Songkran:

Neujahr oder Wasserfest?

Eine Kolumne von TV-Star Amorn Surangkanjanajai, besser bekannt als Gung aus der Lindenstraße


Ich komme diesen Monat nach Thailand, um nach langer Zeit wieder das thailändische Neujahr feiern zu können. Selbstverständlich feiern nicht nur die Thais das neue Jahr, sondern ganz Südostasien. Aber warum gerade im April?
In Asien richtet man sich nach dem Mondkalender - wie bei den Chinesen. Doch in Thailand wird es auf ganz besondere Weise eingeläutet: Mit viel Wasser! Es wird gegossen und geschüttet, gespritzt und geschossen, teilweise unter Verwendung von Eiswasser. Eine Woche lang wird so in ganz Thailand gefeiert, in den Städten, den Provinzen und ganz besonders bei den Lanna im Norden.
Wo und wann das Wasserfest seinen Ursprung hat, kann ich nicht genau sagen. Ursprünglich galt Wasser als Fruchtbarkeitssymbol und man übermittelte damit Glückwünsche fürs neue Jahr. Ich kann mich gut erinnern, dass ich als Teenager in Bangkok sehr gern im Wat Benjamaborpit (Marmortempel) das „Lanna Songkran”-Fest gefeiert habe. Dort feiert man (bestimmt noch heute) in traditionellem Lanna-Stil mit Jasmindüften und viel Höflichkeit und ein wenig Wasser zum Beglückwünschen.
In den letzten 40 Jahren wurde das Wasser immer exzessiver eingesetzt, sodass sich der Name „Wasserfest” eingebürgert hat. Songkran hat mittlerweile einen Ruf, der mit dem Karneval in Rio vergleichbar ist und Touristen aus der ganzen Welt anlockt. Das sieht auch das thailändische Fremdenverkehrsamt und erklärt Songkran zum offiziellen Festival.
Songkran bedeutet aber auch Verkehrschaos, weil viele Fahrzeuge zum Bespritzen der Passanten mit Wasser eingesetzt werden. Ich glaube, manchmal übertreiben es die Thais mit dem Spaß, insbesondere im Hinblick auf die kommende Trockenzeit, die im Isaan der Bevölkerung wieder zu schaffen machen wird. Zu Songkran wird zu viel Wasser verschwendet. Aber selbstverständlich muss auch fröhlich gefeiert werden können. „Spaß muss sein”, sagt der Deutsche, „Sanuk tuk wan”, sagt der Thai – Spaß jeden Tag!
Ich sage mit den Kölnern: Jeder Jeck ist anders! Einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Amorn Surangkanjanajai

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