Onkel Boonmee und die Lindenstraße:

Onkel Boonmee, Hans w. Geissendörfer
Hans w. Geissendörfer

Interview mit Hans W. Geißendörfer

Ohne Hans W. Geißendörfer wäre Apichatpong Weerasethakuls Onkel Boonmee vielleicht gar nicht gedreht worden. THAIZEIT hat sich mit ihm unterhalten.


Hans W. Geißendörfer schätzt Kontinuität. Der 69-Jährige weiß wovon er spricht, schließlich hat er die Lindenstraße erfunden, Deutschlands Dauerbrenner im TV. Bei Onkel Boonmee war er als Produzent beteiligt. Nun freut er sich auf den nächsten Anruf von Apichatpong Weerasethak

Herr Geißendörfer, wie haben Sie davon erfahren, dass Apichatpong Werasethakul mit Onkel Boonmee die Goldene Palme gewonnen hat?


Die freudige Nachricht kam per Handy. Fünf Minuten nach Bekanntgabe der Juryentscheidung habe ich einen Anruf erhalten. Ich war in Griechenland in einem Restaurant und habe Zaziki und Tomaten gegessen.

Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?


Gerechnet nicht, aber Sie wissen ja: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Joey (Weerasethakuls westlicher Spitzname, die Red.) hatte ja bereits einige Erfolge in Cannes. Der Film wurde erst drei Tage vor dem Festival fertig und die Jury hat ihn trotzdem noch akzeptiert. Irgendwas werden wir schon kriegen, dachten wir. Dass es gleich die Goldene Palme wird, diese Hoffung existierte kühn in meinem Kopf. Ein Film wie Onkel Boonmee ist ja in der Finanzierung hochriskant und braucht Festivals, um überhaupt verkauft werden zu können. Wenn ein solcher Film auf Festivals nicht auffällt, hat der Rechteinhaber es schwer, ihn irgendwo in der Welt los zu werden. Wenn der Film aber einen Preis wie die Goldende Palme bekommt, kann man darauf hoffen, dass die investierten Gelder auch wieder zurückkommen.

Wie kam die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Joey überhaupt zustande?


Das geschah ungefähr drei Monate vor Drehbeginn von Onkel Boonmee, ich war selber in den Vorbereitungen für meinem eigenen Film. Da kam der englische Produzent Keith Griffiths von Illumination Films zu mir – wir wohnen in der selben Straße in einem Ort in Südengland – und sagte: „Hans, wir machen einen Film, Du musst helfen.“ Ich las das Skript und fand es sehr spannend. Ich kannte zwei Filme von Joey und wusste von der extremen Kunstwelt, in der er lebt. Dann musste es schnell gehen, weil nicht mehr viel Zeit bis zum Produktionsbeginn war. Wir haben das Budget bei einem anderen Film gekürzt und in das Projekt von Joey gesteckt – und ich hab es bis heute nicht bereut.

Wie würden Sie Joey beschreiben?


Der Joey ist ein sehr bescheidener, sehr intelligenter und in seinem Heimatland und dessen Mythen tief verwurzelter Künstler. 

Sind weitere gemeinsame Produktionen geplant?


Ja, das schwingt mit. Solche Sachen fängt man nicht an, um sie mit dem ersten Spatenstich zu beenden. Joey ist auch ein Künstler, der eine starke Kontinuität braucht. Wenn er also wieder ein Projekt hat, bin ich mir ganz sicher, dass er es uns zeigt. Unsere englische Firma hat ständig Kontakt zu ihm und ich bin neugierig, was er sich als nächstes vornimmt. Bei mir ist er herzlich willkommen, ich würde gerne wieder mit ihm arbeiten.

Zum Porträt und Interview mit "Joey" Apichatpong Weerasthakul.
Christoph Stockburger


Hans W. Geißendörfer hat die „Lindenstraße“ erfunden und produziert die Serie bis heute. Anfang 2011 kommt sein Film „In der Welt habt ihr Angst“ in die Kinos.

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