Hakenkreuz-Tätowierung:

Das Hakenkreuz ist in Südostasien an vielen Orten zu sehen - es hat aber eine vollkommen andere Bedeutung als in Europa.

Die Sache mit dem Hakenkreuz

Der Besuch aus Deutschland knallte die Türe des Taxis zu. "Ein Thai-Nazi! Das ist unfassbar!".


Der Besuch war das erste Mal nach Südostasien gereist und auf Kulturschocks vorbereitet gewesen – einen thailändischen Taxifahrer mit einer Hakenkreuz-Tätowierung auf der Hand hatte er aber nicht auf der Rechnung gehabt.
Dazu hatte der Fahrer auch noch mitten auf einer vierspurigen Straße den Motor abgewürgt.
Bevor der Besuch die Fassung verlor, klärte ich ihn auf. Andere Länder, andere Sitten, andere Symbolik: Der Taxifahrer in Bangkok war nämlich nicht Anhänger einer kranken Ideologie, sondern gläubiger Buddhist. Die Bezeichnung für das Kreuzsymbol lautet Swastika, was soviel wie Glücksbringer bedeutet.
Lange bevor die Nationalsozialisten das Hakenkreuz als Erkennungszeichen einer so genannten "arischen Rasse" okkupierten, zierte das Symbol buddhistische Tempel. Als Tätowierung ist es bei Buddhisten beliebt, weil das Kreuz der Hoffnung Ausdruck verleiht, zum wahren Selbst zu gelangen.

Wie im Song von David Bowie


Man kann auch bei David Bowie nachschlagen. Der singt in dem Song China Girl von "Visions of Swastikas", die durch seinen Kopf schwirren und spielt dabei auf die Hakenkreuze an, die er auf den Straßen Fernosts sieht. In China und Taiwan ist das Hakenkreuz nämlich ein Symbol für vegetarische Restaurants.
Meinen Besuche konnte ich besänftigen: Der Thai-Nazi war gar keiner. Er hofft auf die Wiedergeburt und nicht auf die Endlösung. Unser Taxichauffeur in Bangkok war ein schlechter Autofahrer – ein schlechter Mensch war er nicht.
Christoph Stockburger

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