Zum Tod von Prinzessin Galyani Vadhana:

Thailand in schwarz und weiss

Während hundert Tagen trauert Thailand um die Schwester des Königs.


Noch immer stehen vielerorts die Fahnen auf Halbmast und erinnern an den Tod von Prinzessin Galyani Vadhana. Die Schwester des thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej, die am 2. Januar im Alter von 84 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens verstarb, genoss in Thailands Bevölkerung eine Beliebtheit, die der ihres Bruders nahe kam. Es ist daher nicht erstaunlich, dass bereits Millionen Thais ihre Unterschrift in eines der zahlreichen Kondolenzbücher, die überall im Land aufliegen, gesetzt haben.
Der Königspalast in Bangkok erlebt zurzeit einen Besucheransturm, wie selten sonst. Denn hier liegt der Leichnam der verstorbenen Prinzessin Galyani Vadhana noch bis zur Kremierung aufgebahrt und die Thailänderinnen und Thailänder haben die Möglichkeit von ihrer geliebten Prinzessin Abschied zu nehmen. Diese Phase des Abschieds ist ein wichtiger Teil des Totenkultes in Thailand, nicht nur wenn Mitglieder der Königsfamilie sterben.

Eigene Kremationshalle

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, denn die Kremierung des Leichnams der Prinzessin wird noch einmal Hunderttausende nach Bangkok locken, die der beliebten Schwester des Königs die letzte Ehre erweisen wollen. Fernsehstationen werden den großen Anlass ins ganze Land übertragen und die Nation wird für einen Tag lang stillstehen. Wie es sich für die engsten Mitglieder der Königsfamilie gehört, wird auch für Prinzessin Galyani Vadhana eigens ein Gebäude errichtet, in dem ihr Leichnam kremiert wird. Nach ersten Vorschlägen des Kunstministeriums soll in diesem Fall ein ganzer Gebäudekomplex mit mehreren Pavillions und Unterhaltungshallen für rund 200 Millionen Baht gebaut werden. Nach der Kremation wird die Asche auf einer Rikscha aus der Zeit von König Rama dem Ersten in einer Prozession durch die Stadt getragen und danach beigesetzt.

Feiern zum Abschied nehmen

Die Zeremonien rund um den Tod der Prinzessin machen sehr deutlich, wie wichtig den Thailänderinnen und Thailändern ein adäquater Abschied von ihren Angehörigen ist. Egal ob sie aus dem Königshaus stammen oder aus ganz einfachen Verhältnissen: Wenn jemand aus dem Familienkreis stirbt, verdient er ein anständiges Begräbnis mit möglichst vielen Leuten, die daran teilnehmen. Je nach Region verlaufen die Totenrituale unterschiedlich. In vielen Fällen beginnen jedoch die Abschiednahme und die Vorbereitung auf das Jenseits schon vor dem Tod. Kranke oder gebrechliche Leute suchen deshalb oft schon zu Lebzeiten den Kontakt zu einem Mönchen, mit dem sie das so genannte Karma des Leidens lernen und sich damit auf das bevorstehende Ende dieses Lebens vorbereiten. Ein zentraler Teil in der Verarbeitung eines Todesfalles sind auch die Baderiten, bei denen die engsten Familienangehörigen den Leichnam waschen, baden und einbalsamieren um ihn danach in seinen besten Kleidern aufzubahren. Ist der Tote dann auch noch mit Blumen geschmückt und schön hergerichtet, werden Verwandte und Bekannte empfangen, die ihm die letzte Ehre erweisen wollen. In dieser Phase sind oft Mönche anwesend, die mit ihren Gebeten eine möglichst sanfte Reise ins Jenseits gewähren sollen. Wichtiger Bestandteil dieser Trauerzeit ist auch das gemeinsame Essen und Feiern, denn damit soll nicht nur der Familie der Abschied erleichtert werden, sondern auch dem Verstorbenen noch einmal eine möglichst fröhliche Runde zur Seite stehen. Für die Kremation wird der Leichnam dann nochmals hergerichtet um dann in den meisten Fällen in einer Prozession zum Krematorium gebracht zu werden.

Pascal Nufer

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