Kinderzeit:

Problem, Namensgebung

In der heutigen Kolumne geht es um die bedeutende Frage nach dem perfekten Namen für den Nachwuchs: Lilli, Leonie, Linus oder doch lieber Max?


Neulich im Deutschlandurlaub stehe ich bei Kaisers an der Kasse und warte. Vor mir eine Mutter mit Kleinkind, das gierig nach den Bonbons greift: „Lea Malente, bitte lass das”. Das Erstaunen über diese Namenskombination muss mir ins Gesicht geschrieben sein, denn als meine Müsliriegel ihre Reise auf dem Förderband beendet hatten, fragte mich die freundliche Kassiererin: „Ist Ihnen nicht gut?“
Doch, ich überlegte nur wo die Stadt Malente liegt. Ist da nicht Felicitas Woll aufgewachsen, die in der Vorabendserie „Berlin, Berlin” die Lolle spielte? Wieder so ein Name: Lolle!
Früher hießen deutsche Kinder ganz einfach Thomas, Christian, Tanja oder Nicole. Das ist heute anders. Bei Kindern dieser Generation übertrumpfen sich die frischgebackenen Eltern mit kreativen Namen.
Neben der Vorliebe zu Städtenamen (Paris, Sydney, Rom) sind seit einiger Zeit wieder Bibelnamen, von Noah über Joshua bis Samuel topaktuell. Trendbewusste wählen oft Namen wie eben Linus oder Leonie sowie fast alles andere mit „L“. Aber auch Finn oder Emily und natürlich Paul (oder Paula) sind heiß begehrt.
Das Ganze oft in Verbindung mit einem exotischeren Zweitnamen, wie Anakin, Rokko oder Shea. In weiser Voraussicht – denn wenn man heute auf einem Spielplatz ruft „Leon, komm doch  bitte vom Klettergerüst” fallen doch alle Kinder vom Gestänge wie reife Äpfel.
Das Vergeben von Zweit- beziehungsweise Spitznamen hat in Thailand Tradition: Neben dem offiziellen Namen, die häufig  aus dem Pali oder Sanskrit stammen, schön klingen und schwer zu merken sind, bekommt jedes Kind auch einen Spitznamen: Aus „Sirirathanacharoen” wird dann einfach „Pu” (Krebs) oder „Jirawara” nennt sich „Meaow”, was Katze bedeutet. Diese Namen stammen meist aus der Tier- und Pflanzenwelt und sollen böse Geister fern halten.
Der beste Freund meines Sohnes Luka (auf Platz drei der deutschen Namenshitliste) wird „Elefant” (Chang) gerufen. Und der Name ist Programm, weil er am liebsten wild trötend durch die Wohnung rast.
Auch der „Spielname” der Nachbarstochter „Kanom Pin” – zu Deutsch Nachspeise – passt perfekt zur vierjährigen „Tippawan”. Das Thaimädchen sieht mit ihren hübsch geflochtenen Zöpfchen und ihren großen Kugelaugen einfach so süß wie eine Erdbeertorte aus.
Vielleicht sollte man auch  in Deutschland – ganz nach thailändischer Sitte – zu Spitznamen greifen, um Verwechslungen jeder Art zu verhindern. Dann hätten es auch die Lehrerinnen in den Klassenzimmern später wesentlich leichter! Aus Jonas Nummer vier oder Hannah die zweite würde  „Schwein, komm doch mal an die Tafel“ oder „Apfel, hör bitte auf Papierschnipsel zu werfen. Das wäre doch was!
Ute Bäuchl

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