nach der tragödie von Phuket:

Mehr Sicherheit!

Billigairlines sind besser als ihr Ruf.


Sein Atem geht schwer und sein Blick ist leer. „Jetzt brauch ich einfach noch eine Zigarette, sonst steh ich das nicht durch“.  Nach ein zwei nervösen Versuchen springt der Funke und die Flamme entzündet den rettenden Nikotinstängel. Christoph Falchetti inhaliert den Rauch, als könnte er damit all seine Erinnerungen der letzten Woche im Nebel des Tabaks versenken. Denn was er erlebt hat, haben wenige überlebt: Einen Flugzeugabsturz. – Einen Unfall, der eine Frage neu aufwirft: Wie sicher ist Fliegen? – Und vor allem: Wie sicher sind Billigflieger?
„Was euch passiert ist, hätte jedem passieren können, der in irgend einen Flieger steigt“, beruhigt Markus Moschner die beiden Überlebenden Christoph Falchetti und Marcel Squinobal am Flughafen in Bangkok. Als Regionalmanager Asiengeschäft des Ferienanbieters LTU hat er an diesem Morgen die besondere Aufgabe, die beiden Überlebenden auf ihr Flugzeug zu begleiten, das sie aus ihrem erhofften Urlaubsparadies zurück in ihre Heimat nach Europa bringen soll.

Sicherheit trotz Spardruck

Mit seiner Aussage unterstreicht Moschner, dass es falsch wäre, nun die Schuld für den Absturz einfach der Bruchairline „One-Two-Go“ zuzuschieben, denn nach jetzigem Erkenntnisstand sei der Absturz nicht auf mangelnde Sicherheit zurückzuführen. Die beiden Männer können die beruhigenden Worte Moschners gebrauchen. Denn der Zigarettenrauch alleine wischt die Erinnerungen an die Todesängste, die sie bei der Bruchlandung ausgestanden haben, nicht weg. Ohne Beruhigungstabletten und Psychopharmaka wären sie nicht im Stande, nur fünf Tage nach dem Crash wieder in ein Flugzeug zu steigen, auch nicht um in die ersehnte Heimat zurück zu kehren. Und Moschner hat recht: Statistiken beweisen es deutlich und Flugexperten werden in diesen Tagen nicht müde, die Leier der genau so sicheren Billigflieger wie ein Mantra runter zu beten. „Der Verdacht ist immer, dass Fluggesellschaften, die mit enger Gewinnmarge operieren, unter anderem bei der Sicherheit sparen“, sagte zum Beispiel der australische Professor und Desaster-Management-Experte Robert Heath gegenüber der Agentur dpa. „Natürlich sind die Piloten immer unter Druck, den Benzinverbrauch auf einem Minimum zu halten, keine Extra-Schleifen zu drehen.“ Der Spardruck sei zwar bei kleinen Fluggesellschaften größer, doch gebe es keine Anhaltspunkte, dass die relativ neue Industrie tatsächlich weniger Sicherheit biete. Und das beweisen die Statistiken deutlich: „Die Unfallrate bei kommerziellen Passagierflugzeugen ist etwa gleich hoch. Es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Gesellschaften“, sagt
Heath.

Sichere Plätze

Ein schwacher Trost für die Angehörigen all der Menschen, die beim tragischen Flugzeugabsturz auf Phuket ums Leben kamen. Auch der überlebende Österreicher Marcel Squinobal hat seinen Entschluss längst gefasst, aller Statistiken zum Trotz: „Der Flug mit der LTU zurück nach München ist mein letzter Flug überhaupt.” Es ist verständlich, dass er nach diesem Erlebnis genug hat von der Fliegerei. Trotzdem wäre es aber falsch, es ihm gleich zu tun. Jede Taxifahrt in Bangkok oder Busfahrt über Land ist statistisch gesehen viel gefährlicher. – Entscheidet man sich einmal fürs Fliegen, gibt’s aber durchaus Plätze, die laut Hochrechnungen sicherer sind, als andere.  „Die sichersten Sitze im Flugzeug sind dort, wo das Flugzeuggerüst am stärksten ist. Also an den Küchen, wo auch die Ladeluken für das Essen sind, und über den Flügeln”, erklärt der australische Professor. Und im Fall des Absturzes auf Phuket war es vorallem der hintere Teil des Fliegers, wo die meisten Leute überlebt haben. Grundsätzlich gilt aber das Flugzeug nach wie vor als das sicherste Verkehrsmittel. Trotzdem bleibt natürlich immer ein Restrisiko: „Es ist schwer, das Risiko des Fliegens zu reduzieren“, sagt Heath. „Am Ende ist es alles eine Frage des Glücks.“ Und das hatten die beiden Überlebenden Marcel Squinobal und Christoph Falchetti ja ohne Zweifel auf ihrer Seite: Großes Glück im Unglück. – Und auch wenn sie sich an dem Morgen kurz vor Abflug nach Europa gar nicht über den Flug, den sie von der LTU geschenkt bekommen haben, freuen können. Froh sind sie trotzdem darüber, dass sich jemand um sie kümmert. „Ich will jetzt nur noch heim – und ich freu mich riesig, meine Familie und vor allem unseren Hund wieder zu sehen”, sagt Christoph Falchetti mit Tränen in den Augen am Gate, an dem bereits „boarding” aufleuchtet.

Pascal Nufer


Sicherheit im Flugverkehr Wer sich beim Fliegen nicht aufs Glück verlassen will und sich mit Statistiken besser aufgehoben fühlt, für den  gibt es im Internet diverse Seiten, die Sicherheitsaspekte der Fliegerei beleuchten. Einen relativ umfassenden Überblick verschafft die Webseite AirSafe.com. Die Seite listet alle Unfälle seit 1970 nach verschiedenen Kriterien auf: So kann man beispielsweise nach Airlines suchen, die besonders sicher sind, man kann sehen, welche Flugzeugtypen bisher am wenigsten in Unfälle verwickelt waren oder herausfinden, in welchen Ländern am meisten Flugunfälle passierten. Die Seite hat aber auch hilfreiche Tipps, wie man Flugangst abbauen kann und wie man statistisch gesehen sicherer fliegt. Erster Tipp ist da zum Beispiel: Wählen Sie für Ihre Reise möglichst eine Non-Stop-Route, da die meisten Unfälle bei Start und Landung passieren. Der zweite Tipp besagt, dass die Wahl des Flugzeugtyps auch eine wichtige Rolle spielt: Und zwar gilt da die Faustregel: Größere  Flugzeuge sind tendenziell sicherer. Weitere Tipps, Zahlen und Fakten zum Thema Flugsicherheit: www.airsafe.com , www.flugzeug-absturz.de

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