Spagat zwischen Öko und Luxus:

Laos’ Boutique-Hauptstadt Luang Prabang

Eine Stadt im Spagat zwischen Öko-Tourismus und luxuriöser Gemütlichkeit.


Als der Begriff „Boutique-Style” einst in den Reise-Glossar aufgenommen wurde, war Laos für Ausländer noch gar nicht zugänglich – erst 1989 wurden die Grenzen zur Außenwelt vorsichtig geöffnet. Dennoch wirkt die ehemalige Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik heute als habe man das Wort eigens für Luang Prabang erfunden und man kommt beim Beschreiben der Tempelstadt gar nicht mehr ohne das Modewort aus: Mit Thailands Boutique-Airline Bangkok Airways nach einem Direktflug gelandet, sitze ich wenig später in einem der vielen Boutique-Hotels, in dessen Spa ich eine Massage genieße. Anschließend mache ich einen Boutique-Ausflug im Minivan mit deutschsprachigem Reiseführer und kann mir am Nachmittag dank eines Boutique-Mittagessen die Grundlage schaffen für den späteren Besuch der angesagten Boutique-Bar. Einzig einen Boutique-Tempel suche ich vergeblich, auch wenn Wat Phousi bei Sonnenuntergang schon ganz nah dran ist – doch immer der Reihe nach!

Den Plastiktrend verpennt

Die Bezeichnung „Boutique”, wenn auch nicht exakt definierbar, steht im Tourismus für eine freundliche, familiäre Atmosphäre, in der Reisende mit Vornamen angesprochen werden und eine individuelle Betreuung erfahren. Boutique-Hotels oder -Resorts sind von überschaubarer Größe und in einem außergewöhnlichen, geschmackvollen Stil erbaut und eingerichtet. All dies sind Kriterien, die auch auf Luang Prabang zutreffen: Mit 25.000 Einwohnern mehr ein großes Dorf als eine Stadt fallen seine Einwohner durch ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit auf. Der Ort wird bestimmt von jahrhundertealten Tempeln und kleinen Villen aus der Kolonialzeit, die ihm einen ganz eigenen Charakter verleihen. Luang Prabang ist eine alte Siedlung mit einer „gewachsenen” Atmosphäre und hat auf kleinen Raum viele Geschichten zu erzählen Diese Mischung aus Tradition und Absorption fremder Einflüsse geben Luang Prabang seine Identität und sie ist es, die sich in den Fusion- und Boutique-Konzepten der örtlichen Tourismusindustrie widerspiegeln. Als in den frühen 90er Jahren haufenweise Plastikstühle und Betonbunker in den asiatischen Urlaubszielen auftauchten, war Laos noch im Dornröschenschlaf. Während Länder wie Thailand und Indien erst zehn Jahre später langsam auf natürliche Materialien umschwenken, wurde in Laos direkt auf Holz und Bast gesetzt. Luang Prabang lässt sich grob in zwei Gebiete einteilen: Die Altstadt auf der Halbinsel nördlich des Mount Phousi und die für Besucher wenig interessante Südhälfte, in der nur wenige der über 30 Tempel stehen. Die Tatsache, dass die Halbinsel von der UNESCO 1995 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, bringt anspruchsvolle Reisende in die Stadt am Mekong. Das Ergebnis ist ein recht junges Angebot exklusiver Hotels und Gästehäuser, die meist in mehr oder weniger hochwertig restaurierten Kolonialbauten untergebracht sind. Hier wohnten die sogenannten „Lotus-esser”, französische Auswanderer die es sich besonders gut gehen ließen. Das Gebot der Erhaltung der historischen Bausubstanz verlangt förmlich nach Exklusivität.

