Wirtschaftsnews:

Gesundheitssektor soll wachsen

Von Alexander Hirschle, Germany Trade and Invest


Thailands Gesundheitssektor soll in den kommenden Jahren weiter wachsen. Das Königreich will sich als regionales Zentrum für medizinische Behandlungen positionieren. Darüber hinaus treiben eine alternde Bevölkerung, technologische Innovationen und das Konjunkturpaket den Bedarf nach oben. Da der Sektor in Thailand durch eine hohe Abhängigkeit von Importen gekennzeichnet ist, werden sich in den kommenden Jahren sehr gute Lieferchancen für deutsche Erzeugnisse ergeben.
Marktentwicklung/-bedarf
Die thailändische Gesundheitsbranche bleibt weiterhin auf Expansionskurs. Der Medizintourismus gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren des Sektors. Die Regierung will Thailand als Zentrum für medizinische Behandlungen innerhalb der Region weiter ausbauen. Als besonders attraktiv bei ausländischen Gesundheitstouristen gelten die zentrale geographische Lage Thailands, eine im regionalen Vergleich gut ausgebaute Infrastruktur und preisliche Vorteile bei gleichzeitig hoher Qualität der medizinischen Versorgung zurückzuführen. So liegen die Behandlungskosten in Thailand im Regelfall um rund 25% unter denjenigen in Singapur und um 30% bis 60% niedriger als in westlichen Industrieländern.
Allerdings dürfte sich diese Differenz im Zuge der Wertsteigerung des Baht gegenüber dem US-Dollar im Jahresverlauf 2010 etwas verringert haben.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der Gäste, die zu medizinischen Zwecken nach Thailand reisten, zwischen 2004 und 2009 von 630.000 auf 1,5 Mio. Touristen. Die politischen Unruhen im Frühjahr 2010 in Bangkok haben nur für einen temporären Nachfrageknick gesorgt. Nach der Beruhigung der Lage zog die Zahl der ausländischen Patienten wieder stark an. Der Fachverband Thai Medical Device Technology Industry Association (Thaimed) geht sogar von bis zu 2 Mio. Gesundheitstouristen für das Gesamtjahr 2010 aus.
Die Umsätze und Investitionen der privaten Krankenhäuser zeigten im Jahresverlauf 2010 im Zuge des allgemeinen Konjunkturaufschwungs wieder deutlich nach oben. Die größte Krankenhauskette Thailands, Bangkok Dusit Medical Services (BGH), rechnet 2010 mit einer Steigerung ihrer Umsätze um 7 bis 9%. Der Anteil ausländischer Patienten am Gesamtumsatz der 19 BGH-Krankenhäuser liegt Presseangaben zu Folge bei 40%. Das Bumrungrad Hospital erwartet eine Umsatzsteigerung von 10%, nachdem diverse Renovierungsarbeiten und Erweiterungsinvestitionen abgeschlossen wurden und nun 1 Mio. Patienten pro Jahr behandelt werden können.
Um die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Ländern der Region erhalten zu können, müssen die lokalen Krankenhäuser in moderne Technologien investieren. Aus diesem Grund ist auch zukünftig mit einem starken Bedarf an Medizintechnik in Thailand zu rechnen. Der Umsatz mit medizintechnischen Erzeugnissen wird laut Thaimed für 2010 rund 795 Mio. US$ betragen und soll bis 2015 auf mehr als 1,2 Mrd. US$ ansteigen. Die höchsten Umsatzanteile im thailändischen Medizintechniksektor entfallen 2010 vorläufigen Schätzungen zu Folge mit 213 Mrd. US$ auf medizinische Verbrauchsgüter, gefolgt von Diagnostikgeräten (202 Mio. US$) sowie orthopädischen Erzeugnissen (72 Mio. US$) und Zahntechnik (46 Mio. US$). Experten sehen Absatzchancen vor allem bei Geräten zur Computertomografie, MRI-Ausrüstungen sowie Maschinen zur Durchführung von extrakorporalen Stoßwellentherapien.
Der Bereich Telemedizin ist im Aufschwung begriffen. Auch Kommunikationssysteme, Wireless-Applikationen, Sensoren, Software und EDV-Geräte werden angesichts der Bemühungen von Krankenhäusern, kürzere und effizientere Behandlungspraktiken zu implementieren, an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus setzen immer mehr Krankenhäuser auf integrative und homöophatische Ansätze, die meist kombiniert werden mit attraktiven Spa- und Wellnessangeboten. Die Sparte Sportmedizin wächst.Ein weiterer Trend ist die Spezialisierung einzelner Institute vor allem in den Bereichen Augen-, Haut- und Zahnbehandlungen. An medizintechnischen Produkten dürften technologisch komplexe Apparaturen wie Diagnosesysteme (Röntgengeräte, MRT, Bildsysteme), Operationsroboter, Arthroskopie- und Rehabilitationsgeräte gefragt sein. Neurologische Ausrüstungen sollten sich einer höheren Nachfrage erfreuen, da führende Krankenhäuser in Thailand diesen Bereich deutlich ausbauen wollen. Experten sehen gute Chancen für den Absatz von Labor- und Testgeräten sowie Zubehör. Darüber hinaus sind Ausrüstungen für den Bereich plastische und Laserchirurgie sehr gefragt.
Trotz der positiven Entwicklungen bei den auf die zahlungskräftigen Patienten ausgerichteten Krankenhäusern gibt es zunehmend Probleme, weil Ärzte und Pflegepersonal in Richtung der lukrativen privaten Krankenhäuser in den Großstädten abwandern. Dadurch könnte sich die medizinische Versorgungslage der größtenteils öffentlich versicherten Bevölkerung auf dem Land künftig verschlechtern.
Die Regierung will gegensteuern und verspricht laut Presseberichten die Verbesserung des Gesundheitswesens für alle Bevölkerungsteile. Die Qualität der medizinischen Behandlung der auf dem Land gelegenen rund 10.000 "Health Centres" (staatliche Gesundheitszentren) soll durch zusätzliches Personal optimiert werden. Des Weiteren soll dem Sektor im Rahmen des insgesamt rund 30 Mrd. Euro umfassenden und bis mindestens 2012 laufenden Konjunkturprogramms ein erheblicher Stellenwert eingeräumt werden. Das Gesundheitsministerium rechnet mit Mittelzuflüssen in Höhe von knapp 3 Mrd. US$ und 2011 mit fast 4 Mio. US$ zusätzlich.
Neben dem Medizintourismus und dem Konjunkturpaket dürfte in den kommenden Jahren vor allem die alternde Bevölkerung Thailands zu einer steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen führen.
Der Anteil der Einwohner, die 60 Jahre überschritten haben, soll sich von 10% im Jahr 2009 auf 20% bis 2025 erhöhen. Einige Experten vergleichen die jetzige Situation Thailands mit derjenigen in Japan Mitte der 80er Jahre.
Thailand verfügte 2008 (letzte veröffentlichte Zahlen) bei einer Bevölkerung von rund 67 Mio. Menschen über 1.008 öffentliche Krankenhäuser mit fast 109.000 Betten und 340 private Krankenhäuser mit rund 36.000 Betten. Unter den privaten Einrichtungen gelten vor allem die 40 größten Kliniken als potenzielle Kunden für Medizintechnik auf hohem technologischem Niveau. Hinzu kommen nach Angaben von Thaimed neben den "Health Centers" auf kommunaler Ebene noch etwa 16.500 kleinere Arztpraxen. Die öffentlichen Krankenhäuser sind mit einem Umsatzanteil von 60% noch immer die wichtigsten Abnehmer von medizintechnischen Geräten in Thailand.
Von der thailändischen Gesamtbevölkerung sind 90% (60 Mio. Personen) über öffentliche Gesundheitsversicherungen abgedeckt. Der Rest ist entweder privat versichert oder hat überhaupt keinen Anspruch auf medizinische Versorgungsleistungen.

