Finanzierung:

Chancen in Thailand

Engagierte Diskussionen zu aktuellen Themen – die Deutsche Bank etabliert Roundtable-Gespräche in Bangkok.


Elf Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe sowie der Rechts- und Unternehmensberatung trafen sich mit Deutschbankern aus Bangkok und Singapur zum Abendessen im Conrad-Hotel, um Neues von den Märkten und aus der Produktentwicklung zu erfahren und eigene Einschätzungen zu teilen. Die hohen Erwartungen an diese Veranstaltung wurden nicht enttäuscht.
Die Roundtable-Gespräche sollen regelmäßig stattfinden, um den engen Kontakt gerade mit den mittelständischen Kunden in Thailand zu pflegen und den Austausch zu intensivieren. Manfred Schmoelz machte in seiner Einleitung zur ersten Veranstaltung deutlich, dass er sich eine lebhafte Diskussion mit Ansichten aus der Perspektive des Mittelstands wünscht. Die Präsentationen der Deutsche-Bank-Spezialisten beschränkten sich daher nicht auf die Vermittlung von Markteinschätzungen und Produktinformationen, sondern bereiteten den Boden für den Gedankenaustausch der Teilnehmer.
Manfred Schmoelz moderierte leidenschaftlich und brachte sich und seine Perspektive immer wieder in die Präsentationen und anschließenden Diskussionen ein. Syetarn Hansakul, Senior Economist und Vice President of Global Risk Analysis, Deutsche Bank Research, eine langjährige Mitarbeiterin des ehemaligen Chefökonoms Norbert Walter, sorgte mit ihrem Eröffnungsbeitrag zu den Marktaussichten 2010-11 für erheblichen Gesprächsstoff.

Marktaussichten 2010-11


Nach dem Zusammenbruch des Hauses Lehman Brothers und der sich anschließenden Finanzkrise haben sich die führenden Indices in den USA (Dow Jones), Europa (FTSE 100) und Asien (Hang Seng, Nikkei) bis heute noch nicht wieder vollständig erholt, nur der thailändische SET notiert zirka 15 Prozent oberhalb seines Standes von September 2008. Auch für die kommenden Monate wird eher eine Seitwärtsbewegung der weltweiten Märkte erwartet als klares Wachstum. Die Talsohle sei jedoch klar durchschritten; sowohl der Welthandel nimmt, nachdem er 2009 um mehr als ein Achtel zusammengebrochen war, wieder zu, und insgesamt kann 2010 mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von immerhin 4 Prozent ausgegangen werden. Wenig überraschend war die Aussage, dass die Treiber dieses Wachstums neben den USA und China vor allem die Schwellenmärkte in Lateinamerika und Asien sein werden, während Europa mit der hohen Staatsverschuldung zu kämpfen habe und insgesamt wie die meisten entwickelten Märkte stärker auf politische Wachstumsimpulse angewiesen sei.
Spannend wurde es bei der Diskussion der zu erwartenden Entwicklung des US-Dollars. Hier ist laut der Kapitalmarktspezialisten der Deutschen Bank konstant eine Schwächung des Dollars sowohl gegenüber dem Euro als auch dem japanischen Yen zu erwarten. Ob wir jedoch, wie vorgetragen, den Euro bereits in sechs Monaten wieder bei 1,30 Dollar und in 12 Monaten bei 1,35 Dollar sehen werden, bleibt abzuwarten. Auf Nummer sicher geht man wahrscheinlich nur mit der Antwort von ihrem ehemaligen Chef, dem Chefökonom der deutschen Bank Walter, der auf die Frage, wo denn der Euro zum Dollar in einem Jahr stehe, antwortete, dies sei ganz einfach zu beantworten – irgendwo zwischen ein und zwei Dollar. Für den Thai-Baht lassen sich gerade aus Euro-Sicht nur bedingt Aussagen treffen – zwar haben die politischen Unruhen der letzten Wochen und Monate seinem derzeitigen Aufwärtstrend gegenüber Euro und Dollar praktisch nichts anhaben können – seine grundsätzlich gestiegene Volatilität seit 2008 sorgt jedoch für hohe Spannen in den Voraussagen der einzelnen Analysten. Aus Sicht der Deutschen Bank ist hier mit einer leichten Erholung zum Jahresende auszugehen – von alten Kursen von bis zu 50 Baht/Euro und mehr wird man jedoch auch auf längere Sicht nichts mehr sehen.
Der Blick auf Asien ist bis auf Weiteres unverändert optimistisch. Die wachsende Nachfrage und der steil ansteigende Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung bei nur milden Inflationserwartungen lassen die Wirtschaftsleistung um das Doppelte des Weltdurchschnitts steigen. Auch die Frage, ob China und Indien nicht überschätzt werden und es dort nach Jahren massiven Wachstums eine Entwicklungsdelle fast schon zu erwarten sei, wurde verneint. Beide Staaten haben weiterhin gigantische Wachstumspotenziale und insbesondere von China ist zu erwarten, dass sie sich mittelfristig zur neuen USA entwickele. Bemerkenswert war aus Unternehmersicht und gemäß einem Report der Weltbank, dass die Einfachheit, in diesen beiden Staaten Geschäfte aufzunehmen und zu betreiben, auf den hinteren Plätzen landete. Hier zeigt sich ein großer Vorteil Thailands, das in diesem Zusammenhang klar vor beispielsweise Deutschland liegt. Herausforderungen für die hiesige Wirtschaft seien insbesondere die aktuellen politischen und sicherheitsrelevanten Risiken, die Volatilität der Finanzmärkte und auch die Anfälligkeit von Konsumenten und des Geschäftsvertrauens. Daneben droht zunehmend Gefahr von Niedriglohnkonkurrenten. Dieser müsse mit hoher Innovationskraft und Produktivität begegnet werden, damit Thailand als wichtiger ASEAN-Staat ein attraktiver Standort bleibt.

