Thaizeit auf Reisen:

Ein Farang in safrangelb

THAIZEIT stellt einen deutschen Buddha-Mönch vor: Wie Inggo Müller zu Phra Ajarn wurde.


Sich eine Auszeit gönnen, Probleme ruhen lassen, sich einmal nur aufs Wesentliche konzentrieren und damit neue Kraft schöpfen – das ist es, womit Temple- Stay-Programme sehr erfolgreich werben.
Der Einfachheit des Tempellebens bewusst, voller Neugier und Tatendrang, stürzen sich viele in diese neuartige und außergewöhnliche Erfahrung. Stets jedoch im Bewusstsein, dass es schließlich immer noch eine Art Risikoabsicherung gibt.
Sich ganz dem Buddhismus zu verschreiben, nach seiner Lehre zu leben und damit einen sehr genügsamen Lebensstil an den Tag zu legen, hat da doch einen etwas anderen Beigeschmack. Inggo Müller hat diesen Schritt gewagt. Bereits seit seiner Kindheit fasziniert ihn der buddhistische Glaube – eine Überzeugung, die ihm schließlich den Weg nach Thailand ebnete. Ursprünglich aus München stammend lebt der Phra Farang (ausländische Mönch), wie er  genannt wird, nun bereits seit neunzehn Jahren in Thailand.
Hier praktiziert er seinen Glauben, und unterrichtet ihn auch: „Als Kind wurde ich christlich erzogen. Ich merkte jedoch bald, dass ich mich eigentlich einer anderen Glaubensrichtung zugeneigt fühle“, erzählt uns der sympathische Deutsche.
FÜR DEN BUDDHISTISCHEN GLAUBEN BESTIMMT
„Mit Zwölf bin ich aus der Kirche ausgetreten, im Alter von Siebzehn habe ich bereits täglich meditiert“. Seine religiöse Neigung scheint ihm also quasi in die Wiege gelegt worden zu sein. „Buddhismus – das ist kein blinder Glaube an die Existenz eines Gottes. Wir alle genießen Freiheiten im Leben, müssen uns nicht wegen Kleinigkeiten schuldig fühlen. Der Buddhismus befürwortet das“.
FRUGALITÄT UND ABSTINENZ SIND NICHT ALLES
Ja, auch das ist Buddhismus – Freiheit!  Diese Aussage stellt eigentlich eine Kontroverse dar. Im öffentlichen Auge führt ein Mönch schließlich ein bescheidenes, genügsames Leben. Wie kann es da sein, dass Inggo von neu gewonnener Freiheit spricht?
Es handelt sich dabei um einen der Hauptgründe, weshalb er sich dem - aus seiner Sicht - "engstirnigen" Christentum ab-, und dem liberalen Buddhismus zugewendet hat. „Frugalität und Abstinenz sind nicht nicht alles, worum sich das Leben eines Novizen dreht. Wichtig ist vor allem, sich laufend weiterzubilden, die Lehren Buddhas zu verinnerlichen und dem Nirvana durch regelmäßiges Meditieren Tag für Tag ein Stückchen näher zu rücken.“

BUDDHISMUS UND KUNG-FU?

Dem Nirvana – doch wo liegt das eigentlich? Inggo jedenfalls pendelt zwischen Thailand und Deutschland. Und was passiert, wenn Phra Farang seiner Heimat einen Besuch abgestattet? „Der Buddhismus ist in Deutschland sehr unbekannt und wenig verbreitet, die meisten Menschen begegnen mir darum mit Unwissen. Häufig wurde ich gefragt, ob ich denn auch in Kung Fu geübt sei – das finde ich immer sehr amüsant. Aber man kann es natürlich niemandem übelnehmen“.  Da verhält es sich in Thailand ganz anders. Dem ehrenwerten Status eines Mönchs bewusst, verhält man sich hier ihm gegenüber stets sehr respektvoll. „Mönch-sein ist in Thailand wirklich etwas einfacher, sogar für einen Phra Farang.“

WEG ZUR SELBSTVERWIRKLICHUNG

Gibt es denn dann überhaupt Mönche in Deutschland? „Natürlich!“, bestätigt er uns. „Es gibt sogar einige buddhistische Einrichtungen und Tempel, zum Beispiel in Nürnberg und Berlin.“ Im Rahmen eines in Berlin stattfindenden Meditationskurses hatte Inggo auch bereits die Möglichkeit, einen Teil seiner Erfahrung mit in Deutschland praktizierenden Mönchen zu teilen. Dem Buddhismus schließen sich auch dort immer mehr Gläubige an. „Ich habe bereits sehr viele westliche Mönche aus verschiedenen Berufsfeldern kennengelernt, die aus den unterschiedlichsten Gründen zum Mönch konvertieren. Häufig geht es dabei um Selbstverwirklichung: Viele möchten Frieden mit sich selbst schließen. Wieder andere versuchen, auf diese Art und Weise Beziehungsprobleme zu verarbeiten.“

MEDITATION

Und was ist seine ganz persönliche Motivation, diesen Lebensstil beizubehalten? „Ich fühle mich sehr wohl als Mönch. Außerdem ist es das Ziel des Buddhismus, Nip-paan (Nirvana) zu erreichen. Und wie schafft man das? „Meditation. Leben ist Meditation. Und auch, die Phra-dtrei-bpi-dok (Tripitaka) zu studieren.“ So intensiv muss man sich nun nicht unbedingt mit der Materie beschäftigen, allerdings rät Inggo jedem zur gelegentlichen Besinnung auf sich selbst. „Meditieren Sie! Es bringt Körper und Geist in Einklang. Nur zehn Minuten täglich können sehr viel bewirken. Sie werden den Unterschied spüren!“ Zur Frage, was denn der Unterschied sei, antwortet er kurz und bündig: „Ich habe gelernt, loszulassen“. Lehnen Sie sich also ab und zu zurück und entspannen Sie! Vielleicht bedarf es dann auch keiner anstrengenden Erfahrung im Tempel, um die schönen Momente des Lebens wieder schätzen zu lernen.

Lesen Sie auch unseren Bericht über Temple Stays.

Trinoot Charoenphong und Iris Paludnik

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