Klimaexperte:

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Ingo Puhl

Interview mit Ingo Puhl

THAIZEIT: Bangkok will grüner werden und hat dafür die Kampagne „Bangkok Cool“ gestartet. Macht so eine Kampagne denn Sinn, wenn eine Stadt umweltfreundlicher werden will?
Ingo Puhl: Auf alle Fälle. Man muss immer erst Aufmerksamkeit für ein Thema erzeugen auch damit es politisch funktioniert.

THAIZEIT: Bangkoks Gouverneur Apirak hat angekündigt, dass er innerhalb von fünf Jahren den Ausstoss von CO2 um 15 Prozent reduzieren will. Ist das eine realistische Zahl?


Ingo Puhl: Ich denke, leider nein. Im urbanen Bereich sind CO2-Emissionen sehr eng mit der zur Verfügung stehenden Infrastruktur verbunden: Straßen und Gebäuden mit sehr langen Kapitalumschlagszeiten. Da gibt es kurzfristig wenig zu holen. Wichtig ist aber das heute jede Infrastrukturentscheidung in Hinblick auf die damit verbundenen CO2-Emissionen gemacht wird.

THAIZEIT: Die Aktion setzt kurzfristig auf mehr Grünflächen. Längerfristig aber auch auf bessere Nahverkehrsmittel und weniger Verkehr. Sind das die richtigen Ansatzpunkte?

Ingo Puhl: Ja, denn Grünflächen sind gut weil sie den Wärmestau über Städten reduzieren. Wer in Bangkok wohnt weiß, dass Verkehr ein Riesenproblem ist. Kritisch ist aber die Anbindung der Menschen, beginnend von der Haustür und als Fußgänger.

THAIZEIT: Wo könnte denn Bangkok Ihrer Meinung nach noch mehr rausholen an Einsparungen von CO2-Ausstoß?

Ingo Puhl: Im Gebäudesektor gibt es große Potenziale: Solarthermisches Warmwasser, passive solare Gestaltung, bessere Regulierung der Kühlung. Hier könnten sowohl Anreizprogramme sowie Auflagen helfen.

THAIZEIT: Bangkok beteiligt sich mit diesem Vorstoß an einer Aktion von 15 Großstädten weltweit. Welche Rolle spielen denn die Städte in der Gesamtbilanz des globalen CO2-Ausstoßes?

Ingo Puhl: Eine große, und zwar weil dort viele Menschen leben. Durch die Wohndichte bedingt, lässt sich auf der CO2-Vermeidungsseite sehr viel machen.   

THAIZEIT: Nun zielt ja die Aktion des Bürgermeisters Apirak mit kleinsten Maßnahmen auch auf jeden einzelnen ab, indem sie beispielsweise Stromsparlampen propagiert oder Stofftaschen statt Plastiksäcke. Macht das denn wirklich Sinn?

Ingo Puhl: Es ist ein Anfang. Letztlich ist es jeder einzelne der sein Konsumverhalten ändern muss. Außerdem muss die Bevölkerung verstehen, warum dann auch härtere Maßnahmen nötig sind. Letztlich geht es aber nicht ohne Regulierung.  

THAIZEIT: Mit welchen Maßnahmen, die sinnvoll sind, kann man denn als Einzelperson zu weniger CO2-Emissionen beitragen?

Ingo Puhl: Viel Vegetarisches essen, insbesondere hier in Thailand fällt das nicht schwer. Wenn Fleisch, dann ist Fisch besser als Huhn,  dann kommt Rind oder Schwein. Kälter duschen, elektrische Geräte nicht auf „stand-by“ sondern auf „aus“, bewusst mit Energie umgehen und sich informieren, auch beim Kauf von weißer Ware. (pan)


Der Klimaexperte Ingo Puhl setzt sich seit über 12 Jahren mit Fragen des Klimawandels auseinander. Als Managing Partner der Firma Southpole, einem „Spin-off„ der ETH Zürich, ist er für den südostasiatischen Markt verantwortlich und wohnt selber in Bangkok. Southpole ist spezialisiert auf Finanzierungsmodelle für erneuerbare Energieprojekte und Energiesparen im industriellen Bereich. www.southpolecarbon.com

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