Bangkok:

Das Waisenhaus Phayathai Babies‘ Home

Ein Besuch im Waisenhaus Phayathai Babies‘ Home – eine ernst zu nehmende ehrenamtliche Aufgabe.


Zehn kleine Kinderlein, die fingen an zu schreien, das eine war besonders laut, da ging es ab ins Heim.
Neun kleine Kinderlein, die zerrten an Mamas Rock, das eine zog besonders stark, da musste es einfach fort.
....
Drei kleine Kinderlein, die aßen vor Hunger Fliegen, die Mama die war weggerannt und ließ sie in den Strassn’ liegen.
Zwei kleine Kinderlein, warn von Beginn an infiziert, die Familie sah das gar nicht gern, drum ließen sie sie einfach hier!
Ein schlichter Begleitbesuch im Kinderheim sollte die Aufgabe eines Tages sein. Ein bisschen spielen, lachen, Freude verbreiten, hieß es, und mit dieser Einstellung war der Eintritt ins Waisenhaus „Phayathai Babies‘ Home“ getan.
Der Eindruck war beim Betreten des Geländes positiv. Sauber, gepflegt und relativ neu. Wir betreten das Verwaltungsgebäude, um uns als Besucher anzumelden. Als ehrenamtliche Mitarbeiter werden wir gesehen und erhalten eine Art Kittel, um unser Erscheinen auch kleidungsmäßig zu komplettieren. Noch weit entfernt von der Kinder-Spielzone wurden wir dennoch von den ersten, quirligen und alles andere als scheuen Heimbewohnern entdeckt. Wie anschmiegsame kleine Kätzchen drängten sie sich um den erwachsenen Körper, auf der Suche nach einer warmen, fürsorglichen Hand ...

... Mein rechter, rechter Platz ist leer


Das Phayathai Babies‘ Home ist ein Waisenhaus, das Kinder unter fünf Jahren aufnimmt. Es sind Säuglinge und Kleinkinder, die von ihren Müttern an öffentlichen Plätzen ausgesetzt wurden. Zurückgelassen in den Straßen oder Krankenhäusern, von Eltern misshandelt und teilweise schutzlos deren Mordgedanken ausgesetzt.
Unter den 270 hier lebenden Waisen befinden sich aber auch Babies und Kinder, deren Eltern eine Zeitlang überfordert sind durch düstere Zukunftaussichten. Diese Eltern bzw. Mütter haben nicht vor, ihre Kinder zu Waisen werden zu lassen, sondern nutzen die Chance, ihre Kinder in schützende Hände zu geben, während sie versuchen, ihre Lebenslage zu verbessern.
Zum Pflegepersonal gehören neben einem Psychologen und drei Krankenschwestern noch 140 Pflegerinnen, die sich im Zwei-Schichten-System rund um die Uhr um die kleinen Schützlinge kümmern.
Im Phayathai Babies‘ Home gibt es je nach Altersgruppe verschiedene Stationen, in denen hier und da auch leicht bis mittelschwer behinderte Kinder gemeinsam mit gesunden Kindern aufwachsen.
Nur eine Station ist gesondert: Die der HIV-Infizierten. Ein ungeschmückter, farbloser Raum, zu dessen Interieur kleine einfache Kinderbettchen zählen, in denen traurig dreinschauende Windelträger sehnsüchtig auf ein bisschen Unterhaltung warten. Auf der Gesundheitsebende hat sich hier einiges getan. Denn lag die Sterberate vor sechs Jahren noch bei drei Kindern pro Monat, liegt sie seit mittlerweile einem Jahr bei drei Kindern pro Jahr, dank der zu 80 Prozent vom Staat getragenen medizinischen Versorgung und weiteren Spenden.

Morgen gehts nach Hause, ja?

