Kinderzeit:

Machtspielchen und andere Geduldsproben

Gedanken zum Muttertag! In der heutigen Kolumne geht es um ein brisantes Thema das alle Eltern mal beschäftigt: Von Geduldspielen, Zerreißproben und Grenzentests ist die Rede.


Letztes Wochenende war es mal wieder soweit: „Nein, ich will noch nicht ins Bett!“ tönte es lautstark aus dem Kinderzimmer. „Ich will noch mit den Autos spielen”. Das kennen wir, da heißt es ruhig und vor allem konsequent bleiben, denn wer jetzt nachgibt, kann auch die kommenden fünf Abende auf dem Boden liegend Matchboxautos jagen.
Wir bieten unserem dreijährigen Sohn die Alternative an, ihm noch eine Geschichte vorzulesen – die dritte dieses Abends. Nach kurzem Zögern willigt er ein. Puh. Glück gehabt. Heute wenigstens. Denn das (kommunikative) Verhalten von Kleinkindern kann manchmal ganz schön unberechenbar sein – nicht nur wenn es ums Einschlafen geht:
„Erbsen finde ich doof”, „Geh weg, lass mich in Ruhe!“ oder „Mir ist langweilig”  – Das sind Sätze, die alle Eltern schon mal gesagt bekommen haben. Gesagt? Geschrien, geseufzt, gejammert, getrotzt und gefleht.
In nur wenigen Wörtern kann jede Menge Dynamit stecken. Und auf jeden Satz folgt in der Regel ein neuer – Sätze wie Ohrwürmer, die oft zu endlos langen Dialogen führen. Falls es überhaupt zu einem Dialog kommt!
Wir haben nämlich bei Anton dasselbe Phänomen des selektiven Hörens beobachtet, das auch meine schwerhörige Oma Luise oft zu ihrem Vorteil ausnutzt. Sie und Anton hören nämlich einfach nur das was sie gerne hören wollen: Die Bitte „Kannst du mal deine Spielsachen wegräumen” oder „Zieh dir deine Schuhe an, wir wollen einkaufen fahren” wird einfach übergangen.
Während auf der anderen Seite Sätze, welche die Zauberwörter „Geschenk, Bonbon und Geheimnis” enthalten, wenn auch nur leise geflüstert, sofort eindeutig verstanden werden. Ein Wunder?  Nein, Anton hört nur dann schlecht, wenn ich was von ihm will oder wenn ich was von ihm nicht will, dass er aber will (etwa mit klebrigen Schokoladenfingern durch die Wohnung laufen).
Es gibt sogar Elternratgeber, die sich mit den verschiedenen Stadien von Erziehungstaubheit beschäftigen: Ganz wichtig sei es mit den Kindern in einem freundlichen aber bestimmten Ton zu sprechen, heißt es da. Oder beim Aussprechen von Ge- und Verboten den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Leichter gesagt als getan. Denn ganz ehrlich: wenn Anton zum dritten Mal in Folge das Nutellabrot absichtlich auf den Boden wirft, fällt es mir einfach schwer freundlich zu bleiben.
Die Frustrationstoleranz meiner deutschen Freundin, Claudia, (Mutter von zwei Kleinkindern) ist ähnlich niedrig, deshalb baut sie auf folgende Strategie: „Wenn gar nichts mehr geht und die Kinder überhaupt nicht auf mich hören, gehe ich ins Wohnzimmer und schließe einfach für fünf Minuten die Tür hinter mir zu. Danach läuft wieder alles glatt.”.
Pariyaporn, meine thailändische Arbeitskollegin und Mutter einer vierjährigen Tochter, sieht das Ganze recht pragmatisch: „Na ja, Kinder lieben einfach Wiederholungen. Ich spiele jeden Nachmittag mit meiner Kleinen eine Stunde lang Puppenhaus und abends will sie immer Reis mit Gemüse. Da wäre es doch komisch, wenn ich Sätze wie Räum-dein-Zimmer-jetzt-auf nur einmal sagen müsste, oder?”
Stimmt eigentlich!
Ute Bäuchl

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