Thailand Parlamentswahl:

Blockaden, Bedrohungen & Boykott

Heute finden die Parlamentswahlen in Thailand statt. Seien Sie auf der Hut, denn insbesondere an diesem Wahl-Wochenende ist gar nichts (mehr) sicher.


Bangkok, 2. Februar 2014 (Lokalzeit)


In der Stadt der Engel ist in wenigen Stunden der Teufel los, denn heute ist offizieller Wahltag. Fast drei Monate protestierten Regierungsgegner weitgehend friedlich vor sich hin, die Demo-Märsche erinnerten eher an eine Love Parade, und die Zusammenkünfte von Suthep Thaugsuban und seinen Anhängern hatten stellenweise sogar Volksfest-Charakter. Doch das ist Schnee von gestern. Der Rummelplatz ist längst ein Pulverfass - spätestens seit die Vorwahlen in der letzten Woche durch die protestierenden "Gelbhemden" boykottiert wurden; Wahllokale landesweit schließen mussten und gewillte Wähler ihre Stimmzettel nicht abgeben konnten. Speziell für den heutigen Wahl-Sonntag hat die Opposition wieder Mega-Blockaden angekündigt; Straßen sollen komplett gesperrt und ein Urnengang unmöglich gemacht werden. Die Gegenseite will diese Aktionen diesmal unter allen Umständen verhindern. "Laßt uns in Ruhe. Wir haben das Recht zu wählen", schreien die regierungsfreundlichen "Rothemden" seit Tagen. In Thailand regiert nur noch die blinde Wut.  


"Auge um Auge"...das steht am 2. Februar zweifellos auf der Tagesordnung. "Alle Wege führen zur Eskalation", schreiben lokale Medien. Gestern fielen vielfach Schüsse und es waren "bombenähnliche Detonationen" in zwei Protestzonen zu hören. Mehrere Menschen wurden verletzt. Unterdessen hat die Polizei auf ihrer Facebook-Seite (Facebook.com/team.policespokesmen) Fotos von den mutmaßlichen Schützen veröffentlicht und hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung (siehe auch unsere Fotogalerie).... 


Über 100.000 Polizisten und Soldaten sind am Sonntag, den 2. Februar, in höchster Alarmbereitschaft. Nehmen Sie diese Tatsache bitte ernst! 

Bis vor wenigen Tagen hatten Touristen nichts zu befürchten. Doch was am Wahltag passieren wird, kann keiner voraussagen. Deshalb warnen politische Insider und vor allem die Botschaften nachdrücklich davor, sich in der Nähe der Demo-Zentren und Wahllokalen aufzuhalten. 
In einem Schreiben appelliert Rolf Schulze, der deutsche Botschafter in Bangkok, erneut an seine Landsleute (Auszug): "Die Opposition, die schon in den vergangenen Wochen das öffentliche Leben und den Straßenverkehr in Bangkok behindert hat, kündigte für den Wahltag eine Intensivierung ihrer Protestaktionen an. So kann es am Sonntag im gesamten Stadtgebiet von Bangkok zu schweren Verkehrsbehinderungen kommen. Realistischer weise können wir leider am Wahltag handgreifliche und möglicherweise gewaltsamere Auseinandersetzungen nicht ausschließen. Für den  Wahltag rate ich Ihnen daher: 
  • Nutzen Sie die  Medien, ob Fernsehen oder Smartphone, und halten Sie sich über die aktuelle Lage informiert.
  • Gehen Sie keine Risiken ein und halten Sie sich von größeren Menschenansammlungen fern.
  • Meiden Sie unter allen Umständen die Nähe zu Wahllokalen.
  • Sofern die Lage eskalieren sollte, lassen Sie Ihren gesunden Menschenverstand walten und ziehen Sie sich in Ihre Wohnung oder Ihr Hotel zurück. 
Vielleicht mögen dem einen oder anderen unter Ihnen unsere Einschätzung und unsere Empfehlungen übertrieben erscheinen. Bedenken Sie jedoch, dass es schon in den letzten Wochen vereinzelt Tote und Verletzte gegeben hat." 

Nathalie Gütermann; Fotos: Nathalie Gütermann/Polizei "Team Policespokesmen"

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