Produktion/Branchenstruktur In Thailand gibt es etwa 300 lokale Produzenten von Medizintechnik, wovon rund 70 als Mitglied im Branchenverband Thaimed registriert sind. Andere Quellen gehen von mehr als 1.000 Firmen aus, wobei die Definition des Sektors sehr breit ausgelegt wird. Größtenteils handelt es sich dabei um Hersteller von einfachen Produkten wie Handschuhe, Nadeln oder Rollstühle. Selbst in der Wirtschaftskrise 2009 erreichten die Branchenfirmen noch ein Wachstum von 4,1%. Für 2010 schätzt Thaimed die Zuwächse auf knapp 13%, die sich dann in den Folgejahren bei knapp 10% einpendeln dürften.Um die Produktion von medizinischen Hightechgeräten auszubauen, bilden thailändische Unternehmen vermehrt Joint Ventures mit ausländischen Partnern. Die lokale Investitionsförderbehörde Board of Investment (BOI) unterstützt Firmen, die sich im thailändischen Gesundheits- und Medizinsektor engagieren wollen, unter anderem mit Steuererleichterungen. Außenhandel Etwa zwei Drittel des Umsatzes von Medizintechnik in Thailand entfallen auf Importprodukte. Als wichtigste Lieferländer gelten nach Angaben des Fachverbandes die USA, vor Japan und Deutschland. Produkte aus
der VR China sind nach Einschätzung von Branchenkennern noch keine große Konkurrenz, da sie sich in einem anderen Preis- und Qualitätssegment bewegen. Die thailändischen Importe von medizintechnischen Erzeugnissen gingen 2009 in den meisten Sparten zurück. Doch bereits in den ersten neun Monaten 2010 zogen die Einfuhren wieder an. Besonders gefragt waren Elektrodiagnosegeräte und Röntgenapparate "Made in Germany". Geschäftspraxis Für den Marktzugang ist die Food and Drug Administration (FDA) zuständig. Sämtliche Importe von medizinischen Geräten müssen von der Medical Devices Control Division (MDCD) geprüft und zugelassen werden, die an die FDA angeschlossen ist. Medizinische Geräte, deren Vertrieb im Herstellungsland verboten ist, können nicht in Thailand registriert, importiert oder verkauft werden. Mit dem Gesetz "New Medical Device Act BE 2551" von 2008 wurden die Anforderungen an die Zulassungspraxis deutlich angehoben. Hintergrund für diese neue Verfahrensweise waren in erster Linie zunehmende Importe von illegalen oder kopierten Erzeugnissen sowie eine angestrebte Harmonisierung der Gesetze mit anderen Staaten der Freihandelszone Asean (Association of Southeast Asian Nations).Laut Fachverband werden die Registrierungsverfahren durch die Implementierung des Device Acts in
Zukunft langwieriger und teurer. Besonders für kleine und mittlere Betriebe ist es schwierig, den Anforderungen gerecht zu werden.


KONTAKTADRESSEN Food and Drug Administration (FDA)/ Medical Devices Control Devision: zuständig für Registrierung und Arzneimittelkontrolle www.fds.moph.go.th Thai Medical Device Technology Industry Association (Thaimed): Verband für Medizinprodukte und -technologie www.thaimed.co.th Medical Fair: zweijährliche Leitmesse der Branche in Bangkok, nächster Termin: 14. bis 16. September 2011 www.medicalfair-thailand.com GERMANY TRADE AND INVEST (GTAI) GTAI ist die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland, informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland. www.gtai.de

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