Unglück in Kao Sok:

Sicherheit darf keine Glückssache sein

Nach dem Höhlendrama im Kao Sok Nationalpark, bei dem unter anderem eine Familie aus der Schweiz und ein Junge aus Deutschland ums Leben gekommen sind, müssen Thailands Behörden Rede und Antwort stehen.


Die Tourismusindustrie ringt um Erklärungen, wie es so weit kommen konnte und fragt sich, ob grundsätzliche Sicherheitsmängel Schuld sind am Tod der acht Menschen oder ob es schlicht ein Fehlentscheid eines einzelnen Reiseführers war.
Idyllisch ist wohl die treffendste Beschreibung für den Weiler am Eingang zum Kao Sok National Park in Thailand: Eine Handvoll einfacher Häuser liegt da, umgeben von saftigem Grün, zu Füßen majestätischer Kalksteinberge. Was eigentlich das perfekte Ferienparadies abgibt, wirkt seit ein paar Tagen gespenstisch verlassen und leer. Einmal mehr wurde ein thailändisches Touristenparadies innerhalb kürzester Zeit zur Hölle.

Noch sind die Geister da

Sie sitzt gelangweilt am Tresen und schaut auf den Fernseher über der Theke, wo eine thailändische Seifenoper vor sich hinplätschert. Die Managerin des Green Valley-Resorts hat nichts zu tun. Drei Tage nach dem Unglück ist ihr kleines Hotel leer, die meisten Gäste sind abgereist. „Die Geister!“ flüstert sie mit vielsagendem Blick. Und verweist damit auf den thailändischen Glauben, wonach die Seelen von Toten nach einem Unglück als Geister noch eine Weile an dem Ort herumirren, wo der Unfall geschah. – Sie befürchtet, dass wohl deswegen in nächster Zeit kaum mehr Gäste in ihr kleines Hotel kommen wollen. War es doch hier, wo die Bieler Familie zuletzt residierte. Mehr will sie nicht sagen, zum Drama, das sich ganz in der Nähe abgespielt hat. Auch ihr Geschäftspartner gibt sich wortkarg. Er will nicht in die internationale Presse geraten und beteuert unentwegt, dass die Leute die Reise nicht bei ihm gebucht hätten, sondern da, wo die Deutsche Mutter mit ihrem Sohn gewohnt habe. Es kommt zu Schuldzuweisungen – denn wer die Reise verkauft hat, hängt mit drin und das will man hier im Green Valley-Resort tunlichst vermeiden.

Höhle bleibt geschlossen

Die Schuldfrage wird zur gleichen Zeit auch andernorts diskutiert. Rund 700 Kilometer entfernt, in einem Büro eines Hochhauses in Bangkok sitzen hochrangige Vertreter der Tourismusbehörde, des Ministeriums für Nationalparks und der Tourismuspolizei zusammen und zerbrechen sich die Köpfe über die Sicherheit von Thailands Tourismusindustrie. Als erste Massnahme bleibt die „Nam Talu Höhle“, die zur Todesfalle wurde, vorübergehend geschlossen. „Eine allgemeine Sperre von Höhlen wäre zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben.“ sagt die Sprecherin der Tourismusbehörde (TAT) Kaneungit Chotikakul. Was geschehen sei, tue ihr sehr leid und sie wolle sich bei den Angehörigen aufrichtig entschuldigen, fügt sie an. Es sei wohl wirklich eine Fehleinschätzung des Tourenfühers gewesen, die zum tragischen Unglück geführt habe.

Zurück zur normalität

Für Thailands Behörden ist das eine  einfache Lösung. Denn der Führer ist bekanntlich selber gestorben und kann somit auch nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass das Ganze schon fast ein Bisschen nach Schadensbegrenzung in eigener Sache der Behörden riecht. Niemand will so kurz vor Start der Hochsaison das Image der Thailändischen Tourismusindustrie gefährden und auf lange Untersuchungen warten. Schließlich sind die Touristen ein wichtiger Teil des Rückgrats der thailändischen Wirtschaft und deshalb soll möglichst schnell zur Normalität übergegangen werden. Die Tourismusbehörde betont aber, dass die lizenzierten Führer grundsätzlich gut ausgebildet wären und eigentlich solche Gefahren schon einschätzen könnten. „Sie kennen die Region, in der sie arbeiten wie die eigene Hosentasche und wissen genau, was drin liegt und was nicht.“ versichert die Sprecherin. Trotzdem scheint man sich aber nicht mehr ganz so sicher zu sein, ob die Standards denn wirklich genügen. Als erste Massnahme sollen nun alle Höhlen, die als Touristenziele gelten, überprüft werden. Diskutiert wird auch, ob es möglicherweise künftig zu einer generellen Schließung während der Regenzeit kommen könnte, denn die Sicherheit soll auch in Thailand nicht dem Zufall überlassen werden, betont die Sprecherin der Tourismusbehörde.

Pascal Nufer


Wie sicher kann man in Thailand reisen? Über 700 000 Deutsche, Schweizer und Österreicher reisen jedes Jahr nach Thailand und buchen exotische Trekkingtouren durch den Dschungel, Wildwasserfahrten über braun-schäumende Bergbäche, abenteuerliche Wanderungen in vergessene Dörfer oder machen eine Expedition in eine dunkle Tropfsteinhöhle.  Wer sich dabei nicht unnötigen Gefahren aussetzen will, schaue schon bei der Auswahl der Reise auf Qualität, empfiehlt die Tourismusbehörde: „Am besten bucht man Touren nur in lizenzierten Büros, denn die vermitteln einem auch sicher lizenzierte Führer.“ sagt La-iard Silanoi, Ausbildungschef bei der TAT. Allerdings gibt es aber auch dann noch große Unterschiede, wie der Österreichische Hotelier Werner Karasek, der schon seit 24 Jahren auf Phuket ein Hotel betreibt, weiss: „Je teuerer die Tour, desto sicherer, heisst die Faustregel.“ Es sei einfach eine Tatsache, dass die Touranbieter genau bei der Sicherheit sparen und billige Touren oft schlecht gewartete Fahrzeuge benutzten oder einfach auch schlechtes Equipment zur Verfügung stellten. Das sicherste sei eigentlich sowieso, wenn gleich ein großer  internationaler Reiseanbieter dahinter stehe, sagt Karasek weiter. „Denn die überprüfen die Sicherheitsstandards auch von ihrer Seite her regelmäßig.“

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