Thailands Drehkreuz zur Welt:

Der Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok (I)

Für Millionen Touristen im Jahr ist der Flughafen Bangkok- Suvarnabhumi der Ankunftsort im Urlaubsparadies. THAIZEIT schaut hinter die Kulissen und berichtet über die Arbeit im Hintergrund: Im Tower, in der Verwaltung – und in der Küche. Teil 1 unseres Airport-Specials.


Teil 1: Air Traffic Control Tower


Der Himmel in Bewegung


Die Flugverkehrskontrolle in Bangkok: Die knallharte aber lebenswichtige Arbeit der Fluglotsen.
BKK – Suvarnabhumi International Airport. Der Mega-Flughafen schläft nie. Wie eine Karussellfahrt ohne Ende. Hektik und Emotionen, überall Aktivität, scheinbar wirres Treiben. Tausende Taxen fahren vor und wieder ab, eine nicht enden wollende Reihe von Check-in-Schaltern, Schlangestehen bei den Beamten der Immigrationsbehörde, Einstieg in die Kabine. Überall Aktivität. Organisiertes Chaos. Irgendwie funktioniert es am Ende meist reibungslos.
Noch disziplinierter werden die Aktivitäten außerhalb des Flughafens gemanagt – auf dem Rollfeld, den Start- und Landebahnen und in der Luft. Ein Flughafen braucht ähnlich wie ein Seehafen Lotsen, um die Luftschiffe pünktlich und sicher zu manövrieren. Schwere Frachtmaschinen und voll besetzte Langstreckenflugzeuge müssen rauf gebracht werden und vice versa.

„Der Pilot steuert die Maschine, der Fluglotse weist ihm den Weg“ sagt Vorawut Raphiphan, der Boss der Suvanabhumi Flugverkehrskontrolle. Er ist der Guide unserer Tower-Besichtigung, die von den German Open Young Professionals organisiert wurde, die in der Bangkoker Expat-Gemeinde für ihre Networking-Veranstaltungen bekannt sind. Der grausilberne Turm thront zwischen den Parkflächen und dem Terminal. Mit 132,2 Metern ist das Alu- und Glas-Konstrukt der höchste Tower der Welt. „Das steht auch im Guinness-Buch der Rekorde”, so Khun Vorawut.

Knallharte Ausbildung

Suvarnabhumi, der zweite internationale Flughafen der Stadt, ist der modernste Airport in Asien. Jede Stunde starten und landen 51 Maschinen hier – Flüge fast im Minutentakt. Viel Arbeit für die 800 Mitarbeiter der Flugsicherung. 160 von ihnen sind Fluglotsen, die Hälfte davon Frauen. Wer dabei sein will, muss strenge Voraussetzungen erfüllen. Master-Hochschulabschluss, exzellenter Eignungstest. Nur die Besten kommen durch. AEROTHAI, die staatliche Fluglotsenakademie, bildet diese Elite dann fünf Jahre lang aus – in Theorie und Praxis. Sind alle Abschlussprüfungen bestanden, wird die Lizenz erteilt und der frisch gebackene Fluglotse wird entweder im Tower oder im Radarcenter eingesetzt. Im Radarcenter werden die Flugbewegungen außerhalb des Flughafenbereichs überwacht. Hier im vierten Stock sieht man zunächst nichts als Monitore. Nicht, wie in den Hollywood-Filmen, zum Beispiel in „Pushing Tin“ mit John Cusack und Billy Bob Thorton, sondern viel moderner und rein digital. Die wichtigsten Parameter wie Kurs, Flughöhe und Geschwindigkeit, werden als Linien, Grafiken und in Zahlen übersichtlich auf großen Schirmen angegeben. Sprechfunkkontakt mit dem Piloten: „Cathay Flight 713 clear for landing.” Oben im Turm arbeiten die Towerlotsen, zuständig für rund zehn Kilometer rund um die Station. Sie koordinieren per Sprechfunk den Flugverkehr und die Bewegungen auf dem Rollfeld, den Start- und Landebahnen. Sie wissen, welche Strecke wann nicht passiert werden darf, überwachen die Strukturen. Von hier oben herrscht eine phänomenale Sicht über die beiden 4.000 Meter langen Start- und Landebahnen, die Gebäude und die flache Umgebung des Flughafens. Ferngläser sind ein wichtiges Werkzeug hier oben. Ich sehe die grünen, schweren, gummiverstärkten Bushnell Permafocus 7x50 Binoculars. Adirek Mekchai ist gerade dabei, einen Airbus aus Brunei in die Startposition zu lotsen: „Brunei flight 516, wind 210 degrees, 5 knots, runway one-niner clear for take off.“ Später erzählt uns Khun Adirek, dass er im Schichtdienst arbeitet. „Nach zwei Tagen Arbeit sind zwei Tage frei”, sagt er. Zwölf Stunden Arbeit, vier Stunden Pause, zwei Stunden Arbeit, eine Stunde Pause ... und so fort.

3 Milliarden Baht investiert

Die Hardware ist hochspezielle Technik, unter anderem aus Deutschland. Radar- und Computersysteme, Backup- und Kontrollmaschinen. Der Kontrollturm und die Technik haben 3 Milliarden Baht verschlungen. Sicherheit geht vor. In Zukunft wird hier weiter aufgestockt: Neue Start- und Landebahnen, ein weiteres Terminal sollen gebaut werden. Ab 2015 sollen 100 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden. Die Flugverkehrskontrolle in Suvarnabhumi schläft nie. Wer einmal selber einen kleinen Einblick in die Arbeit der Fluglotsen gewinnen möchte, mag vielleicht den Simulator „ATC Tower” als Computerspiel ausprobieren. „Alpha foxtrot tango, clear for take off. Runway whisky niner ...”

John K. Lindgren

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