Bedeutung und Möglichkeiten der Absicherung gegen Währungsrisiken

Im zweiten Vortrag kam Frau Dr. June Jungyeon Yoon aus Singapur nochmals auf die Wechselkursentwicklung zwischen Euro und Thai-Baht zurück. Betrachtet man die letzten fünf Jahre und den durchschnittlichen Wechselkurs von 47,4 mit seinen Ausschlägen bis zu 53,65 (Juli 2009) und 39,44 (Juli 2007) sowie 38,91 (Juni 2010) gekoppelt mit der unklaren Prognose für die kommenden Monate, so ergibt sich erhebliche Unsicherheit. Da die Frage der Möglichkeit und Notwendigkeit einer Absicherung gegen solche Schwankungen, das so genannte Hedging von Risiken, die anwesenden Manager in Thailand unmittelbar in ihrem Tagesgeschäft betrifft, ergab sich hierzu ein sehr interessierter Gedankenaustausch, der schließlich aus Zeitgründen abgebrochen werden musste. Herr Schmoelz berichtete, dass ein bekannter internationaler Markenartikler nach Durchführung einer internen Studie über die vergangenen 25 Jahre zum Entschluss gekommen sei, das Hedging von Währungskursrisiken aus Kosten-/Nutzen-Aspekten nicht weiter zu betreiben. Für die meisten Manager in Thailand stellt sich diese Frage jedoch nicht. Stattdessen gilt es – gerade auch aus Country-CEO oder COO Perspektive – die betroffenen Cash Flows entsprechend abgesichert zu wissen. Hierzu sind grundsätzliche Fragen zu klären, wie welche Zahlungsströme überhaupt gesichert werden sollen, vor welchem Zeithorizont dies zu leisten ist (quartalsweise, auf 3-Jahres-Sicht etc.), wann dies geschehen soll, bzw. ob tranchenweise vorgegangen werden und auf welche Weise gehedged werden soll. Grundsätzlich bieten sich mehrere Vorgehensweisen an, die entlang Kosten- und Flexibilitätserwägungen sowie Kapitalbedarf und buchhalterischer Überlegungen abzuwägen sind. Von unbedingten Termingeschäften, so genannten Forwards, die geringe Flexibilität aber höchste Sicherheit bieten, da der Wechselkurs bereits zum Abschlussdatum bekannt ist, bis hin zu verschiedenen Optionstypen wurde eine große Bandbreite von möglichen Finanzprodukten besprochen, aus denen eine individuelle Lösung zusammengestellt werden kann.

