Shanghai:

BETTER CITY, BETTER LIFE

Shanghai bereitet sich auf die EXPO 2010 vor. Grund genug für THAIZEIT, die chinesische Metropole einmal selbst zu besuchen.


Hitze strömt mir entgegen. Ich steige die Treppen aus der Metro hoch und sehe überall Wolkenkratzer. Menschen laufen wie aufgewirbelt um mich herum. Baukräne ragen aus dem Boden und fleißige Bauarbeiter schweben ohne Sicherheitsgurte in Höhen, in denen mir vom Hinschauen bereits schwindelig wird. So schnelllebig und hektisch begrüßt mich der Wirtschaftsmittelpunkt von China. Willkommen in Shanghai!
Die 18-Millionen-Einwohner Stadt gehört zu den Mega-Cities der Welt und bereitet sich momentan mit großen Schritten auf die Expo 2010 vor. Daher sprießen Gebäude nur so aus dem Boden und es gibt kaum eine Baustelle, auf der nicht auch nachts gearbeitet wird. Shanghai hat sich Großes vorgenommen: „Better City, Better Life“ ist das Thema der Weltausstellung. Mit diesem Motto soll sich die Expo 2010 dem Wunsch der Menschheit nach einem besseren, urbanen Leben widmen.
Kein Wunder, dass Shanghai ein gutes Vorbild sein möchte. Das Maskottchen der Expo, Haibao, steht an fast jeder Straßenecke und ist kaum zu übersehen. Die blaue Figur, die etwas dem Aussehen eines Zahnes gleicht, soll der Botschafter für die Expo werden und die chinesische Kultur symbolisieren.

POSTKARTENKULISSE VON PUDONG


Ich bin gespannt, was mich in dieser Stadt erwartet und verschaffe mir am ersten Tag erst einmal einen Überblick. Und wo gelingt dies besser als auf einem Aussichtsturm, von dem man über die ganze Stadt schauen kann. In Pudong, dem Wirtschafts- und Finanzzentrum Shanghais, steht der Oriental Pearl Tower, von dem man tagsüber den schönsten Blick über die Stadt hat. Mit 468 Metern ist das Gebäude der höchste Fernsehturm Asiens.
Ich reihe mich in die lange Warteschlange vor dem Tower ein, sehe nur Chinesen um mich herum und frage mich, wo die westlichen Touristen sind. Jedenfalls macht es mich hier zur Sensation, dass ich die einzige „Langnase“ bin. Eine kleine Chinesin traut sich zuerst, lässt sich mit mir fotografieren und wird schließlich zu meinem Schatten. Anscheinend verlieren die Chinesen so langsam die Hemmschwelle, und so ende ich auf etlichen Familienfotos und Videos. Europäer sind hier wohl noch eine Seltenheit, denke ich verwundert. Ich versuche den neugierigen Blicken zu entfliehen, indem ich mir aus der Vogelperspektive ein Bild von dem explosionsartigen Bauboom mache, für den Shanghai seit den 1990er-Jahren so bekannt ist.

LEBHAFTE UFERPROMENADE


Nach meinem Ausflug auf den Fernsehturm verweile ich noch ein wenig in Pudong. Hier reihen sich zahlreiche Shopping-Center und Bürogebäude aneinander. Die Menschenmassen treiben mich bald weiter bis zur Uferpromenade des Huangpu-Flusses. Eine Fähre bringt mich schließlich zu dem so genannten Bund, der westlichen Uferpromenade – dem bekanntesten Wahrzeichen Shanghais. Von hier habe ich einen überwältigenden Blick über Pudong. Der Oriental Tower, auf dem ich eben noch stand, das World Financial Center, das höchste Gebäude Chinas mit 492 Metern, und der Jin Mao Tower, das mit 421 Metern zweithöchste Gebäude Chinas, bieten eine wahre Postkartenkulisse. Das World Financial Center wird wegen seiner Form von den Chinesen auch „Flaschenöffner“ genannt.
Früh am nächsten Morgen zieht es mich wieder an den Bund. Bei Sonnenaufgang versammeln sich hier viele Einheimische zum Tai-Chi (Schattenboxen), zum Tanz oder zum Drachensteigen. Eine ganz besondere Atmosphäre herrscht dann hier, bevor die vielen Souvenirhändler und Touristen den Bund bevölkern. Als ich am Fluss stehe und die Chinesen bei ihrem Frühsport beobachte und die Gelassenheit bewundere, die sie dabei ausstrahlen, fängt es plötzlich an zu regnen und ich mache mich auf die Suche nach einem Shopping-Center, in dem ich Unterschlupf finden kann. Doch stattdessen nehme ich die falsche Abzweigung und gerate mitten in die sogenannte „Alte Chinesenstadt“.
Unbekannte Gerüche von den Garküchen strömen mir entgegen. Ich laufe durch die Gassen und sehe Menschen, die auf der Straße liegen und schlafen. Kein Tourist weit und breit. Ich versuche meinen Gesichtsausdruck neutral zu halten, mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr mich die widrigen Lebensumstände hier aufwühlen. Die Wäsche hängt vor den Fenstern. Ich dränge mich durch die vielen Menschen. Hunde irren durch die Gassen, hier und da laufen auch Hühner durch die Gegend. Die haben sich wohl auch verlaufen, denke ich nur.