Das Phayathai Babies‘ Home nimmt nur temporär Kinder auf, da es sehr bemüht ist, gerade bei ausgesetzten Kindern die leiblichen Eltern und Verwandten oder neue Familien für die Waisen zu finden. Der Psychologe Apichet Panjarat erklärte, dass bisher von ungefähr 30 Prozent der hier lebenden Waisen die Familien ausfindig gemacht werden konnten und entweder Eltern oder Großeltern die Kinder wieder aufnahmen. In Fällen der familiären Ablehnung des Kindes oder bei Vollwaisen, wie es für die meisten HIV-infizierten Kinder zutrifft, besteht die Möglichkeit der Adoption. Jährlich werden 130 Kinder aus dem Phayayhai Babies‘ Home adoptiert. Die meisten Adoptiveltern kommen aus den USA und Europa, während 30 Kinder pro Jahr von thailändischen Familien angenommen werden. Ein Kind zu adoptieren erstreckt sich mittlerweile über einen Zeitraum von neun Monaten, in denen sicher gestellt wird, dass Eltern und Kind genügend Zeit haben sich einander anzunähern. Dafür hat das Phayathai Babies‘ Home einen beeindruckenden Spiel- und Gesellschaftsraum eingerichtet, der vor bunten Farben und übermäßigem Spielzeug nur so strotzt. Der Adoptionsprozess wird aber nur dann in die Wege geleitet, wenn mit Sicherheit festgestellt werden konnte, dass die leiblichen Eltern entweder bereits verschieden, nicht auffindbar oder unwillig sind, ihre eigenen Kinder zurückzunehmen. Denn im letzteren Fall besteht immer noch die Hoffung, dass die Eltern, ja gerade minderjährige oder junge, sich schämende Mütter, zur Vernunft kommen. Aus diesem Grund setzt sich das Waisenhaus eine Wartefrist von bis zu sechs Monaten, bevor sie ein Kind entgültig zur Adoption frei geben. Stellt sich jedoch die Frage, was mit den Kindern passiert, für die kein dauerhaftes Zuhause gefunden werden kann. Gemeint sind Kinder, die z.B. eine Behinderung haben oder HIV-infiziert sind. Denn dass körperlich-geistig benachtteiligte und todgeweihte Kinder einen schweren Stand in der thailändischen Gesellschaft haben, ist kein Geheimnis. Haben die Kinder das sechste Lebensjahr erreicht und wenig Aussicht auf ein neues Zuhause in einer Familie, müssen sie ihr gewohntes Umfeld verlassen und sich in einem neuen Waisenhaus wieder einfinden. So kommen Aidswaisen in ein Heim nach Chiang Mai, während die anderen Kinder geschlechtlich getrennt in Mädchen- oder Jungenwaisenhaus verstreut in Thailand unterkommen.

Was soll ich denn in Chiang Mai?

Verbringt ein Kind im schlimmsten, aber dennoch häufigsten Fall mehr als ein Jahrzehnt ohne elterliche Fürsorge und Zuneigung, so wirft das eine neue Frage bezüglich der Verantwortung des Waisenhauses auf. Denn was macht ein staatliches Waisenhaus in Thailand, um Kinder in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen eine faire Chance zum Leben zu geben? „Kinder des Phayathai Babies‘ Home erfahren soziale Integrität, indem sie in öffentliche Kindergärten gehen. Sind sie im schulfähigen Alter und bereits auf andere Waisenhäuser aufgeteilt, besuchen sie öffentliche Schulen in ihrer neuen Umgebung. Staatliche Waisenhäuser übernehmen sogar die Studiengebühren für Waisen mit guten schulischen Leistungen. In solch einem Fall dürfen sie bis zu ihrem Bachelor Abschluss im Waisenhaus leben und müssen nicht wie die anderen, die sich für einen Arbeiterberuf entscheiden, das Heim mit 18 Jahren verlassen. Vor einigen Jahren noch undenkbar, werden mittlerweile auch Aidswaisen in öffentlichen Kindergärten und Schulen akzeptiert, so der Psychologe Apichet Panjarat, der diese Entwicklung mit Stolz den Waisenhäusern zurechnet.

Agnes Deblond


Jedes Kind im Waisenhauses ist dankbar für ein bisschen Aufmerksamkeit, die es nicht mit vielen anderen Kindern teilen muss. Wer es einrichten kann, als sogenannter Volunteer regelmäßig mit Spiel und Spaß auszuhelfen, wird die schönste Belohnung der Welt erhalten: Freude und Dankbarkeit! Wer eine ehrenamtliche Mitarbeit ausschließt, aber dennoch gerne helfen möchte, kann sich jederzeit mit Sach- oder Geldspenden an die unten aufgeführte Adresse wenden.  Das Phayathai Babies’ Home ist vom Victory Monument in 20 Minuten einfach zu erreichen. Minibusse fahren in kurzen Abständen täglich nach Pakkred.  78/24 Phumwet Road, Bangtalat, Pakkred, Nonthaburi, 11120 Thailand
Kontaktnummer: +66 (0) 2584-7254-55
www.phayathaibabieshome.com

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