Kultur oder Kommerz?

Besuch bei den "Langhals-Frauen"

Dieser Bergstamm ist bekannt für seine weiblichen Mitglieder, die von Kindheit an extrem schwere, vergoldete Ringe um den Hals tragen, die sie nie wieder ablegen dürfen. Ein fesselnder und zugleich erschreckender Anblick! Thaizeit fragte sich: muss das sein?


Die Provinzhauptstadt Chiang Mai, aber auch speziell die Gegend rund um die westlich gelegene Provinz Mae Hong Son, gehört für das Thaizeit-Team zu den schönsten Regionen im grünen Norden Thailands. Hier erstrecken sich 12.681 km2 atemberaubende Wald- und Gebirgslandschaft mit idyllisch gelegenen Tälern, heissen Quellen und atemberaubenden Tropfsteinhöhlen.

Im Osten grenzt Mae Hong Son an Myanmar (Burma), und von hier stammen auch mehrere Bergvölker, unter anderem auch der Stamm der Karen. Zu ihm gehören auch die  Padaung-Frauen, die seit vielen Generatiionen eine höchst ungewöhnliche Tradition pflegen...

Bereits in der Kindheit werden den jungen Mädchen im Zuge eines traditionellen Schönheitsrituals schwere Metallringe um den zarten Hals gelegt, die bis zu ihrem 16. Lebensjahr jährlich um einen Ring erweitert werden und zwischen 5 und 25 Kilogramm wiegen. Einmal befestigt, muss die Langhals-Frau das Metallstück lebenslang (er)tragen. Durch das Gewicht des Metall-Teils werden der Halsknochen und die oberen Rippen derart hinuntergedrückt, dass der ganze Oberkörper deformiert wird. Würde es entfernt werden, führt dies unweigerlich zu einem Bruch des Halses.

Sagen Sie nie "Giraffen-Frau"!

Trotz der Schmerzen und des offensichtlichen Unbehagens, diese goldene Last mit sich rumzuschleppen, wollen die stolzen Frauen die Tradition des Padaung-Stammes weiterführen. Dies wird uns von allen bestätigt, und somit erübrigt sich unsere Frage, ob so eine selbst auferlegte Tortur in der Neuzeit wirklich sein muss... Die gängige Bezeichnung "Giraffen-Frauen" ("Giraffe Women") gilt übrigens als grobe Beleidigung und es ist ein Märchen, dass die Metallringe den Hals der Trägerin verlängern. Vielmehr handelt es sich hier um eine optische Täuschung.

Vorsicht vor "Schaudörfern"

Natürlich blieb es nicht aus: in manchen "Schaudörfern" werden diese Frauen, die seit Ende der 1980er Jahre von Myanmar nach Thailand flüchteten, von findigen Geschäftemachern als „Giraffen(hals)frauen“ regelrecht vermarktet. Deshalb vermeiden Sie bitte die Buchung über billige Tour-Anbieter, denn der sogenannte "Bergvölkertourismus" (auf den diese Menschen dringend angewiesen sind) soll zum Überleben helfen, und nicht zum "Gaffer-Besuch" mutieren. Wir sind mit einer Charity-Organistion unterwegs und fragen die, die es wirklich betrifft:  Die Touristen sind eine wichtige Einnahmequelle für uns. Jetzt, wo durch die politusche Lage weniger Touristen kommen, können wir wenig verkaufen. Auch bieten wir keine Homestays an, und die landwirtschaftliche Arbeit bringt auch nicht viel ein.“ Es gibt diverse Wohltätigkeits-Organisationen, die seriöse Reisen zu den Bergstämmen anbieten, zum Beispiel die "Mirror Foundation" (NGO, siehe Infobox!)

Das Dorf der "Longneck-Tribe"

Es ist hübsch in diesem Bergdorf – und sehr sauber. An einfachen Ständen bieten die "mit glänzendem Metall" geschmückten Frauen ihre selbstgemachte Waren an: Modeschmuck, Holz-Schnitzereien, gewobene Tücher, Postkarten. Sie lassen sich auch gerne fotografieren, wenn man sie nett und lächelnd fragt. Interessiert werfen wir auch einen Blick in die „Schule“ - eine winzige Strohhütte mit ein paar Stühlen - und sind äusserst überrascht, als mehrere junge Mädchen mit gutem Englisch auf unsere Fragen antworten. Ausgerechnet hier - mitten im Nirgendwo! Des Rätsels Lösung: ein englischer Missionar ist regelmässig als Lehrer tätig und lehrt die Bewohner auch den vertrauensvollen Umgang mit Besuchern.

>>> Rundgang durch das "Longneck"-Village


Verantwortliche Touranbieter

Damit nicht nur die Bergvölker, sondern auch die Touristen mündige Verhandlungspartner werden, ist es sinnvoll, den Touranbieter selbst unter die Lupe zu nehmen. Wenn er keine Infos über die lokale Kultur und Bräuche geben kann, melkt er wahrscheinlich nur die Cash-Kuh.

Empfehlenswert: "Mirror Foundation" Dies ist ein renommierter und verantwortlicher Touranbieter. Als NGO setzen sie sich für die Staatsbürgerschaft der Bergvölker und viele ihrer Belange ein. Die Touristen können im Rahmen von Trekkingtouren sowie als Voluntäre die Kultur erleben. Mit den Einnahmen wird die Entwicklungsarbeit unterstützt. Web: themirrorfoundation.org oder wikipedia.org/wiki/The_Mirror_Foundation Weitere Informationen auch über hilltribe.org

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