ARMUT UND REICHTUM LIEGEN NAH BEIEINANDER


Es bewegt mich, wie arm die Menschen hier sind, und unter welchen Umständen sie hier Tag für Tag leben. Auf einmal scheint meine Heimat Deutschland noch weiter in die Ferne zu rücken. Nur chinesische Schriftzeichen sind auf den Straßenschildern zu lesen und niemand spricht Englisch – der Ausweg aus diesem Viertel wird mir nicht leicht gemacht. Nach einer halben Stunde weiterem Irren durch das ursprüngliche China: Endlich ein Straßenname in lateinischer Schrift! Schnell meinen Stadtplan gezückt, mache ich mich auf den Weg in die bekannte Shopping-Meile Nanjing Donglu, mit allen namhaften Marken und einem funkelnden Meer aus Neonreklamen. Erschöpft, nass vom Regen, und gleichzeitig noch ganz aufgewühlt von den vielen interessanten Eindrücken, atme ich erleichtert auf, als ich das erste pompöse Shopping-Center erblicke. Größer kann der Kontrast wohl kaum sein! Nur eine viertel Stunde Fußweg trennt mich von den armen chinesischen Vierteln und dieser Luxus-Shopping-Meile. Armut und Reichtum liegen in Shanghai nah beieinander.
Während ich noch darüber nachdenke, dass auch das chinesische Viertel bald dem Fortschritt und modernen Hochhäusern weichen muss, werde ich von einem Hupen aus meinen Gedanken gerissen. Ganz von der deutschen Mentalität geprägt habe ich nämlich eine Straße bei einer grünen Ampel überquert – anscheinend ein fataler Fehler in der Mega-City. Denn hier fahren Autos und Mopeds bei jeder Ampelfarbe über die Kreuzung. Schnell lerne ich, nur noch inmitten von Chinesen die Staße zu überqueren – dann fühle ich mich sicherer. Ich passiere den People’s Square, den größten Platz der Stadt und einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Shanghais, und entdecke ein idyllisches Bild: Inmitten des Chaos, zwischen hupenden Mopeds und aufbrausenden Motoren, sitzen Vater und Sohn auf einem kleinen Stück Rasenfläche, die, unbeirrt von dem Lärm, in dem ich kaum mein eigenes Wort verstehe, Schach spielen. Ganz zufrieden sitzen sie auf ihren kleinen Plastikstühlen über das Schachbrett gebeugt. Ich beobachte schmunzelnd dieses seltene Bild in der hektischen Stadt.

EINE OASE DER RUHE INMITTEN DER STADT

Am nächsten Tag besuche ich die Altstadt, bekannt unter dem Namen Nan Shi. Diese ist der traditionellste und am längsten besiedelte Teil Shanghais. Im Gegensatz zu den Vierteln, in denen ich gestern war, ist es hier deutlich touristischer. Hier entdeckt man das alte Shanghai mit seinen gewundenen Gassen, den roten Lampions, schönen traditionellen hölzernen zweistöckigen Häusern, kleinen lokalen Märkten, und den Handwerkern, die ihre Dienste auf der Straße anbieten. Inmitten der Altstadt steht der daoistische Stadtgott-Tempel, der die Stadt beschützen und den Einwohnern Wohlstand, Frieden und Glück sichern soll. Zwar lange kein Geheimtipp mehr, da sogar schon Queen Elizabeth II. und Bill Clinton hier zu Gast waren, aber dennoch sehenswert ist das Huxin Ting Teehaus am Hauptplatz. Hier kann man den schönen Ausblick auf den kleinen Teich bei einer Tasse gutem Tee genießen. Über die Neun-Biegungen-Brücke gelange ich in eine Oase der Ruhe: Der Yu Garten aus der Ming-Dynastie, der zwischen 1559 und 1577 im Stil chinesischer Parkanlagen erbaut wurde. Pan Yunduan erbaute den „Garten der Zufriedenheit“, um seinen Eltern einen schönen Lebensabend ermöglichen zu können. Der Garten gehört mit seinen zwei Hektarn zu den berühmtesten Gärten Chinas. Hier kann man an einem riesigen Goldkarpfen- und Seerosenteich entspannen und die Jade-Felsen bestaunen.

DIE HÖCHSTE BAR DER WELT

Meine Reise begann auf einem Aussichtsturmund soll auch mit einem abschließendem Blick über die Stadt enden. Dieses Mal bei Dunkelheit und von der höchsten Bar der Welt, der Cloud 9 Bar im Grand Hyatt Hotel des Jin Mao Towers, im 87. Stock und mit Ausblick auf das Lichtermeer Shanghais. Nach einem für chinesische Verhältnisse vollkommen überteuertem Cocktail, der höchsten Bar der Welt aber angemessen, schaue ich noch einmal über die Skyline und den Huangpu-Fluss und verabschiede mich auf diesem Wege von der Stadt. Mein Flieger erwartet mich am nächsten Morgen.Auf Wiedersehen, Shanghai!

Katarina Trost


ANREISE Cathay Pacific fliegt mehrmals täglich über Hong Kong nach Shanghai. Hin- und Rückflug ab 14.000 Baht. Thai Airways fliegt zweimal täglich nach Shanghai. Hin-und Rückflug ab 19.000 Baht. HOTEL MAGNIFICENT INTERNATIONAL HOTEL ab 1.500 Baht, 15 Minuten Fußweg zum People’s Square und 40 km vom Flughafen Pudong entfernt. No. 381 Xizang South Road, Shanghai Tel: +86 (0) 21 53 83 85 88 Fax: +86 (0) 21 5383 6588 www.magnificenthotelshanghai.com EXPO 2010 Die Weltausstellung findet vom 1. Mai bis zum 31. Oktober in Shanghai statt. Über 200 Nationen und zahlreiche Organisationen werden auf dem Gelände erwartet. Der deutsche Pavillion wird unter dem Motto „Balancity – Balance der Stadt“ und der thailändische Pavillion unter dem Motto „Thainess – Sustainable Ways of Life“ stehen.

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