Interview:

Morgenröte an Thailands Wirtschaftshimmel

Es geht besser als viele glauben


Noch immer gemahnen Bauruinen in Bangkok an den Zusammenbruch der asiatischen Wirtschaft vor zehn Jahren. – Das Klima hat sich seit der Asienkrise längst erholt und so ragen heute nebst Wolkenkratzern auch wieder Baukrane in die Morgenröte von Thailands Konjunktur.
Thailands Wirtschaft hat sich erholt. Allerdings folgen diesem Satz meist verschiedene wenn und aber, trotzdem gilt Thailand heute aus Sicht von Wirtschaftsfachleuten wieder als sinnvoller Platz für Investitionen. Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von fünf Prozent hat Thailand seit 1997 Stabilität bewiesen. Schwankungen und Unsicherheiten haben aber vor allem in den letzten zwei Jahren viele Anleger verunsichert. Zu Unrecht, findet Stefan Bürkle von der Deutsch-Thailändischen Handelskammer im Interview mit mit dem THAIZEIT Magazin.

THAIZEIT: Die Absetzung der Regierung Thaksin, die darauf folgende vom Militär eingesetzte Regierung und der gleichzeitige Wirtschaftsboom in den Nachbarländern hat Thailands Ruf für Investoren in den letzten zwei Jahren geschadet. – Ist  Thailand denn überhaupt noch attraktiv als Wirtschaftsstandort?

Stefan Bürkle: Selbstverständlich ist Thailand nach wie vor sehr attraktiv. Ich kann nicht verstehen, weshalb Thailand von ausländischen Investoren als weniger attraktiv gesehen werden kann als beispielsweise China oder Vietnam. Sicherlich liegt es an den negativen Schlagzeilen, die es regelmäßig in die internationalen Medien schaffen. Doch hat dies in Tat und Wahrheit wenig mit der realen Situation vor Ort zu tun.

THAIZEIT: Wie sieht diese Situation aus?

Stefan Bürkle: Wenn man im Moment die echten Investitionen anschaut, sind diese sehr hoch. Es gibt ein extremes Wachstum an direkten Investitionen. – Also muss man doch sagen, dass all die negativen Dinge, die über Thailand geschrieben werden, offenbar von den Firmen, die hier investieren anders wahrgenommen werden. Es ist allerdings auch klar, dass das Wachstum in Thailand noch viel größer sein könnte, wären da nicht die politischen Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit. Sicher muss man aber klar sehen: Ein Wachstum von rund 4,5 Prozent ist doch ganz respektabel, nicht?

THAIZEIT: Die politischen Turbulenzen, die Sie ansprechen haben mit der neuen Verfassung, die Thailand im August angenommen hat, ein erstes Ende gefunden. Welchen Einfluss hat denn diese neue Verfassung auf die Wirtschaft des Landes?

Stefan Bürkle: Sie hat indirekt einen sehr positiven Effekt, ada sie sicherlich stabilisierend wirkt. Alles was nach Stabilität aussieht, ist immer gut für die Wirtschaft Man kann daran auch erkennen, dass man auf dem Weg der politischen Entwicklung einen Schritt weiter gekommen ist. Allerdings haben wir schon bald nach dem Putsch gesehen, dass Thailands Wirtschaft nie wirklich großen  Risiken ausgesetzt war.

THAIZEIT: Die neue Verfassung bildet ja auch die Grundlage für die Wahlen, die für Ende des Jahres anberaumt sind. Ist von diesen Wahlen ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung zu erwarten?

Stefan Bürkle: Ich gehe davon aus, dass mit einer gewählten Regierung auch wirtschaftliche Pluspunkte zu verzeichnen sind, da eben mehr Stabilität ins Land kommt. Mit einer neuen Regierung werden automatisch auch wieder größere Investitionsprojekte von staatlicher Seite vorangetrieben, was im Moment mit der Übergangsregierung richtigerweise etwas vorsichtiger angegangen wurde.

THAIZEIT: Zum Beispiel?

