Waldkloster Frankenwald:

Deutsche und europäische Buddhisten im Waldkloster Muttodaa im Frankenwald.

„Buddhismus geht alle an“

Im Waldkloster Muttodaya im Frankenwald leben und praktizieren deutsche Mönche nach den Lehren Buddhas. Auch nicht-ordinierte Gäste können hier meditieren und studieren, um inneren Frieden und Erleuchtung zu finden. THAIZEIT sprach mit den Gründern Ajahn Cattamalo und Than Mettiko. Beide Mönche sind gebürtige Deutsche...


An wen richtet sich ihr Kloster? Deutsche, die mehr über den Buddhismus erfahren wollen oder Asiaten, die hier leben?


Wir wurden von deutschen Buddhisten hierher gebeten, die ein großes Interesse an der Buddha-Lehre haben und Mönche hier in Deutschland in ihrem monastischen Leben unterstützen wollten. Im Aufbau des Klosters erfuhren wir aber auch viel Unterstützung von in Deutschland lebenden Thais, so dass sich eine gute Symbiose ergeben hat.

Praktizieren Europäer den Buddhismus anders als Asiaten?


Die Asiaten wachsen mit einem traditionellen Buddhismus auf, in dem auch regionale Folklore und Aberglauben eine Rolle spielen, die von der eigentlichen Lehre ablenken können. Westler kommen eher mit der ursprünglichen Lehre in Kontakt. Der Zugang der Asiaten kommt daher eher von der kulturell-emotionalen Seite, der Westler ist eher intellektuell und rational. Dennoch treffen sich beide Gruppen dann an einem bestimmten Punkt wieder.

Was macht den „guten Buddhisten“ aus?


In erster Linie die Bereitschaft sich von Vorurteilen und eingefahrenen Vorstellungen zu trennen um einen klaren Blick auf die Beschaffenheit des eigenen Seins zu bekommen. Dazu kommt die Praxis der Meditation und die Verfestigung eines ethischen Lebenswandels, der für Laien fünf Regeln umfasst: Der Verzicht Leben auszulöschen, die Verpflichtung zur Wahrheit und dazu Versprechen einzuhalten, die Treue in einer Partnerschaft, nicht zu nehmen was nicht gegeben wurde und der Verzicht auf berauschende Mittel wie Alkohol oder Drogen.

Wie sind Sie als Europäer mit dem Buddhismus in Berührung gekommen?


Die Wege zum Buddhismus waren bei uns unterschiedlich. Bei dem einen war es das Bild einer friedlich in sich ruhenden Buddhastatue, die im Religionsunterricht das Interesse weckte, bei dem anderen die buddhistische Literatur und der Dritte von uns schrieb nach seinem ersten Meditationskurs in Thailand der Familie einen Brief, dass er als Mönch bleibt.

Wie reagierten Freunde und Familie auf die Entscheidung Mönch zu werden?


Die erste Befürchtung ist, dass man aus Gram vor der Welt den Ausstieg ins Kloster sucht. Doch wenn Eltern dann sehen, dass ihr Sohn ein weitaus fröhlicherer Mensch ist als vorher, gehen sie sehr positiv damit um. Um den Schock gering zu halten sollte man sie allerdings langsam und vorsichtig auf die Entscheidung vorbereiten. Freunde stehen der Sache offener und geneigter gegenüber, obwohl einem der Schritt selten nachgemacht wird.

Liegt das an den strengen Regeln, denen Mönche unterliegen? Welcher Verzicht oder welche Umgewöhnung fällt westlichen Mönchen am schwersten?


Das von individuellen Gewohnheiten abhängig. Wenn man nicht schon vorher eher asketisch gelebt hat, ist die Umstellung nur ein oder zwei Mal am Tag zu essen sicher nicht einfach. Auch das Zölibat ist nicht jedermanns Sache. Das naturverbundene Leben als Waldmönch ist jedoch von Anfang an sehr erfüllend, so dass man auch in den ersten Jahren eigentlich nichts vermisst. Ehrlich gesagt ist es eine große Befreiung wenig zu besitzen und seine gesamte Habe mit sich herumtragen zu können.

Was haben Sie durch die Entscheidung gewonnen?


Jede Menge Zufriedenheit mit der man vorher nicht gerechnet hat und Freundschaften zu Menschen, die nach mehr als materiellen Dingen streben. Die Lebensweise hilft loszulassen und ist daher sehr heilsam.

Welche Folgen hätte es, wenn Sie ihre Robe ablegen würden?


Zu Ordinieren ist eine freie Entscheidung, genau wie das Entroben. Folgen, im Sinne eines Gesichtsverlustes, gibt es daher nicht. Sicherlich spüren die, die vorher unter Druck standen eine gewisse Erleichterung, allerdings kennen wir nur wenige Mönche, die nach dieser Entscheidung zufriedener wirkten. Die meisten entwickeln eine gewisse Leibesfülle, was einem Senior-Mönch allerdings auch passieren kann.

