen Platz anbieten“. Diese faszinierende Mischung von Tradition und Moderne. Bangkok ist ein Schmelztigel der Vielfältigkeiten. Was vermissen Sie an Deutschland? Die Vorweihnachtszeit mit den schönen deutschen Traditionen. Haben Sie Lieblings-Thai-Gericht? Hühnchen mit Cashewnuss und Klebreis. Lieblingsrestaurant? Baan Kanitha, Big Mama, aber ich habe noch keinen Überblick, bin noch am testen... Lieblingsclub? Auf der RCA, das Route 66 – das war aber der einzige Club, den ich bislang eher zufällig besucht habe. Gute Live-Musik, lokales Publikum. Der perfekte Wochenend-Trip? Mit Lufthansa nach Saigon. Es gibt hier das Angebot der „Fünften Freiheit“, also des Weiterfluges von Bangkok mit Lufthansa etwa nach Saigon oder auch nach Kuala Lumpur. Sehr attraktive Tarife zum Beispiel für einen Wochenendausflug nach Vietnam! Ich habe in Bangkok gefunden? Meine Work-Life-Balance. Ich habe in Bangkok verloren? Dank unserer täglichen Flüge ist Europa ja nicht soooo weit weg ... Dirk Grossmann spielt Gitarre und ist Fußballfan, insbesondere von Union Berlin.

Mark Sonntag

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