Hobbys:

Thailändische Verwaltungsbezirke

Das Internet hat seine Nischenthemen. Eines davon besetzt Andreas Hörstemeier. Er bloggt über thailändische Verwaltungsbezirke.


Mit Hemer fing für Andreas Hörstemeier alles an. Der Software-Entwickler fügte einen Eintrag über seinen Heimatort im nördlichen Sauerland auf Wikipedia ein. Einwohnerzahlen, Geschichte, Sehenswürdigkeiten; alle Fakten, die sich über Hemer finden ließen, listete er in der Internet-Enzyklopädie auf. Nach Hemer war ganz Deutschland dran: Zusammen mit anderen Enthusiasten verfasste er Einträge über alle Landkreise der Republik. Irgendwann waren alle der über 400 Kreise eingespeist. Was jetzt?
Hörstemeier ist mit einer Thailänderin verheiratet, also lag das nächste Ziel nahe. Surat Thani war der erste thailändische Verwaltungsbezirk, über den er Infos sammelte. Mittlerweile hat er auch sämtliche Provinzen des Königreichs erfasst. Begleitend dazu dokumentiert Andreas Hörstemeier auf zwei Internet-Blogs auch zusätzliche Informationen und die Recherche hinter dem Projekt.
Im Interview mit THAIZEIT erzählt er von den Orden, die er dafür schon erhalten hat, und wie er wegen eines Staus in Bangkok einen wichtigen Anruf verpasst hat.  

Herr Hörstemeier, woher kommt Ihre Begeisterung für thailändische Verwaltungsbezirke?

Angefangen hat es damit, dass ich 2003 Wikipedia entdeckt hatte, auf der damals noch viele Themen völlig unbearbeitet waren. Nachdem ich meine Heimatstadt verewigt hatte, begann ich mit der Heimatprovinz meiner Frau. Es blieb dann nicht bei der einen Provinz, und um mehr als nur eine Liste der Sehenswürdigkeiten zu schreiben, suchte ich dann auch die Details über die Verwaltung zusammen. Mit jedem Stückchen was ich verstanden hatte, kamen neue Fragen, und nach den 75 Provinzartikel dann schließlich auch die 927 Kreise als nächste Stufe. 2007 fing ich dann an, über das Thema zu bloggen.

Kann man das als Ihr Hobby bezeichnen?

Wenn ich bedenke, wie viel meiner Freizeit ich darin investiere, dann ist das ganz klar mein Hobby geworden – wenn auch natürlich ein sehr ungewöhnliches.

Wurden Sie von Wikipedia schon für Ihren Eifer gewürdigt?

Jain. Es gibt innerhalb der Wikipedia Orden, die man anderen verleihen kann, wenn man deren Arbeit würdigen will. Davon habe ich schon ein paar bekommen, aber wegen des doch sehr speziellen Themas blieb meine Arbeit eher unbemerkt. Beim ersten Wikipedia-Treffen in Bangkok – damals noch ohne Thailänder – war ich leider wegen des Staus zu spät und habe so den Anruf des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales verpasst.

Sie halten Ihre Einträge ständig auf aktuellem Stand. Wie kommen Sie an die Informationen?
Die meisten Informationen finde ich auf thailändischen Webseiten, insbesondere auf der Webseite der Royal Gazette, dem Gegenstück zum Bundesgesetzblatt. Die englischsprachigen Zeitungen Thailands haben leider nur sehr selten Artikel über diese Themen.
Ist man in Thailand schon auf Sie aufmerksam geworden? Ich habe durchaus auch thailändische Leser auf dem Blog, und auch über Suchmaschinen kommen viele der Zugriffe aus Thailand. Inwieweit das nun Thailänder oder in Thailand lebende Ausländer sind, weiß ich nicht, das meiste Feedback kommt jedenfalls von der zweiten Gruppe. Ob meine Aktivitäten auch schon von offizieller Seite bemerkt wurden, kann ich nicht sagen. Die meisten der Versuche meinerseits, mit den Behörden per E-Mail in Kontakt zu treten, blieben unbeantwortet. Zeitweise war ich auch mit der Tourismusbehörde TAT in Kontakt, als diese Wikipedia entdeckt hatte und dort für bessere Artikel sorgen wollte. Leider ist daraus nichts längerfristiges geworden.
Sie sind mit einer Thailänderin verheiratet. Was hält sie von Ihrer  Begeisterung für die Verwaltungsbezirke ihres Heimatlandes?
Sie hält mich schon für ein wenig verrückt, das ich mir so ein
seltsames Thema ausgesucht habe, freut sich aber, dass ich mich so für
ihre Heimat interessiere. Obwohl sie sich nicht für Politik
interessiert, unterstützt sich mich wenn ich mit meiner rudimentären
Sprachkenntnis nicht mehr weiterkomme, oder fährt in Thailand auch mal
einen Umweg, damit ich ein Verwaltungsgebäude fotografieren kann.
Sie haben noch einen anderen Blog, myunseenthailand.com. Wo liegt da der Schwerpunkt?
Da ich ja mittlerweile recht oft in Thailand war, habe ich neben den bekannten touristischen Attraktionen auch schon einige kaum bekannte Orte gefunden, die bestenfalls von thailändischen Touristen besucht werden. In Reiseführern findet man diese, wenn überhaupt, nur mit wenigen Sätzen abgehandelt, was ihnen aber nicht gerecht wird. In Anlehnung an die Unseen-Thailand-Kampagne von vor einigen Jahren beschreibe ich so meine eigenen Highlights, für mich selbst als Erinnerung und auch um anderen Reisenden Anregungen zu geben, was es in dem Land alles Unentdecktes gibt.

Christoph Stockburger

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