Wie kann man sich die Ausbildung zum Mönch vorstellen? Was lernt man?


In Thailand gibt es zwei Arten von Klöstern. In den Stadtklöstern finden Examen und ähnliches statt, da die Mönche zu den Menschen nach Hause eingeladen werden um gegen Spenden Zeremonien durchzuführen, die Pali-Texte zu rezitieren oder Lehrreden zu halten. In einigen traditionellen Klöstern werden allerdings auch immer noch abergläubische Praktiken wie Geisterbeschwörung oder Wahrsagen gelehrt, da hiermit eine gewisse Nachfrage der Thais gedeckt wird.
Die Waldtradition ist da anders, da die ursprüngliche Buddha-Lehre im Vordergrund steht und es vor allem auf die eigene spirituelle Entwicklung ankommt. Als Waldmönch lernt man vor allem, mit sich selber und der Natur in Einklang zu leben. Im Einzelnen bedeutet das Lernen von Demut und die Praxis der Meditation, die durch einen persönlichen Lehrer vermittelt werden.

Wie wird man als westlicher Mönch von den Thais angenommen?


Die Gastfreundschaft der Thais ist unglaublich. Was man auf seinen ersten Almosenrunden auf dem Land an Menschlichkeit spürt, kann schon mal vor Rührung die Tränen in die Augen treiben. Auch die einheimischen Mönche sind Westlern gegenüber aufgeschlossen. Na klar ist und bleibt man Farang, aber der Umgang untereinander ist sehr hilfsbereit und interessiert.

Vertrauen sich Thais lieber Thaimönchen an?


Als westlicher Mönch wird man unglaublich gut von den Thais aufgenommen, da der westliche Lebensstil als Ideal angesehen und mit Wohlstand gleichgesetzt wird. Ist man als Westler bereit diesen Wohlstand aufzugeben, bringen Thais dem eine besondere Hochachtung entgegen. Denn sie wissen, dass sich Westler solch einen Schritt reichlich überlegt haben und das Mönchsleben nicht als Verlegenheitslösung sehen.
Gebildete Thais, die im Ausland studiert haben, stellen manchmal eine intellektuelle Barriere zu einheimischen Mönchen fest, die dem Bildungsquerschnitt des Landes entsprechen. Häufig finden sie dann in den traditionellen Klöstern keine Vorbilder oder Antworten auf ihre Fragen. Der intellektuelle Zugang zur Buddha-Lehre, den westliche Mönche besitzen, kann da helfen, die eigene Religion wiederzuentdecken.

Ist es leichter als Westler in einem thailändischen Kloster zu leben, oder als buddhistischer Mönch in Deutschland?


Wenn es nach Lebensverhältnissen geht, ist es im Westen einfacher, da einem das tropische Klima, ungewohnte Thai-Speisen oder in einigen Fällen auch der Kulturschock zu schaffen machen kann. Dafür gestalten die Mönchsregeln, wie beispielweise das Verbot der Benutzung von Geld, das Leben Westen etwas umständlicher, weil das Wissen über unsere Lebensweise fehlt.

Wie reagieren die Leute denen Sie in Deutschland auf der Straße begegnen?


Die meisten Menschen auf der Straße reagieren mit Scheu, aber nicht unbedingt mit Abneigung. Diejenigen, die sich trauen uns anzusprechen und entdecken, dass Buddhismus etwas ist, was den einzelnen unmittelbar angeht und damit Westler und Asiaten gleichermaßen betrifft. Einige von ihnen besuchen dann unser Kloster, so dass inzwischen relativ viele Deutsche regelmäßig an unserem Programm aus Meditationen und Vorträgen teilnehmen. An buddhistischen Festtagen führen wir auch Zeremonien durch, was für viele Thais besondere Bedeutung hat. Allerdings sind wir kein Kulturverein, da bei uns das Praktizieren der ursprünglichen Lehre im Vordergrund steht, was ein eher zurückgezogenes Leben erfordert.

Warum behalten Sie in Deutschland Almosenrunde und die äußere Erscheinung mit gelber Robe und rasiertem Kopf bei?


Auch wenn sich andere buddhistische Traditionen in ihrem Lebensstil an den Westen angepasst haben, stellen wir immer wieder fest, dass unsere Lebensweise viele Menschen inspiriert. Das Verbot, Geld zu benutzen und die Abhängigkeit von Almosen macht ihnen klar, dass jemand bereit ist, aus Achtung vor der Ethik der Buddha-Lehre gewohnte Bequemlichkeiten aufzugeben und das auch vorzuleben. Robe und Almosenschale verkörpern dabei die zeitlose Kraft einer 2.500 Jahre alten Tradition, die wir auch hier im Westen nicht aufgeben möchten.
Gerrit Phil Baumann


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