Wohnen wie die Lotus-Esser

Und so lustwandelt der Freund gediegener Einrichtung und geschichtsträchtiger Architektur durch die fast autofreien Straßen der Altstadt und muss sich entscheiden, in welchem Tempel der Behaglichkeit er sich niederlassen soll. Die Abwesenheit baulicher Schandflecke macht es manchmal schwer, zu erkennen, wo die eine Boutique aufhört und die nächste beginnt. Das einladende 3 Nagas, mit der Bezeichnung „Boutique” bereits im Namen, schmiegt sich ins Straßenbild. Einzig der Startpreis von 105 Dollar hält uns vom sofortigen Einzug in das wohl hochwertigste Hotel auf der Halbinsel ab. Wir gönnen uns einen Hauch von Luxus in Form eines Cappuccinos im vorgelagerten Bistro während wir den Posteingang unseres Laptops auffüllen lassen, natürlich draht- und kostenlos. Wer es etwas jünger und leichter mag, genießt den Blick über den Mekong von seinem Balkon im etwas günstigeren Sala Prabang Riverside Hotel. Helles Holz und eine luftige Lobby laden ein zum Verweilen, die Gourmet-Küche unter dem Einfluss bekannter Michelin-Zauberer tut dazu ihr Übriges. Ebenfalls zum Sonnenuntergang über dem Fluss ausgerichtet sind die Terrasse und Balkone der französischen Auberge Le Calao, erbaut 1904 und keine 100 Meter vom Xieng Thong Tempel entfernt. Zeitgenössisch hergerichtet ist die kleine Ban Pack Luck Villa gegenüber vom L’Elephant. Das Erdgeschoss ist ein moderner, extrem offener Loungebereich, die sechs Zimmer im Obergeschoss haben private Balkone. Im adligen, doch zunächst unauffälligen Satri House versteckt sich sogar ein Pool im tropischen Garten. Natürlich gibt es auch günstige Gästehäuser, die vergleichsweise sauber und komfortabel sind. Das Merry No. 1 gehört einem Schweizer und liegt auf der Rückseite des Mount Phousi – nah zum Nachtleben der Stadt, falls man bei einer Sperrstunde um halb elf überhaupt von Nachtleben sprechen darf. Die Zimmer haben Balkone zum River Khan, der hier in den Mekong fließt, und eine gute Ausstattung. Das Rama Hotel und Le Tam Tam sind unspektakuläre Häuser und gehören mit 15 bis 20 Dollar pro Nacht zur unteren Mittelklasse. Das Chttna Guesthouse im alten Viertel kostet nur 12 Dollar – merklich tiefer gehen die Preise in der ehemaligen Königsstadt allerdings nicht. Wer noch mehr sparen möchte, kann versuchen, sich mit zwei Mitbewohnern ein Zimmer zu mieten, manchmal gelingt das ohne Aufpreis. Einige restaurierte Kolonialvillen bieten Zimmer um 30 Dollar, doch oftmals handelt es sich dabei um Räume im Neubau hinter dem Haus – durchaus komfortabel, doch ohne Holzdielen oder Balkon. Etwas teuer, wenn man für das gleiche Geld ein paar Straßen weiter auch im „richtigen” Altbau wohnen kann.

