Vergnügungsviertel Patpong:

Bangkoks trauriges Gesicht

Wer in diesen Tagen über den berühmten Nachtmarkt schlendert, ist entsetzt. Wo sonst ein fröhliches Gewimmel herrscht, ist die große Traurigkeit eingezogen. Touristen bleiben aus, die Taschen der Thais sind leer. Was tut Thailand seinen Leuten an? Ein besorgter Kommentar.


Bangkok, 23.1.2014

"Denn sie wissen nicht, was sie tun...", möchte ich am liebsten laut hinausschreien! Nicht als Journalistin, sondern ganz privat, ganz persönlich. Damit meine ich speziell diejenigen, die als selbsternannte Drahtzieher der Macht vermeintlich "im Namen des Volkes" agieren, oder vielmehr "im Namen ihrer Anhänger". Es ist, als hätten die Engel die "city of angels" verlassen und den Weg frei gemacht für zwei "Rache-Engel", die ihren eigenen Krieg führen - ungeachtet derer, die am Ende die Leidtragenden sind. Das sind - abgesehen von Hotels, Restaurants und Ladenbesitzern - zum Beispiel die Straßenverkäufer. Patpong ist ein Spiegel dessen, was gerade im Alltag der Leute passiert, die dringend auf den Tourismus angewiesen sind. Leute, die ausschließlich vom Verkauf ihrer Waren leben, und deren Existenz gerade jetzt besonders bedroht ist, weil die Besucher wegbleiben. Ein echtes Drama für die Straßenhändler hier, denen im so viel gepriesenen "Land des Lächelns" eher zum Heulen zumute ist... 

Bittere Wahrheit im Vergnügungsviertel

Wer den berühmten Nachtmarkt kennt, erlebt ihn normalerweise als fröhlichen Treffpunkt. Beleuchtet von den Lichterketten der Buden und einigen sinnlichen Rotlicht-Tupfern dazwischen, treffen sich hier Einheimische, Expats, Bangkok-Urlauber und Durchreisende; sie sprechen, lachen und feilschen miteinander, dass es eine wahre Freude ist. Patpong - das ist ein ganz besonderer Melting Pot im Herzen der Stadt, an dem unterschiedliche Menschen aus allen Kulturen in den Abendstunden zusammenkommen, um regelrecht miteinander zu "verschmelzen". Nun, diese glücklichen Tage sind vorerst vorbei! "Don't go too close to the mob", warnte uns der Taxifahrer, als ich gestern Abend mit ein paar Freunden in das Stadtviertel Silom fuhr - Destination: Night Market. "Meidet die Meute!". Tatsächlich agieren und campieren neuerdings die Protestler nur wenige Schritte vom Nachtmarkt entfernt; schräg gegenüber bereiten sich Polizisten an einem Check-Point auf einen möglichen Einsatz vor. Wo sonst ein buntes Treiben zur Nachtordnung gehört, ist jetzt "tote Hose". Nur eingefleischte Bangkokianer wagen sich in diesen Tagen nach Patpong - und ein paar wenige Schnäppchenjäger, die aufgrund der Geschehnisse gnadenlos um weitere Reduktionen der ohnehin schon reduzierten Preise feilschen. "Wir sind hilflos", klagt eine frustrierte Taschen-Verkäuferin, "..ich habe kein Einkommen und kann meine Eltern nicht ernähren". Auch ihre Kollegen stöhnen angesichts der Menschenleere - eine Situation, die sich voraussichtlich auch nicht so schnell ändern wird. 

Fazit: Die Macht der einen führt zur Machtlosigkeit der anderen. Suthep Thaugsuban und Thaksin Shinawatra - schaut mal in die Gesichter Eurer Mitmenschen, bevor ihr ihnen "bessere Zeiten" versprecht!  

Nathalie Gütermann; Fotos: Nathalie Gütermann

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