Kinderzeit:

Mama und Dad, zweisprachige Kindererziehung

In der Kolumne erzählt Ute Bäuchl von den Erlebnissen mit ihrem 3 jährigen Sohn in Thailand. Heute geht es um die kleinen Kosmopoliten.


Mama“, sagt Anton, „kann ich noch einen Lutscher haben?“ „Ja, aber“ entgegne ich mit ernster Miene „heute gibt es keine Süßigkeiten mehr, das weißt du doch“. Na gut, denkt sich der kleine Junge, verschwindet mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen schnur-stracks Richtung Papa und bittet diesen: „Daddy, can I have a Lollipop?“. Als wir diese perfekte Übersetzung hören, vergessen wir fast unser Süßigkeitenverbot – so sehr freuen wir uns.
Seit Anton erste „da, da“ Laute von sich gibt, erziehen wir ihn zweisprachig: Ich rede nur Deutsch und mein (ebenso deutscher!) Mann nur Englisch mit ihm, damit er sich auch mit den kosmopolitischen Sprösslingen unserer englischsprachigen Freunde hier in Bangkok verständigen kann. Doch erst seit ein paar Monaten ernten wir die Früchte unserer bilingualen Sprachbemühungen. Es hat geklappt: Anton verständigt sich wirklich auf zwei Sprachen mit uns und betont das auch gerne. Neulich klärte er mich etwa auf:  „Mama sagt Auto und Papa sagt car“. Ein Hurra auf uns alle!
So ganz nebenbei lernt unser kleines Sprachengenie im Kindergarten auch noch Thai. Begrüßt Pen, die Erzieherin, morgens höflich mit „Sawaat di krap“ und ich glaube er kann auch schon Teile der Nationalhymne singen, die jeden Morgen um Punkt acht dort einstudiert wird. Doch ganz sicher bin ich mir da nicht, denn mein Thai begrenzt sich leider nur auf die wichtigsten Alltagsfloskeln. Typisch Eltern eben, die darauf hoffen dass ihr Kind Ihnen einmal als Dolmetscher dienen kann.
Natürlich hoffen wir – wie alle Auswanderer – dass unser Kind durch das Leben im Ausland eine wertvolle Erfahrung mit auf den Weg bekommt, von der es auch später im Leben profitieren kann: Denn wer im Ausland aufwächst, beherrscht in der Regel nicht nur mehrere Sprachen, er versteht es (im Idealfall) auch, sich in den verschiedenen Welten des „Global Village” zu bewegen: So war Anton letzte Woche auf einem chinesischen Kindergeburtstag an dem es statt Geburtstagstorte glitschige Riesenpilze zu essen gab und alle Kinder anstelle von Topfschlagen und Eierlauf stundenlang Zeichentrickfilme gucken konnten.
Als wir wiederum seinen dritten Geburtstag mit typisch deutschen Kinderaktivitäten im Großaufgebot begingen, waren das Staunen und die Freude groß. Die siebenjährige Besucherin, Nina, wollte prompt am nächsten Tag gleich wiederkommen, um „wieder so lustige Sachen zu machen”. Gerne doch!
Ganz selbstverständlich fließt auch thailändisches Kulturgut in Antons Leben ein. Jedes Mal etwa, wenn er einen Mönch in seinem orangefarbenen Tuch sieht, ruft er laut „Buddha” und macht einen perfekten Wai. Auch zieht er immer – wie es in Thailand üblich ist – sofort die Schuhe aus, sobald er ein Haus betritt. Und wenn wir irgendwo (die für uns eher gewöhnungsbedürftige) thailändische Popmusik hören, verfällt er in eine wilde Tanzakrobatik. Er ist eben fast ein kleiner Thai.
Um den Bezug zu unserer Heimat nicht zu verlieren, haben wir tonnenweise Bücher von unseren Besuchen in Deutschland mitgebracht. Und – zu unserer Freude – schicken uns unsere Freunde aus der Heimat gern selbst aufgenommene Kinderlieder und Hörspiele. Die freche Pippi Langstrumpf ist derzeit sein Favorit.
Einmal im Jahr reisen wir nach Deutschland, um den Kontakt zu Freunden und Verwandten aufrecht zu erhalten und Anton an deutscher Kultur und Lebensweise teilhaben zu lassen. Dass es da dann Kartoffelauflauf anstatt Reis gibt, ist für ihn kein Problem – beide zählen zu seinen Leibspeisen!
Ute Bäuchl

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