Stefan Bürkle: Ich sehe gute Chancen für neue Bahnprojekte in diesem Land. Ob Nah- oder Fernverkehr, da ist noch viel Potential für eine neue Regierung. Auch im Straßenbau rechne ich mit weiteren größeren Investitionen in den nächsten Jahren, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.

THAIZEIT: Was kann man denn aus wirtschaftlicher Sicht als Ausländer von einer neuen Regierung erwarten?

Stefan Bürkle: Was wir uns sehr stark erhoffen ist, dass man zurück findet zu einer echten Offenheit gegenüber Ausländern, die hier investieren wollen. Konkret hoffe ich, dass die geplante – von manchen als Verschärfung interpretierte – Änderung des so genannten „foreign busines act“ zu den Akten gelegt wird. Allerdings wurde da ja auch übertrieben, was die Folgen dieser Änderung angeht. Aber der Eindruck in der internationalen Presse zählt eben. Wünschenswert wäre auch, dass die geänderten Einreise- und Arbeitsbestimmungen, die unter der jetzigen Regierung gemacht wurden, wieder einfacher werden. Ich hoffe auch, dass die neue Regierung beim Immobilienerwerb die Bestimmungen wieder ein bisschen lockert. Gerade in dem Punkt haben die Nachbarländer heute einen Vorteil und Thailand großen Nachholbedarf.

THAIZEIT: Wie steht denn Thailands Wirtschaft heute wirklich da? Beispielsweise im europäischen Vergleich?

Stefan Bürkle: Man  darf Thailand nicht unterschätzen: Thailand ist heute die Nummer 21 der Welt. Oder anders gesagt haben nur gerade fünf  der 27 EU Staaten eine grössere Wirtschaft. Sie können heute in Thailand übrigens auch nach wie vor günstiger produzieren als in Vietnam oder China. Vor allem gilt aber: In Thailand haben sie eine bessere Rechtsstruktur, die im Normalfall auch besser greift als in den neuen Märkten. Was man nicht vergessen darf, ist Thailand als lokaler Markt. Auch der ist heute höchst spannend. Das Land ist nicht nur Absatzmarkt für Kapitalgüter, sondern ein immer größer werdender Markt für eine heimische Bevölkerung die Geld hat und dieses auch ausgibt. Somit ist Thailand zum Beispiel auch für den Tourismus in umgekehrter Richtung immer wichtiger. Es gibt immer mehr Thailänder, die nach Europa in den Urlaub wollen.

THAIZEIT: Wenn Sie von Produktion in Thailand sprechen, spielt jedoch auch die Währung eine Rolle. Der Höhenflug des Baht hat die Produktionskosten in Thailand in den letzten Monaten stark verteuert. Ist hier eine Besserung für die Exporteure in Sicht?

Stefan Bürkle: Das ist so nicht völlig richtig. Klar ist der Baht stark. Aber vor allem gegenüber dem Dollar und nicht unbedingt gegenüber dem Euro. – Anders gesagt ist einfach der Dollar schwächer geworden und da wage ich im Moment nicht eine allzu schnelle Umkehr zu prophezeien. Was man zu dem Punkt aber auch sagen muss: Die Firmen, die den Schwankungen der Währung nicht standhalten, waren meistens sowieso schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig und die Firmen die wettbewerbsfähig sind, werden auch mit einem starken Baht gut überleben.

THAIZEIT: Sagen Sie mir als Vertreter der Deutsch-Thailändischen Handelkammer drei Gründe, warum ich in Thailand investieren soll und mein Geld nicht beispielsweise nach Vietnam oder China bringe?

Stefan Bürkle: Thailand ist eine herausragende Produktionsplattform für Exportgüter. Thailand hat aber auch einen großen lokalen Markt und Thailand hat eine sehr gute Infrastruktur und exzellente Mitarbeiter. Genau diese Sachen sind es übrigens, die wir als Handelskammer den Firmen immer wieder schmackhaft machen, zum Beispiel an zwei Messen im kommenden Jahr, in denen wir Deuschland und deutsche Produkte in Thailand präsentieren werden.

Pascal Nufer

Wie gefällt dir dieser Beitrag?

Keine Bewertung

Deine Meinung ist uns wichtig! Bewertung abgeben


Weitere interessante Artikel