Gepflegter Müßiggang

Die offenbare Gemütlichkeit des laotischen Volkes lässt vermuten, dass es an alternativen Aktivitäten zu den obligatorischen Tempelbesuchen mangelt – doch weit gefehlt. Obwohl Luang Prabang in unser Buch als einer der besten Orte für den gepflegten Müßiggang eingeht, muss es keine Langeweile geben. Wer die Umgebung kennenlernen, aber seine Zeit nicht in der Touristenfalle „Buddhahöhle” und „Whiskeydorf” verschwenden möchte, kann eine zweitägige Bootstour über den Mekong bis zum Goldenen Dreieck buchen und unterwegs Dorfvölker besuchen. Doch auch innerhalb der Stadtgrenzen gibt es abwechslungsreiche und interessante Optionen. Das Tamnak Lao Restaurant bietet eintägige Kochkurse auch für Vegetarier an, die sich schon wegen der Rezepte und der Zutatenkunde lohnen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt auf acht Personen, eine Voranmeldung wird empfohlen. Wer noch mehr Einblicke in die Küche Laos’ gewinnen möchte, ist mit einer Tour über den Frischmarkt gut beraten: Das kleine aber feine Gourmet-Restaurant Tamarind stellt einen einheimischen Führer, der die vielen exotischen Zutaten und Gemüsesorten erklärt und die Geheimnisse der feinen Gewürze lüftet. Anschließend empfehlen wir eine sanfte Khmu Massage, um auch andere Einsatzgebiete der natürlichen Zutaten kennenzulernen. Zum Sonnenuntergang genießen wir im Café Mekong Fish am Flussufer ein kühles Beerlao zum gerösteten Seetang-Snack mit Sesam – köstlich! In Laos setzt die Reisebranche auf verantwortungsvollen Tourismus und damit auf die Zukunft. Bereits heute wollen vier Fünftel aller Deutschen in ihrem Urlaub keinen negativen Einfluss auf die Gastländer hinterlassen. Ökoreisen und nachhaltiger Tourismus sind die Stichworte und schon jetzt ist nicht zu übersehen, dass viele der alten Villen erst mit den Euros der Urlauber so liebevoll restauriert werden konnten. Wer die einheimische Kultur unterstützen möchte, findet in Luang Prabang reichlich Gelegenheit dazu. Sei es ein Besuch im Elephant Park Project, das die gefährdeten Tiere versorgt, Arbeitsplätze schafft, Schulen und Krankenhäuser unterstützt und aktiv gegen die weit verbreiteten Brandrodungen in Laos’ Norden vorgeht. In einem zweitägigen Mahout-Kurs kann man mit den Elefanten auf Tuchfühlung gehen. In Zeiten von Niedriglohnfabriken im Textilgewerbe bietet der Ock Pop Tok-Workshop einen Einblick in die einzigartigen Designs der Bergvölker. Seidenproduktion und Webtechniken werden in benachbarten Dörfern vorgestellt, wo Teilnehmer von den Bewohnern lernen – und mit dem Kauf der Produkte die Siedlungen direkt unterstützen.

Gute Aussichten

Die Zeichen deuten auf eine rosige Zukunft für das Land der vielen Bergkulturen, das scheinbar genau im richtigen Moment seine Tore zur Welt geöffnet hat. Und doch lässt sich ein bitterer Beigeschmack nie ganz vermeiden. Als Beispiel dient hier sicher die weltbekannte Morgenzeremonie Tak Bat, wenn die Mönche der über 30 Tempel der Stadt mit ihren Bettelkrügen durch die Straßen ziehen und Almosen einsammeln. Ein bezaubernder Brauch, wären nicht die Horden von Paparazzi mit ihren Kameras und Fotohandys, die sich und beinahe auch den Mönchen im Kampf um die besten Schnappschüsse regelrecht auf die Füße treten. Unser Tipp: Die Kamera im Zimmer lassen und friedlich in einer Seitenstraße hockend die Zeremonie beobachten, ohne dauernd durch die Mönche zu kreuzen. Manche Hotels bieten auch Gabenkörbe für eine aktive Teilnahme an dem Ritual. Wer allerdings keine religiösen Gründe hat, sollte davon absehen und lieber stiller Beobachter bleiben. Der Nachtmarkt auf dem unteren Teil der Sisavangvong Road gibt einen Einblick in die vielfältigen Handwerkstraditionen, die Preise sind allerdings gesalzen und Handeln unerlässlich. Wir steigen lieber die knapp 400 Stufen des Mount Phousi hinauf, auf dessen Spitze ein kleiner Tempel die Stadt überragt. Der Ausblick ist herrlich, die Stadt zu Füßen und die Silhouetten der Berge im Hintergrund. Kurz vor Sonnenuntergang versammeln sich hier viele Reisende und blicken über den Mekong. Die Mönche haben kurz zuvor das Feld geräumt, und es verbreitet sich so etwas wie ein „Café del Mar-Gefühl”, nur ohne Musik und Strand. Dafür mit der berechtigten Hoffnung, dass dieser kleinen Bergsiedlung niemals dasselbe Schicksal zuteil werden wird wie der zubetonierten Mittelmeerinsel.

Alexander Heitkamp


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