Hand aufs Leder:

Fußballverrückter mit zwei Full-Time-Jobs

Hand aufs Leder: Kennen Sie den Namen eines thailändischen Fußballspielers? Sven Beyrich kennt sie (fast) alle.


Der 37-Jährige betreibt seit über zwei Jahren zusammen mit zwei anderen Fußballverrückten die Webseite thai-fussball.de. Dort wird über jedes Tor in Thailand berichtet – von der Nationalmannschaft bis zur 3. Liga. Die Betreiber sind bestens informiert, was im Verband vor sich geht. Natürlich hat es den Sven Beyrich gefreut, dass Anfang Juli mit Winfried Schäfer ein alter Bekannter aus der Bundesliga als neuer Nationaltrainer Thailands verpflichtet worden ist. Wir haben uns mit dem Münchner unterhalten.  
Sie sind ein Experte des thailändischen Fußballs. Woher kommt Ihr Interesse für das Thema?
Ich bin leidenschaftlicher Fußballfan und sollte vor einigen Jahren für eine Internet-Fanseite Dateien über den thailändischen Fußball angelegen. Dabei musste ich feststellen, dass man im Internet gar nichts dazu finden konnte. Also habe ich selbst Informationen gesammelt. Dabei bin ich immer mehr in die thailändische Fußball-Szene reingeraten. Das war wie ein Sog.  
Woher erhalten Sie Ihre Informationen?
Über die Jahre habe ich ein großes Wissen angehäuft, das lässt sich dann wie ein Puzzle zusammensetzen. Und dann gibt es eine englischsprachige Community von Leuten, die selber Internetseiten über das Thema betreiben – mit denen tausche ich mich viel aus. Mittlerweile habe ich auch ein großes Netzwerk an Spielern und Trainern aufgebaut, die ich kontaktieren kann. Hinzu kommen zwei große thailändische Webseiten, aus denen wir Infos ziehen können.
Haben Sie auch jemanden in Thailand vor Ort?
Ja, ich betreibe die Seite zusammen mit einem Partner, der in Bangkok lebt. Er kümmert sich vor allem um die 3. Liga und den Futsal und ist viel in den Stadien unterwegs.
Wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Hobby?
Es kommt einem zweiten Full-Time-Job nahe…

Wie schätzen Sie die Qualität der höchsten Liga ein? Es ist schwierig, darauf eine Antwort zu finden. Wir erhalten auch oft Anfragen von Leuten, die gerne in Thailand bei einem Verein spielen wollen und wissen möchten, ob sie da eine Chance hätten. Müsste man einen Vergleich zu Deutschland ziehen, würde ich sagen, dass die Top-Teams aus Thailand in der zweiten oder dritten Liga in Deutschland mithalten könnten. Thailand ist ein beliebtes Ziel für Rentner. Gibt es auch Fußball-Stars, die hier ihre Karriere ausklingen lassen? Kürzlich ist ja die englische Legende Robby Fowler nach Thailand gewechselt… Stars ist vielleicht der falsche Ausdruck. Einen so berühmten Spieler wie Robby Fowler gab es zuvor noch nie in Thailand. Es gibt aber einige ältere Spieler – zumeist Briten – die zum Ende ihrer Karriere nach Thailand kommen. Gibt es deutsche Spieler in der Ersten Liga? Nein. Welche Überraschungen erwarten Europäer, wenn sie in Thailand ins Stadion gehen? Auffallend ist vor allem, dass jeder im Stadion ein Trikot trägt. Teilweise ist auch recht hoher Frauenanteil im Stadion. Und die Leute bewegen sch anders: Die Fans von Burinam FC studieren zum Beispiel vor den Spielen regelrechte Choreografien ein, und dann bewegt sich ein ganzer Block gleich. Das hat einen leichten Touch von Nordkorea… Auf thai-fussball.de berichten Sie auch über Futsal. Erzählen Sie uns etwas darünber… Ja, in Sachen Futsal ist Deutschland ein Entwicklungsland. In Asien ist der Sport dagegen eine große Nummer. Und 2012 findet die Weltmeisterschaft in Thailand statt. Ihr Autorenname auf thai-fussball.de ist Lokomotive. Lassen sich daraus eventuell Rückschlüsse auf Ihren Lieblingsverein ziehen? Ja, in der Tat… Ich bin Fan von Lok Leipzig.   Thailand gegen Deutschland: Wem drücken sie die Daumen? Ganz klar Thailand!

Christoph Stockburger

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