Finanzierungsalternativen

Anschließend wurde der Blick von Unchana Chaiyakul (verantwortlich für die Betreuung internationaler Kunden) auf den Aspekt der Finanzierungsalternativen gerade ausländischer Unternehmen in Thailand gerichtet. Den simpelsten Fall stellt sicher das konzerninterne Darlehen dar, bei dem jedoch auch bereits Aspekte wie Dokumentenerfordernisse nach lokalem Recht sowie Währungs- und Länderrisiken beachtet werden sollten. Den Schwerpunkt bildete der Produktbereich der Handelsfinanzierung (Trade Finance), der nicht zuletzt in Folge der Finanzkrise ein Revival erlebt hat. Hier steht der international handelnde Unternehmer vor zahlreichen Alternativen – im Rahmen derer die Deutsche Bank vielfältige Unterstützung, nicht nur im Produktbereich, sondern auch der prozessualen Durchführung über ihre EDV-Systeme bereitstellt, die ihr Top-Bewertungen in 13 asiatischen Staaten eingebracht haben und sie insgesamt zur Nummer 2 in diesem Bereich in Asien haben werden lassen. Neben Trade-Finance-Produkten haben im Bereich der grundsätzlichen Unternehmensfinanzierung in Asien gerade Unternehmensanleihen, wie sie auch in Europe zunehmend durch große Unternehmen ausgegeben werden, hohen Marktzuwachs erfahren. Ein Grund hierfür ist das in einigen Staaten im Überfluss vorhandene Sparvermögen der Anleger und die Möglichkeit für das Unternehmen, sich auf die gewählte, lokale Währung zu beschränken. So wurde Korea als Beispielsland genannt, aber auch herausgestellt, dass das Verfahren zur Ausgabe von Unternehmensanleihen durchaus aufwändig ist, und selbstverständlich unter Platzierungsgesichtspunkten diese Finanzierungsform nur für wenige bekannte Unternehmen in Frage kommt. Auch hier wurde eifrig zu Themen wie Kreditvergabeprozessen oder auch Liquiditätsmanagement und seinen Einschränkungen in Thailand diskutiert. Nach ausführlichen und engagierten Diskussionen beendete Manfred Schmoelz die Auftaktveranstaltung dieser neuen Reihe von Roundtable-Gesprächen. Für die hochkarätigen Teilnehmer ging ein informativer Gourmetabend zu Ende.

Dr. Ron Engel und Mark Sonntag


GLOBALE WIRTSCHAFTSAUSSICHTEN Deflationsrisiko überbewertet • Der derzeitige Abwärtstrend der Kerninflation ist lästig, erfahrungsgemäß sollte sich dieser jedoch bald umkehren und die Inflation wieder ansteigen – solange sich die Wirtschaft weiter, wenn auch schleppend, erholt. • Unsere Analyse zeigt, dass sich die Beziehung zwischen wirtschaftlicher Flaute and Kerninflation, die in den 90er Jahren stark abgenommen hat, in den letzten Jahren wieder deutlich verstärkt hat. Allerdings scheint sich auch die Beziehung verändert zu haben: „Speed”-Effekte werden zunehmend wichtiger als „Gap“-Effekte. Der positive Effekt der Inflationsflaute ist demnach wichtiger als der negative Effekt des Konjunkturrückgangs selbst. Die Inflation wird also wieder ansteigen, sobald sich die steigende Arbeitslosenrate verringert.  • Die Strategie der US-Fed, Zinsen langfristig niedrig zu halten, könnte also demnächst verkürzt werden, sollte es klare Anzeichen für einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung geben. Wirtschaftswachstum in Asien stärker als erwartet • Inmitten des steigenden Pessimismus über die globalen Wirtschaftsaussichten bieten wir drei Prognosemethoden für das Wirtschaftswachstum in Asien in Q2 und Q3 an: Unsere eigenen Vorhersagen, Einschätzungen des Q2-Wachstums durch unsere gesamtwirtschaftlichen Momentum-Indikatoren, sowie Einschätzungen des „Kapitalmarktes“ für Q2 und Q3. Unsere Wachstumsprognosen scheinen jedoch noch immer etwas zu zurückhaltend zu sein. Die Momentum-Indikatoren lassen auf positive Überraschungen hoffen. Trotz aller Double-Dip-Ängste zeigt die Preisbildung in Asiens Kapitalmärkten einen Rückgang in Q3, jedoch stärkeres Wachstum als zunächst erwartet. • Unsere Prognose für das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts haben wir auf 9,6% (2010) bzw. 8,6% (2011) abgewertet. Deutsche Bank Thailand Deutsche Bank AG Bangkok Branch Athenee Tower Levels 27-29 63 Wireless Road Lumpini, Pathumwan Bangkok 10330 Tel: +66 (0) 2646 5000

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