Kinderzeit:

Vorteile einer Schwangeren

In der heutigen Kolumne geht es um die Höhen und Tiefen, die eine Schwangerschaft (nicht nur) in den Tropen mit sich bringt.


Ich bin schwanger. Wieder. Zum zweiten Mal. Und endlich kann man meinen prallen Bauch auch nicht mehr übersehen. Denn im sechsten Monat ähnelt er einem überdimensionalen Kürbis, den ich unter dem T-Shirt versteckt zu halten scheine.
Dieser üppige Bauch nervt beim Schlafen, Fahrrad fahren und Yoga machen. Auch die tropische Hitze bringt mich noch mehr ins Schwitzen. Ansonsten verschafft mir der neue Vorderbau aber wahnsinnig viele Vorteile: Im Bus springt sofort jemand auf, sobald ich übertrieben stöhnend einsteige und bei den – von mir ungeliebten – Schranken, an den Eingängen zum „BTS Skytrain” werde ich jedes Mal vorbei gerufen und darf gemütlich das Gatter passieren.
Auch an der Arbeit nicken alle verständnisvoll wenn ich Berge von süßen Mangos und importierter Schokolade (ich habe Süßes schon immer geliebt) in mich reinstopfe oder schon um drei Uhr „total erledigt” einfach das Büro verlasse.
Die Welt da draußen ist zu Schwangeren unheimlich nett: Ob Marktverkäuferin, Spaziergänger oder Taxifahrer – alle lächeln mich immer fröhlich an, stecken mir noch mehr zu knabbern zu „Du musst doch für zwei Essen” oder wollen sogar mal meinen Bauch anfassen –  was ich in der Regel völlig in Ordnung finde.
Nur neulich auf dem Markt als ich gerade vollbeladen versuchte nicht in die Ablagen zu kippen (es ist immer eng dort!) und mir eine wildfremde Frau rasch von der Seite über meinen Bauch strich, brachte mich das doch aus dem Gleichgewicht und ich stieß – plumps – gegen den nächsten Tisch.
Schon von meiner ersten Schwangerschaft bin ich an das gesteigerte Interesse an westlichen, hoch schwangeren Frauen hier in Bangkok gewöhnt: Als ich damals zum ersten Mal das Uni-Krankenhaus „Sirilat” betrat, in das sich normalerweise keine „Farang-Frauen” verirren, schwirrten alle verfügbaren Krankenschwestern um mich herum und chauffierten mich wie eine Prinzessin. Damals kam ich mir unheimlich exotisch vor.
Heute gehe ich mit der gesteigerten Aufmerksamkeit ganz souverän um.
„Ja, wie lange dauert es denn noch?”, „Und was wird es denn?” und „Wie soll es denn heißen?”- ist das Standardfragenrepertoire das ich am Tag zigmal zu hören bekomme. Und, ich genieße das! Ja, wirklich, all die Aufmerksamkeit und das Interesse.
Stolz schiebe ich meinen Bauch vor mir her und ignoriere jegliche Zweifel, die höchstens mal von westlichen Bekannten kommen: „Wie, das ist schon das zweite Kind? Sehr mutig”.
Klamotten für Schwangere in Thailand zu finden, ist auch kein Problem. Ganz im Gegenteil: Bereits im zweiten Monat tat ich so, als ob mir nichts mehr passte und kleidete mich komplett neu in all den schönen, weiten Kleidern und den luftig tollen Oberteilen (die es hier en masse gibt) ein. Den Kaufrausch habe ich einfach auf das Nestbausyndrom geschoben. Um die gängigen pastellfarbenen Thai-Umstandskleider mit Bärchenaufdruck mache ich jedoch, nach wie vor, einen großen Bogen.
Passende Unterhosen zu finden ist ein anderes Thema – aber darüber will ich mich aus purer Rücksichtsnahme lieber nicht auslassen!
Lustig wird es, wenn ich anderen Schwangeren begegne: Wie Verbündete strahlen wir uns dann an, obwohl wir uns eigentlich wildfremd sind. Nur in wenigen Blicken liegt dann all das Unausgesprochene: „Ja, wir lassen uns auf diese Liebe ein – und auf das 1000-fache Windelwechseln, das endlose Geschreie und die schlaflosen Nächte”.
Das fiese bei der zweiten Schwangerschaft ist nämlich sowieso, dass man nicht mehr so tun kann, als ob einen nur das „pure Glück auf Erden” erwartet.  Nein, die Vorfreude ist anders, irgendwie weiser, bodenständiger. Aber dennoch: Der Zauber bleibt. Auch beim zweiten, dicken Bauch.
Und ich freue mich darauf. Riesig sogar. Ich bin eben ganz mutig!
Ute Bäuchl

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